Ihr Basler habt es gut

In Basel ist nichts los, die Stadt sei spassfeindlich, jammern viele Einheimische. Eine Bernerin weiss: Andernorts ist es noch viel schlimmer.

Chillen im Museum. Event Bar im Naturhistorischen Musem Basel – ein Ort zum Absacken.

Chillen im Museum. Event Bar im Naturhistorischen Musem Basel – ein Ort zum Absacken.

(Bild: Nicole Pont)

Basler scheinen ganz gerne ein bisschen zu kritisieren und zu leiden. Das liegt vielleicht daran, dass ihnen das genüssliche Kritiküben seit Generationen mit jedem einzelnen Schnitzelbangg mehr in Fleisch und Blut übergeht. Oder daran, dass das Gras in Nachbars Garten grüner steht. Denn es gibt ja so vieles, was besser sein könnte. Und dabei soll jetzt nicht die Rede von Banken, Bahnen oder Honoraren sein.

Hier geht es um Kulturelles und Kulinarisches. Um nicht weniger, als das pulsierende Leben in der Stadt selbst. Die Restaurants seien viel zu leer, klagen Gastronomen, es gebe auch nichts Neues, monieren die Gäste. Gute Clubs brauche man in Basel gar nicht erst zu suchen, murrt die Jugend. Auch Strassen, Bars und Beizen seien wie ausgestorben.

Basel muss sich keineswegs verstecken

Und alle einstimmig: «In Zürich ist das anders!» Da sind die neuen, hippen Restaurants voll und vor den zahlreichen Clubs bilden sich lange Schlangen von kulturoffenen Menschen. Würde man einen Zürcher fragen, tönte das selbstverständlich nochmals anders. Aber mal davon abgesehen: Warum blicken Basler stets Richtung Osten? Und plagen sich mit der scheinbaren Unerreichbarkeit des metropolitanen Zürich, während der Blick Richtung Bundeshauptstadt das ramponierte Stadtbild augenblicklich in neuem Glanz erstrahlen liesse.

Das, liebe Basler, von einer Bernerin. Von einer, die hier arbeitet, dort lebt – und selbstredend ein bisschen verliebt ist in ihre Heimatstadt. Doch bei allem Stolz: In Bern ist es an manch schönem Abend allzu früh allzu ruhig. Gespenstisch. Die Pendlerei bringt vieles mit sich, unter anderem den direkten Städtevergleich. Und da muss Basel sich keineswegs verstecken. Im Sommer habt ihr, unter vielem, die Kasernenwiese, von der KaBar versorgt mit Hugos, Caipis oder Bier, die Buvetten am Rhein­ufer, und, wenn wir schon vom Rhein sprechen: Klar, die schöne grüne Aare schlägt er nicht, aber seid mal ehrlich: Welche andere Stadt hat Konzerte auf einem Floss? Mehrmals wöchentlich? Gratis? Eben. Da sind Cafés, Bars und Restaurants, bei deren Anzahl, Auslastung und Inszenierung der Bernerin der Neid aus allen Poren schiesst. Ebenso schlecht für den Neid-Haushalt ist die Basler Theater- und Kleinkunstszene, deren Wurzeln tief gehen. Und, Mensch, mehr Galerien und Museen als wir habt ihr auch!

In Bern ist es still und leer

Clubs hat es wenige, das stimmt. Aber bitte, liebe Basler, kommt mal nach Bern. Da sucht ihr noch länger. Ihr habt Weihnachtsmarkt, Messe und Fasnacht, JKF, Art und Restaurants, die ihre Tische und Stühle bei schönem Wetter auch mal rausstellen. Ihr habt zu jeder Jahreszeit vollere Strassen als wir und, naja, auch das Musical-Theater steht bei euch. Ich weiss schon, ominis comparatio claudicat, aber dennoch, wenn zurück im stillen, leeren Bern, kommt ein Gedanke: «In Basel ist das anders ...»

Basler Zeitung

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