«Für die hiesigen KMUs wird es hart»

Gabriel Barell, Direktor des Basler Gewerbeverbandes, sieht wegen des starken Frankes schwarz für die KMUs. Es sei an der Zeit, politisch aktiv zu werden.

«Wer umstellen kann, muss auf den Dollar-Markt umsteigen», sagt Gabriel Barell.

«Wer umstellen kann, muss auf den Dollar-Markt umsteigen», sagt Gabriel Barell.

(Bild: Stefan Leimer)

Herr Barell, was sagen Sie als Direktor des Gewerbeverbandes Basel-Stadt zur Abkehr vom Euro-Mindestkurs?
Das ist ein Erdbeben. Vor allem für die KMUs
in der Region. Wie gravierend es für die einzelnen Bereiche ist, wird sich weisen. Nun müssen wir erst einmal eine Schadensanalyse machen.

Haben die Unternehmen sich nicht genug auf die Situation vorbereitet?
Bereits der Kurs bei 1.20 brachte eine Wettbewerbsverzerrung: Wenn die Spiesse ungleich sind, kämpft man darum, auf dem Markt überhaupt bestehen zu können. Es ist schwierig, sich darauf vorzubereiten, dass der eigene Spiess noch kürzer wird. Der Spielraum diesbezüglich ist insbesondere für KMUs sehr beschränkt.

Besonders der Detailhandel fürchtet sich vor starkem Einkaufstourismus.
Konsumtourismus lohnt sich nun noch mehr. Man muss zwischen Geschäften, die primär mit Euros einkaufen und nun Gewinne machen, und jenen, die auf Schweizer Produkte setzen, unterscheiden. Letztere kommen nun massiv unter Druck. Für viele exportorientierte Unternehmen wäre die Verlegung der Produktion ins Ausland die einzige Sparmassnahme, die wirklich einschenkt. Wer der Schweiz treu bleiben will, muss aufpassen.

Wie kann die Schweiz also wieder konkurrenzfähiger werden?
Kartell- und Zollbestimmungen, der Freihandel, Parallelimporte und auch die Ladenöffnungszeiten müssen nun neu diskutiert werden. Wenn man überall Zoll draufhaut, ist es klar, dass wir nicht mehr wettbewerbs fähig sind. Und unsere Bauern waren bisher sakrosankt; doch die Kontingente müssen weg und der Agrarfreihandel her.

Ist es also an der Zeit, politisch aktiv zu werden?
Auf jeden Fall. Wir können zwar noch kein fertiges Projekt aus der Schublade ziehen, aber wir werden uns nun ernsthaft Gedanken machen.

In welche Richtung gehen diese?
Das kommt auf den Bereich an. Solange wir ein so hohes Lohnniveau haben, ist für das Bauhaupt- und Nebengewerbe die Situation schwer. Wenn Sie einen Gärtner brauchen und jener aus Deutschland verrichtet die gleiche Arbeit zum viel kleineren Lohn, dann ist das eine Wettbewerbsverzerrung.

Soll man also die branchenüblichen Mindestlöhne abschaffen, um wettbewerbsfähig zu bleiben?
Wir müssen die flankierenden Massnahmen konsequent durchzusetzen, da werden wir politisch aktiv werden: Baustellen müssen noch regelmässiger kontrolliert und Schwarzarbeit unterbunden werden, damit alle – ob ausländische oder Schweizer Unternehmen die gleichen Löhne und Sozialabgaben zahlen müssen.

Wie sieht die Situation im Export aus?
Manche Verträge können nicht sofort gekündigt werden, aber sobald sie neu ausgehandelt werden, müssen die Schweizer Exporteure, um überleben zu können, einen höheren Euro-Preis verlangen. Dann springen ihre Kunden ab, die Nachfrage nimmt ab.

Ausser es gelingt, einen unvergleichlichen Qualitätsstandard zu bieten.
Auch dann bleiben günstige ausländische Firmen oft attraktiver. Wer umstellen kann, muss auf den Dollar-Markt umsteigen.

Hätte das «Erdbeben» der Mindestkurs- Abkehr weniger Schaden angerichtet, hätte man damit noch gewartet?
Solange die Spiesse in den Grenzregionen so ungleich sind, ist eine solche Kursänderung immer schädlich.

Dennoch unterstützen Sie den Entscheid der Nationalbank nicht?
Das war der Entscheid der Nationalbank, die aufgrund ihrer Überlegungen entschieden hat. Wie gravierend die Auswirkungen für die KMUs sind, hängt nun davon ab, wie der Wechselkurs sich entwickelt.

Was sind Ihre Prognosen?
Dass die aktuelle Abweichung vom Mindestkurs bleibt, der Franken also stark bleibt.

In nächster Zukunft wird Europa wichtige Finanzentscheide treffen. War der Entscheid der SNB in dieser Hinsicht doch weise?
Ich kann einzig für die hiesigen KMUs sprechen. Für sie wird es hart.

Basler Zeitung

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