Hinter der Grenze geht die Post ab

Schweizer können sich Pakete und Briefe nach Weil am Rhein schicken lassen und dort abholen. Ein Angebot, das rege genutzt wird.

Roland Burg in der Halle, wo die Pakete lagern. Er musste schon wieder anbauen.

Roland Burg in der Halle, wo die Pakete lagern. Er musste schon wieder anbauen.

(Bild: Roland Schmid)

Roland Burg muss schon wieder anbauen. «Erst am 1. November 2010 haben wir eine neue, 130 Quadratmeter grosse Halle mit vier Schaltern eröffnet und gedacht, das hält erstmal drei, vier Jahre. Jetzt aber platzen wir schon wieder aus allen Nähten», erklärt der Inhaber des Lieferadress-Services (LAS) Burg in Weil am Rhein. In den nächsten Tagen kommt eine weitere Halle von 170 Quadratmetern dazu.

Wer eine Adresse in Deutschland braucht, um sich dorthin Briefe, Pakete und andere Sendungen schicken zu lassen, kann sich bei der LAS registrieren lassen und deren Adresse benutzen, nur einige Hundert Meter vom Rheincenter und dem Grenzübergang Hiltalingerstrasse entfernt. Ist die Sendung angekommen, wird er über E-Mail oder SMS informiert und man kann sie gegen eine Gebühr in Weil Friedlingen abholen – die Kosten liegen je nach Grösse der Sendung zwischen 2,50 und 13,50 Euro.

Hohe Verzollungsgebühren

Der Service ist besonders für Schweizer interessant, da manche Lieferanten ihre Pakete nicht in die Schweiz schicken. Ausserdem fallen bei der Post oder bei Expressfrachtfirmen für den Direktversand in die Schweiz erhebliche Kosten an. So verlangt die Post für die Verzollung Gebühren von 18 oder 35 Franken, bei den Kurierfirmen kann es noch mehr sein.

Das LAS hat derzeit 12'000 Kunden, rund 85 Prozent von ihnen leben in der Schweiz. Seitdem der Eurokurs derartig im Keller ist, kommen wöchentlich 200 neue Kunden hinzu. «Die Zahl der Neuanmeldungen hat sich fast verdoppelt», sagt Burg und ergänzt: «Der Ansturm ist eine riesige Herausforderung.» 3000 Sendungen warten im Lager auf die Abholung und täglich kommen 750 bis 900 dazu.

Besonders gross ist der Andrang der Abholer samstags und unter der Woche zwischen 17 und 18.30 Uhr; da kann es auch einmal Wartezeiten von einer halben Stunde geben. Am Samstagmorgen gegen halb elf Uhr sei die Schlange manchmal ewig lang, bestätigt Monica Cervilla aus Basel – allerdings ohne dass sie das übermässig stört. Sie nimmt den Service seit fast zwei Jahren in Anspruch und ist sehr zufrieden damit: «Das klappt immer super.»

Alles läuft elektronisch

Mit der neuen Halle, die in den nächsten Tagen in Betrieb genommen wird, sollte das Abholen der Sendungen schneller gehen. Da es mehr Platz gibt, um sie abzulegen, werden diese dann auch schneller gefunden. Ausserdem soll in der neuen Halle ein Extra-Schalter für grössere Lieferungen eingerichtet werden.

Die Idee für den Lieferservice hatte Roland Burg, der auch eine Lottoannahmestelle betreibt, vor vier Jahren, weil das Geschäft mit dem Glücksspiel nicht mehr so gut lief. Noch vor zwei Jahren wurden die Sendungen vom Lieferservice alphabetisch abgelegt; heute läuft alles elektronisch. Bei der Anlieferung wird die Sendung erfasst und erhält einen Strichcode, dem beim Ablegen in der Lagerhalle per Funkscanner der Ort zugeordnet wird.

«Unser Server muss hundertprozentig laufen», betont Burg. Manche Kunden kämen aus Bern oder Luzern – nicht auszudenken, diese würden den weiten Weg aufgrund eines Fehlers umsonst machen. Beim Abholen müssen die Kunden ihre Kundenkarte und den Pin eingeben – haben sie alle Informationen parat und war das Paket oder der Brief wie verlangt korrekt mit Namen und Adresse des Empfängers wie der des LAS beschriftet, wird ein ermässigter Tarif fällig.

Sogar Oldtimer-Töff geliefert

Derzeit dürfen bei Burg keine Sendungen auf Paletten angeliefert werden – das Maximalgewicht liegt bei 40 Kilogramm. Das war nicht immer so: So erinnert sich Roland Burg daran, dass schon ein Gartenhaus, ein Kajak, Velos oder auch ein Oldtimer-Motorrad über das LAS an seinen Empfänger gelangt sind. Für die Baugenehmigung der neuen Halle hat die Stadt Weil am Rhein darauf bestanden, dass nur noch mit Lastwagen bis maximal 7,5 Tonnen angeliefert werden darf.

Der LAS hat noch einen Ableger in der Colmarerstrasse, ebenfalls in Weil-Friedlingen, aber dort herrscht derzeit Aufnahmestopp. Um Palettenlieferungen, über die zum Beispiel Autozubehör wie Reifen oder Mamorbecken kommen, wieder möglich zu machen, ist Burg auf der Suche nach einer Lagerhalle. Dort könnten dann an einem Schalter die Palettensendungen abgeholt werden. «Wenn wir warten, bis uns der Platz ausgeht, kommen wir in Not», ist er überzeugt.

Problemthema Verpackungen

Schwierigkeiten gibt es immer mal wieder mit den Verpackungen, die manche so Kundinnen und Kunden in den Containern anderer Firmen in Weil-Friedlingen entsorgen. Deshalb hat Roland Burg auch schon Post von den Anwälten der betroffenen Firmen erhalten, die sich bei ihm beklagt haben. «Aufgrund der Kundennummer wussten wir ja, wer dafür verantwortlich war. Wir schreiben den Verursachern, stellen ihnen die Kosten in Rechnung und drohen damit, ihre Mitgliedschaft bei uns im Wiederholungsfall zu stornieren», erzählt Burg. Die LAS bietet jetzt den Service an, die Verpackung mittlerer Pakete für 50 Cents und die grösserer für einen Euro zu entsorgen. «Damit ist ein Mitarbeiter von uns immerhin drei halbe Tage beschäftigt.»

Mittlerweile arbeiten elf Personen für den Lieferadress-Service, allerdings in Teilzeitpensen. Auch hat Burg investiert. Die beiden Hallen haben je 150 000 Euro gekostet, ein Parkplatz, der zukünftig bewirtschaftet werden soll, schlug ebenfalls mit 150 000 Euro zu Buche. Billig ist er trotzdem: 20 Minuten parkieren kosten 20 Cents, für LAS-Kunden sind die ersten 20 Minuten gratis.

Basler Zeitung

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