Hier liegt die «Merlin» im sicheren Hafen

Endlich: Die im August havarierte «Merlin» liegt aufrecht im Hafenbecken 1. Die Wochen unter Wasser sind am Kranschiff nicht spurlos vorbeigegangen, wie ein exklusiver Einblick in die Innenräume zeigt.

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Serkan Abrecht

Schmutzig, verbogen und verdreckt liegt die «Merlin» am Freitag im Hafenbecken 1, beschienen von der Morgensonne. Am Donnerstagnachmittag wurde das wochenlang in der Fahrrinne der Rheinschifffahrt gesichert gewesene Wrack in den sicheren Hafen gebracht. Damit endet die Bergung nach zwölf Tagen. Der Abtransport verzögerte sich zunächst, weil die Bergungscrew verbliebene Fische aus dem Innern des Bugs gerettet hat – ansonsten wären diese beim Abpumpen verendet.

Die elfeinhalb Wochen, in denen das Schiff mit dem Kiel nach oben im Rhein dümpelte, sind an dem Kranschiff nicht spurlos vorbeigegangen. Das zeigt vor allem der Blick ins schwer verwüstete Innere. Eine herausgebrochene Herdplatte liegt lose herum und in der deformierten Kommandobrücke ragen dutzende Kabel aus den Amaturen – vom Steuerrad fehlt jede Spur. Einziger Farbtupfer ist die grellorange Arbeiterjacke, die im schlammverdreckten Badezimmer neben der Kloschüssel auf dem Boden liegt.

Zweites Leben für die «Merlin»?

Wie es mit der «Merlin» weitergeht, ist noch nicht abschliessend geklärt. Zunächst müssen nun – da das Schiff im sicheren Hafen liegt – die genauen Schäden festgestellt werden. Auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu Ursache und Ablauf des Unglücks laufen noch. Das Kiesschiff geriet am 4. August unterhalb der Dreirosenbrücke beim Löschen der Ladung ins trudeln, bekam Schlagseite und kenterte. Danach wurde die ausser Kontrolle geratene «Merlin» von einem Passagierschiff gerammt.

Die anfallenden Kosten von Unfall und Bergung sind ebenfalls noch so unklar wie die Zukunft der «Merlin». Das Ende auf dem Schrottplatz könnte allenfalls noch abgewendet werden. Elektronik und Maschinerie haben zwar Totalschaden erlitten, doch am Schiffsäusseren fallen offenbar lediglich Blechschäden an. Entscheidend dürfte wohl sein, ob sich eine Reparatur finanziell noch lohnt. Wer weiss: Vielleicht werden wir die «Merlin» künftig wieder auf dem Rhein im Einsatz sehen.

baz.ch/Newsnet

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