Gesellschaftliche Integration im Secondhandladen

Sozialhilfe- und IV-Bezüger engagieren sich als Freiwillige beim Roten Kreuz in Kleinhüningen. Das soll deren gesellschaftliche Integration fördern.

Motivierte Klienten. Im Rotkreuzladen werden die freiwilligen Helfer geschätzt – diese sind froh, dass sie sich nützlich machen können.

Motivierte Klienten. Im Rotkreuzladen werden die freiwilligen Helfer geschätzt – diese sind froh, dass sie sich nützlich machen können.

(Bild: Lucian Hunziker)

Im Garten steht ein Glücksrad unter einem Sonnenschirm, unzählige Kuchen wurden gebacken und am Grill gibt es Bratwürste und Klöpfer. Am gestrigen Tag der offenen Tür im Rotkreuzladen in Kleinhüningen ging es gemütlich zu und her, man speiste und trank und konnte nach Lust und Laune in der Ladenlokalität nach modischen Trouvaillen Ausschau halten.

Vor rund 15 Monaten hat an der Kleinhüningerstrasse 167 der zweite Secondhandladen des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) Kanton Basel-Stadt eröffnet. Während sich in der Filiale im Gundeli ausschliesslich Angestellte und freiwillige Helfer für den guten Zweck engagieren, führt der Rotkreuzladen in Kleinhüningen auch noch das Integrationsprojekt «Kleider stärken Leute» durch.

«In unserem Ladenlokal arbeiten zehn Mitarbeitende jeweils je einen halben Tag pro Woche», sagt Projektleiter Lorenz Meyer vom SRK Basel. Darunter befänden sich unter anderem vier Sozialhilfebezüger des Programms Stadthelfer, welches zum Ziel hat, die soziokulturelle Integration von motivierten Klienten der Sozialhilfe Basel-Stadt zu fördern. «Daneben arbeiten bei uns auch IV-Bezüger, denen der Wiedereinstieg ins Berufsleben nicht mehr oder noch nicht möglich ist», erzählt Lorenz Meyer weiter.

In erster Linie geht es bei «Kleider stärken Leute» vor allem um die gesellschaftliche Integration: «Wir geben den Leuten die Möglichkeit, eine gewisse Regelmässigkeit in ihren Alltag zu bringen und damit ihr Selbstwertgefühl zu stärken», sagt Meyer.

«Möchte noch gebraucht werden»

Valeria S. arbeitet seit Beginn des Projekts jeweils am Dienstagnachmittag im Shop: «Mir gefällt es hier sehr, da ich äusserst modebegeistert bin», sagt die gebürtige Ungarin. Bereits früher habe sie während einigen Jahren als Verkäuferin in einem Modegeschäft gearbeitet, später machte sie sich als Altenpflegerin selbstständig. «Seit einigen Jahren bin ich nun arbeitslos, und wenn ein Arbeitgeber meinen Jahrgang sieht, habe ich kaum Aussichten auf einen Job», berichtet die 59-Jährige. Sie fühle sich aber noch fit und möchte gebraucht werden – deshalb schätze sie «Kleider stärken Leute» sehr. «Ausserdem hat es bei den Kleiderspenden immer wieder Schnäppchen dabei», lacht Valeria.

Auch Yûksel Savsa kam via Sozialhilfe zum Rotkreuzladen: «Ich freue mich, wenn ich sehe, wie sich die Leute über die tollen Angebote freuen», sagt der gebürtige Türke. Ausserdem könne er mit seiner Arbeit etwas Gutes tun. «Das Rote Kreuz hilft ja mit dem Erlös Menschen, denen es wirklich schlecht geht», führt Savsa weiter aus.

Basler Zeitung

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