«Gauguins Tragik fasziniert mich»

Der Schauspieler Keanu Reeves war am Wochenende Gast in der Fondation Beyeler und las aus Paul Gauguins Werk «Noa Noa». Die BaZ traf ihn zu einem Gespräch.

Gauguin als künstlerisches Vorbild: Keanu Reeves vor dem Meisterwerk "Nafea faa ipoipo" .

Gauguin als künstlerisches Vorbild: Keanu Reeves vor dem Meisterwerk "Nafea faa ipoipo" .

(Bild: Keystone)

BaZ: Weshalb sind Sie der Einladung des Direktors der Fondation Beyeler, Sam Keller, gefolgt und nach Basel gekommen?
Keanu Reeves: Der Künstler Robert Longo hat mich mit Sam bekannt gemacht, und dieser hat mir spontan vorgeschlagen, aus Gauguins Buch «Noa Noa» in der Fondation vorzulesen, und ich fand die Idee reizvoll.

Haben Sie eine spezielle Beziehung zu Paul Gauguin?
Ich kenne seine Bilder natürlich schon lange, wusste aber wenig über sein Leben. Als ich mich mit Gauguins Leben näher beschäftigt habe, erlebte ich einige Überraschungen. Dieser Mann, seine Leidenschaft, aber auch die Tragik seines Lebens haben mich sehr fasziniert.

Vorher haben Sie «Noa Noa» nie ge­lesen?
Nein, erst als Vorbereitung auf diese Lesung hier in der Fondation Beyeler. Ich wusste zuerst gar nicht richtig, auf was ich mich hier einlasse, aber jetzt bin ich ganz begeistert. Von Paul Gauguin und dieser grossartigen Ausstellung.

Gauguin war ja nicht eine sehr liebenswerte Person, er hat sich mit vielen zerstritten. Hat Sie das nicht etwas abgeschreckt?
Ich habe nicht nur «Noa Noa», sondern auch seine Briefe und die Kritiken über sein Werk gelesen. Der Mensch Gauguin ist das eine, der Künstler das andere. Mit seiner Kunst hat er bis heute viele Menschen berührt und das ist es, was die Grösse dieses Künstlers ausmacht. Natürlich hatte er seine Probleme, wenn man ihn einfach als ganz normalen Menschen beurteilt. Als Vater und Ehemann hat er wohl versagt, und manche sehen in ihm sogar einen Pädophilen. Doch in seiner Kunst war er sehr geradlinig und konsequent. Er wusste genau, was er wollte, und er hat seinen künstlerischen Prozess ohne Kompromisse vorangetrieben. Er ist für mich ein ausserordentliches Beispiel einer starken Individualität.

Sie selber haben polynesische Wurzeln, verbindet Sie das irgendwie mit Paul Gauguin?
Das ist sicher ein Grund, weshalb mich Sam für diese Lesung angefragt hat. Mein Vater stammt aus Hawaii. In Tahiti war ich aber bisher noch nie. Gauguin hat seine Jugend auch nicht in Frankreich verlebt, sondern in Peru. Er ist schon früh viel gereist und bei mir war das ganz ähnlich. Ich bin in Kanada geboren, in Hawaii aufgewachsen, lebte als Jugendlicher in New York. Ich kann Gauguins Reiselust sehr gut verstehen.

Gauguin war Maler, Bildhauer und Schriftsteller. Sie sind Schauspieler, Regisseur, Produzent, Musiker und haben auch schon ein Buch geschrieben. Wollen Sie sich wie Gauguin nicht auf eine Kunstsparte festlegen?
Gauguin hat sich auch immer wieder an neuen Dingen versucht, mit Keramik und Holz gearbeitet. Dinge, die andere Künstler zu seiner Zeit nicht getan haben. Er war eine Art Vorreiter für einen Crosskünstler, wie wir sie jetzt kennen. Heute ist es ganz normal, dass ein Schauspieler auch Musiker ist. Als junger Mann war für mich in dieser Hinsicht David Bowie ein grosses Vorbild. Natürlich gibt es immer wieder Vorbehalte gewisser Leute, weil sie sagen, das eine ist deine Passion, das andere nur dein Hobby. Die Leute wollen einen eben gerne in eine Schublade stecken, das ist einfacher, als sich wirklich mit der Person auseinanderzusetzen.

Was ist Ihre Leidenschaft und was Ihr Hobby?
Wie Gauguin tue ich alles, was ich mache, mit Leidenschaft.

Sie gelten vor allem als Actionstar aus Filmen wie «Speed» und «Matrix» oder «John Wick», der nächste Woche in der Schweiz startet. Privat sind sie aber sehr zurückhaltend und meiden den Starrummel von Hollywood. Wie bringen Sie diese beiden Seiten zusammen?
Das ist nicht schwer. Das eine ist der Schauspieler Keanu Reeves und das andere eben der Mensch. Mein Privatleben halte ich bewusst unter Verschluss. Aber ich mache nicht bloss Actionfilme. Ich habe auch einen Dokumentarfilm mit dem Titel «Side By Side» gedreht. Auch das war für mich eine neue und sehr gute Erfahrung. Ich möchte gerne einen weiteren Dokumentarfilm machen und suche derzeit nach einem geeigneten Thema.

Sie interessieren sich seit dem Film «Little Buddha» für den Buddhismus. Wissen Sie, dass der Dalai Lama gerade in der Stadt ist?
Ja, ich habe davon gehört. Das ist grossartig. Leider habe ich keine Zeit, seinen Vortrag zu besuchen. Ich bin auch kein Buddhist, aber ich beschäftigte mich mit dieser Lehre seit meiner Jugend.

Waren Sie schon früher mal in der Schweiz?
Ja, aber nur in der Westschweiz, in Lausanne und Montreux. In Basel bin ich zum ersten Mal. Was ich von der Stadt gesehen habe, gefällt mir gut.

Und wie gefällt Ihnen die Gauguin-­Ausstellung?
Ich hatte bisher nur eine Stunde Zeit, um durch die Räume zu gehen. Ich werde aber nochmals einige Stunden kommen und mir die Werke genau ansehen. In diesen Bildern gibt es so viele Details und sie wecken bei mir viele Emotionen. Es ist wirklich ein tolles Erlebnis.

Basler Zeitung

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