Hauchdünnes Ja für die St.-Alban-Vorstadt

Die Basler wollen die Trottoirs in der St.-Alban-Vorstadt weg haben. Das Resultat fällt knapp aus.

Das Trottoir in der St.-Alban-Vorstadt wurde zum Streitpunkt.

Das Trottoir in der St.-Alban-Vorstadt wurde zum Streitpunkt.

(Bild: Kostas Maros)

Franziska Laur

Eigentlich interessieren sich nur wenige Anwesende im Abstimmungs-Forum für die Vorlage 5: die Umgestaltung der St. Alban-Vorstadt. Gegen diese hatten Anwohner mit Unterstützung der FDP das Referendum ergriffen. Und doch wird es am Sonntag auch bei dieser Vorlage noch spannend. Denn während die Landgemeinden Riehen und Bettingen die Umgestaltung ablehnten, sind die Stadtbasler nur knapp dafür. So zeichnet sich bei der Verkündung der Zwischenresultate ein dünnes Mehr ab. Und dies bleibt bis zur Schlussauswertung so. Nur 51 Prozent der Stimmbürger, insgesamt 26 768, sind für das Geschäft, 23 919 dagegen.

«Ich bin sehr froh, dass es angenommen wurde», sagt Hans-Peter Wessels. Der Baudirektor versteht das knappe Resultat als Zeichen, dass er künftig besser kommunizieren müsse. mit einer Vorlage knapp durchgenommen. «Wir müssen die Bevölkerung stärker für die schwächsten Teilnehmer des Verkehrs, die Fussgänger wie die Behinderten, sensibilisieren», sagte er.

Genau für die Zielgruppe der Behinderten sieht jedoch Uta Feldges, Anwohnerin der St. Alban-Vorstadt, Probleme: «Diese Wackensteine müssen für Rollstuhlfahrer schrecklich sein.» Auch Fussgänger mit Hüft- und Gelenkproblemen hätten auf solcher Unterlage Mühe und überhaupt sei es ein verfehltes Projekt. Sie hofft immer noch auf eine einvernehmliche Lösung mit der Bauverwaltung: «Man könnte ja einen Kompromiss machen und Trottoirs nur zwei, drei Zentimeter von der Höhe der Fahrbahn absetzen.»

Das sagt Hans-Peter Wessels im Interview zu seinem knappen Sieg. Video: Mischa Hauswirth

Enttäuscht über den Ausgang der Abstimmung zeigt sich ebenfalls FDP-Präsident Luca Urgese: «Dieses knappe Resultat zeigt einmal mehr, dass die Verkehrspolitik von Hans-Peter Wessels zu denken gibt.» Besonders, da nur schon ein so verhältnismässig kleines Projekt soviel Widerstand auslöse. «Wessels muss sich überlegen, ob er den richtigen Kurs eingeschlagen hat.»

Doch solche Worte scheren den Baudirektor wenig. Er möchte im kommenden Jahr mit den Bauarbeiten beginnen. Jetzt komme man mit einem Rollator oder gar Rollstuhl gar nicht über diese schmalen Trottoirs.

Stadt-Land-Graben tut sich auf

Die St.-Alban-Vorstadt soll wie die Rittergasse zu einer Begegnungszone mit Tempo 20 umgestaltet werden – mit einem Schwarzbelag in der Mitte und abgeschliffenen Wackensteinen links und rechts. Die Einebnung der Strasse sei unumgänglich, argumentiert die Bauverwaltung. Es gebe neue Normen für die Trottoirbreiten. Trottoirs von 50 Zentimeter Breite – wie sie aktuell in der St.-Alban-Vorstadt vorkommen – seien nicht mehr erlaubt. Weil bei Trottoirs von 1,5 Meter Breite aber wiederum die Fahrspur nicht mehr nach Norm gestaltet werden könne, müsse die ganze Strasse eingeebnet werden.

Dagegen haben sich die Anwohner und weitere Kreise gewehrt und das Referendum ergriffen. Man fürchtet ohne Trottoir um die Sicherheit. Ausserdem sei das Projekt eine teure Luxussanierung. Alleine für die ersten etwa 250 Meter der St. Alban-Vorstadt, vom Kunstmuseum bis zur Malzgasse, werde die Umgestaltung ohne Leitungsbau mit über drei Millionen Franken veranschlagt.

Einmal mehr zeigte sich bei den Schlussresultaten der Abstimmung der Stadt-Land-Graben. In Bettingen waren 167 für das Projekt und 278 dagegen. In Riehen 3033 dafür, 3879 dagegen und in der Stadt gab es 22 568 Ja und 19 762 Nein. Die Stimmbeteiligung war mit fast 49 Prozent recht hoch.

Basler Zeitung

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