Fümoar-Inserate sorgen für Kopfschütteln

Wissenschaftler und Lungenliga werfen dem Basler Raucherverein Fümoar eine «Falschaussage» vor.

Neugierde geweckt: Mit umstrittenen Aussagen in ihren Anzeigen geht die Basler Raucherbewegung Fümoar nochmals aufs Ganze.

Neugierde geweckt: Mit umstrittenen Aussagen in ihren Anzeigen geht die Basler Raucherbewegung Fümoar nochmals aufs Ganze.

(Bild: Tim Loosli)

Mischa Hauswirth

Die Inserate, die dieser Tage in den Printmedien auftauchen, sind ein Blickfang. Nicht wegen der grafischen Gestaltung, sondern weil sie mit «Wussten Sie schon, ...» den Reflex der Neugierde auslösen. «Wussten Sie schon, dass es weltweit keine einzige wissenschaftlich taugliche und gesicherte Studie gibt, mit der gesundheitliche Schäden durch Passivrauchen nachgewiesen werden?» Mit dieser Aussage geht die Basler Raucherbewegung Fümoar nochmals aufs Ganze.

Egal, was alles geschrieben, diskutiert, entschieden oder gesagt worden sei, die Schädlichkeit von Passivrauchen sei nicht bewiesen, sagt Fümoar-Sekretär Thierry Julliard. «Das sollen die Leute wissen.» Julliard sagt, er argumentiere nicht einfach so aus dem Nichts heraus, sondern beziehe sich auf den bekannten deutschen Präventivmediziner Romano Grieshaber, der mit seinem Buch «Passivrauchen – Götterdämmerung der Wissenschaft» alle zum Thema verfassten Studien infrage stellt.

Studie belegt Gefährlichkeit

Im Rahmen der sogenannten «Cohort Study on Smokefree Intervention in Bars and Restaurants» wurden Gas­tronomieangestellte untersucht. Zum ersten Mal, als sie noch dem Passivrauchen ausgesetzt waren, und danach zwei Mal, wenn ein Teil der Angestellten nicht mehr im Rauch arbeiten musste. Die Wissenschaftler konzentrierten sich dabei auf die Herzrhythmusvariabilität und die Pulswellengeschwindigkeit, da diese beiden Faktoren Aufschluss über das Risiko für Herzinfarkt und Arteriosklerose geben und deshalb als Indikatoren für den Gesundheitszustand gelten.

Die Basler Studie kam zum Schluss, dass sich bei Gastronomieangestellten zwölf Monate nach Einführung von Rauchverboten diese beiden Indikatoren merklich verbessert haben: «Nach der Einführung von rauchfreien Arbeitsplätzen lag die Belastung durch Passivrauchen durchschnittlich 16-mal tiefer als vorher.» Martin Röösli, Studienleiter und Professor am Schweizerisches Tropen- und Public-Health-Institut, kann die Argumentation der Fümoar-Raucherbewegung nicht nachvollziehen und sagt: «Heutzutage kann niemand mehr ernsthaft behaupten, dass Passivrauchen nicht gesundheitsschädigend ist, auch wenn es noch Unsicherheiten gibt, ab welcher Dosis und in welchem Ausmass Passivrauchen schadet.» Die Grundaussage jedoch werde von einem breiten wissenschaftlichen Konsens getragen, sagt Röösli.

«Absolut stossende» Inseratekampagne

Julliard hingegen sagt, für ihn beweise die Studie gar nichts, denn eine Gesundheitsverschlechterung oder -verbesserung könne auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden. Zum Beispiel sei für die Gesundheit auch die Ernährungsweise oder der Stress entscheidend. «Hätte man aussagekräftige Resultate erhalten wollen, hätte man eine Vergleichsgruppe nehmen müssen, 100 Angestellte im Rauchlokal und 100 im Nichtraucherlokal. Das wurde aber nicht getan», sagt Julliard.

Urs Brütsch, Geschäftsführer der Lungenliga beider Basel, bezeichnet die Aussage der Fümoar-Inseratekampagne als «absolut stossend». Und er sagt: «Was uns vor allem ärgert, ist, dass wider besseren Wissens die Dinge nicht korrekt dargestellt werden.» Die Gegner der Initiative liessen im Vorfeld der Abstimmung zur Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen» vom 23. September nichts unversucht, um Verwirrung zu stiften, sagt Brütsch. Etwa bei der Frage, welche Arbeitsplätze vom Passivrauch-Verbot betroffen wären. «Es geht nicht um die Einzelarbeitsplätze.»

Das Bundesamt für Gesundheit verweist bei der Frage nach der Schädlichkeit von Passivrauch auf einen Bundesratsbericht: Dort steht, dass verschiedene Studien die gesundheitsschädliche Wirkung des Passivrauchens belegen würden. Passivraucher hätten jedoch «ohne öffentliche Schutzmassnahmen keine Freiheit der Wahl».

Basler Zeitung

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