Grosser Rat kontert die Dialekt-Initiative

Dialekt soll nicht im Basler Schulgesetz als Unterrichtssprache im Kindergarten festgeschrieben werden: Der Grosse Rat lehnte eine Initiative mit diesem Ziel ab und unterstützte einen Gegenvorschlag mit gleichwertigen Lernzielen für Dialekt und Hochsprache.

Kinder im Kindergarten Hirzbrunnen: Momentan werden sie mindestens zur Hälfte in Hochdeutsch unterrichtet. Dies passt den Initianten der Dialekt-Initiative nicht.

Kinder im Kindergarten Hirzbrunnen: Momentan werden sie mindestens zur Hälfte in Hochdeutsch unterrichtet. Dies passt den Initianten der Dialekt-Initiative nicht.

(Bild: Keystone)

Nach Probeläufen in 31 Kindergärten wird seit Beginn des Schuljahrs 2009/2010 in allen Basler Kindergärten zu mindestens 50 Prozent in Standarddeutsch unterrichtet. Den Kindern selber steht es frei, sich in Dialekt oder Hochdeutsch auszudrücken.

Die Initiative «Ja zum Dialekt» möchte den Dialekt hingegen als Unterrichtssprache in den beiden ersten Jahren nach der Einschulung im Schulgesetz verankern. Die Förderung in Hochdeutsch solle nur in einzelnen Sequenzen erfolgen.

Hindernisse bei Sprachförderung und Harmonisierung

Von einer solchen Beschränkung wollen Regierung, Kommission und Parlamentsmehrheit nichts wissen, da sie das Sprachförderziel gefährde. Zudem würde auch die laufende Harmonisierung der kantonalen Lehrpläne behindert, hiess es in der Debatte am Mittwoch. Der Gegenvorschlag der Regierung schreibt im Schulgesetz fest, dass der Kindergarten-Lehrplan für Dialekt und Standarddeutsch gleichwertige Lernziele enthalten muss - ein Novum in der Schweiz. Die Aufteilung der beiden Sprachen im Unterricht solle jedoch weiterhin im Lehrplan geregelt werden.

Nicht mit dem Gegenvorschlag einverstanden war einzig die SVP. Sie argumentierte, Dialekt müsse man auch in der Schule früh lernen; später werde das schwieriger. Auch werde Migranten geholfen sich zu integrieren, wenn sie besser Dielakt lernten. Mehrere Fraktionen warnten, der Basler Dialekt sei gar nicht zu retten mit einer Verankerung im Schulgesetz. Zudem müssten mit der Initiative alle Kindergarten-Lehrpersonen den Basler Dialekt beherrschen. Doch schon dessen Abgrenzung in der Region sei nicht leicht, und heute schon komme ein markanter Teil von anderswo.

Initianten blitzen mit Kompromiss ab

Kinder liebten Hochdeutsch in Rollenspielen, hiess es in der Debatte zudem mehrfach. Kinder bildungsferner Familien seien auf viel Standardsprache angewiesen, und Dialekt-Sprechenden schade diese nicht. Von Links bis Rechts befürchten viele allerdings, dass die Initiative an der Urne wohl gute Chancen habe.

Ein GLP-Ratsmitglied brachte als Einzelsprecher einen Gegen-Gegenvorschlag des Initiativkomitees aufs Tapet, bei dessen Annahme im Rat das Volksbegehren zurückgezogen würde. Demnach solle Dialekt im Kindergartenunterricht Vorrang haben; der Lehrplan solle Lernziele für Dialekt und Standarddeutsch enthalten.

Der vom Komitee initiierte Antrag blitzte jedoch mit 62 gegen 10 Stimmen deutlich ab. Mit ähnlichen Mehrheiten wurde auch ein SVP- Antrag abgelehnt, gar keinen Gegenvorschlag vorzulegen und die Initiative zur Annahme zu empfehlen, sowie die Initiative schliesslich zur Ablehnung empfohlen.

jg/sda

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