Gefährliches Pflaster Lange Erlen

Asylbewerber bei der Bundesempfangsstelle Bässlergut brechen Autos auf und belästigen Sportler. Die Polizei sieht zur Zeit keinen Handlungsbedarf.

Ärger am Waldrand: Die Basler Staatsanwaltschaft bestätigt die Häufung von Autoaufbrüchen an der Freiburgerstrasse.

Ärger am Waldrand: Die Basler Staatsanwaltschaft bestätigt die Häufung von Autoaufbrüchen an der Freiburgerstrasse.

(Bild: Nicole Pont)

Daniel Wahl

Nina J. glaubte immer, sie bleibe verschont. Seit zwanzig Jahren dreht die 50-jährige Joggerin auf der Finnenbahn in den Langen Erlen in der Nähe der Bundesempfangsstelle Bässlergut ihre Runden. Passiert ist ihr selber nie etwas. Dass dort, auf der Freiburgerstrasse, zwischen der Asylempfangsstelle des Bundes und der Eisenbahnbrücke der Deutschen Bahn, immer wieder Autos aufgebrochen werden, hat sie schon bemerkt. Aber sie glaubte, ihr alter, unauffälliger Wagen aus dem Jahr 1996 gehöre nicht ins Beuteschema der Asylbewerber, und dachte, wenn sie das Portemonnaie und das Handy unter dem Sitz verstaue, dann reiche das schon. Bis vergangenen Sonntagmorgen.

Die eingeschlagene Fensterscheibe ihres Autos und der Verlust von Portemonnaie und Telefon waren der Höhepunkt einer Reihe zunehmender Belästigungen durch Asylbewerber, wie die Frau berichtet. In den vergangenen drei Wochen sei sie mehrmals sexuell belästigt worden. «Dunkelhäutige trieben sich dort im Gebüsch herum. Einmal machten sie sich mit obszönen Zurufen und Gesten bemerkbar», sagt die Betroffene. In einem weiteren Fall zeigte einer sein Geschlechtsteil. Die Joggerin ist nur deswegen nicht geflüchtet, weil ein weiterer Sportler auf der Bahn seine Runden gedreht hatte.

Wöchentlich zwei Ereignisse

Die Wachmannschaft, die an der Porte beim Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) die Asylbewerber kont­rolliert, muss sich bereits an die Vorfälle gewöhnt haben. Als Nina J. dort jedenfalls ihren Autoaufbruch und Diebstahl bekannt machte, habe man ihr eröffnet, Ähnliches ereigne sich ungefähr zweimal wöchentlich. «Mit einem Achselzucken beschied man mir, dass die Polizei zwar patrouillieren würde, dass dies aber keine Veränderung gebracht habe», berichtet Nina J.

In der Tat bestätigt die Basler Staatsanwaltschaft, dass es in den letzten Monaten zu mehreren Anzeigen wegen Aufbrüchen an der Freiburgerstrasse kam. Zudem wurden seit Anfang Jahr drei Anzeigen wegen Drohungen auf dieser Achse aufgenommen. Anzeigen wegen sexueller Belästigungen sind bisher keine eingegangen. Für die Basler Polizei ist das Gebiet rund um den Parkplatz an der Freiburgerstrasse zurzeit kein Schwerpunkt ihrer Arbeit, wie sie mitteilt. «Sollte sich eine Auffälligkeit ergeben, werden wir repressiv und präventiv, in Uniform wie auch in Zivil unterwegs sein», schreibt Polizeisprecher Martin Schütz.

Keine Diskussion über Kameras

Der Vorfall von Nina J. vom vergangenen Sonntag ist dem EVZ-Betriebsleiter Roger Lang nicht mitgeteilt worden. Selbst nach interner Erkundigung aufgrund der BaZ-Anfrage weiss er bloss von einem Handtaschendiebstahl vom Samstag, dem 26. Oktober, zu berichten. «In letzter Zeit war es im EVZ sehr ruhig», sagt er. Auch wenn Roger Lang für «seine Klientel» die Hand nicht ins Feuer legt, die Bevölkerung würde ­alles, was sich im Umkreis von einem Kilometer ums Bässlergut ereignet, automatisch «seinen» Asylbewerbern in die Schuhe schieben. «Diese Sicht greift zu kurz. Hier gibt es Grenzgänger und andere Asylbewerber, die nicht im EVZ untergebracht sind», betont Lang.

Nina J. würde gerne weiter unbelästigt auf der Finnenbahn ihre Runden drehen und ihr Auto sicher parkieren können. Sie schlägt die Installation von Überwachungskameras auf dem Parkplatz vor. Weil sich aber der Grosse Rat in der jüngeren Vergangenheit zweimal gegen eine Videoüberwachung des ­öffentlichen Raumes ausgesprochen hat, stelle sich die Frage für die Polizei nicht, schreibt Polizeisprecher Martin Schütz.

Der Joggerin rät man, sollte sie erneut sexuell belästigt werden, sich durch lautes Schreien oder Boxen und Treten zu wehren und Dritte auf die Situation aufmerksam zu machen oder sich bei Exhibitionisten abzuwenden. In jedem Fall solle sie umgehend die Polizei über die Notrufnummer 117 verständigen.

Basler Zeitung

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