Fümoar zeigt sich als schlechter Verlierer

Der unermüdliche Widerstand gegen das restriktive Basler Rauchverbot wird zur nervigen Trotzerei. Der Verein Fümoar steht immer mehr im Abseits.

Die Sympathie für den Verein Fümoar löst sich zunehmend in Rauch auf.

Die Sympathie für den Verein Fümoar löst sich zunehmend in Rauch auf.

(Bild: Martin Regenass)

Wenn es nach dem Verein Fümoar geht, müssen die Stimmberechtigten in Basel ein drittes Mal über das kantonale Rauchverbot entscheiden. Bereits 2008 wurde ein Rauchverbot in Basel gutgeheissen. Eine aus Wirtekreisen lancierte Volks­initiative, die das restriktive Verbot lockern wollte, lehnte das Stimmvolk Ende 2011 ab – wenn auch mit bloss 212 Stimmen äusserst knapp. Doch so sind eben die Spielregeln unserer Demokratie. Eine Mehrheit – und selbst wenn es nur eine kleine ist – entscheidet über das Resultat. Hätte die Lungenliga so knapp verloren und daraufhin eine neue Abstimmung verlangt, wäre sie vom Raucher-Verein mit Sicherheit (und mit Recht!) als schlechte Verliererin abgestempelt worden. Als solcher zeigt sich nun aber der Verein Fümoar selber.

Obwohl früher bereits das Verwaltungsgericht das Fümoar-Modell als Umgehung des geltenden Rechts angesehen hatte und das Bundesgericht jetzt in einem Musterprozess zwei Beschwerden von Fümoar-Lokalen abgewiesen hat, gibt sich der Vereinsvorstand weiterhin kämpferisch. Trotzig wäre wohl das bessere Wort, denn die streitbaren Vorqualmer verlieren nicht nur zusehends den Rückhalt innerhalb des Vereins, sondern auch in der Bevölkerung. Was sich hier abspielt, ist nicht mehr ein sympathisches Auflehnen gegen Behörden­willkür und Paragrafenreiterei, ­sondern die konsequente Nichtbeachtung zweier Volksentscheide und ­mehrerer Gerichtsurteile auf verschiedenen Ebenen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich immer mehr die Frage, welche Interessen der Vorstand überhaupt vertritt. Die seiner Mitglieder oder seine eigenen? Es sind nämlich die Mitglieder, sprich die Wirte, die Gefahr laufen, ihre Zulassung zu verlieren, wenn sie das geltende Rauchergesetz weiterhin einfach ignorieren. Das realisieren jetzt immer mehr Betroffene und gehen deshalb zur Vereinsleitung auf Distanz. Es ist immer noch besser, einige rauchende Gäste zu verlieren als die Betriebsbewilligung und damit die Existenz.

Fümoar-Präsident Mario Nanni und Sekretär Thierry Julliard hingegen ist das offenbar egal. Solange der Verein noch existiert, behalten die beiden ihre öffentliche Plattform und sie dürfen sich weiterhin über eine saftige Entlöhnung ihrer Bemühungen freuen. So gesehen haben Nanni und Julliard selber das eigennützige Interesse, den bereits längst verlorenen Kampf gegen das Rauchergesetz weiter fortzusetzen. Auch wenn sie und natürlich ebenfalls die Mitglieder genau wissen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das Fümoar-Modell in Basel der Vergangenheit angehört. Das Hinaus­zögern kostet aber viel Zeit und Geld und auch Nerven. Nicht nur die der Vereinsmitglieder, sondern der gesamten Basler Bevölkerung, die sich weiterhin mit diesem leidigen Thema herumschlagen muss.

Ich persönlich habe mich – obwohl Nichtraucher – gegen das restriktive kantonale Rauchverbot und für das etwas lockerere Bundesgesetz ausgesprochen. Auch der Verein Fümoar ist bei mir anfänglich wegen seiner ­bauernschlauen Ausrichtung auf ­Sympathie gestossen. Raucher stören mich bis heute nicht, denn ich habe die meisten als rücksichtsvoll erlebt. Die nett gemeinte Frage von früher: «Stört es Sie, wenn ich rauche?» ist inzwischen durch strikte Gesetzesvorschriften verdrängt worden, die auch mir zu weit gehen.

Doch eine Mehrheit der Bevölkerung will sich offenbar lieber an solche harten Gesetze klammern, als einen toleranten Umgang zu pflegen. Das gilt es wohl oder übel zu respektieren, auch wenn aus dieser Haltung heraus genauso eine gewisse Sturheit spricht, wie sie die notorischen Raucher an den Tag legen. Weiterhin gegen Windmühlen anzureiten wird dem Verein Fümoar aber gar nichts bringen. Mehr und mehr werden Mitglieder austreten, weil ihnen der Vorstand nach dem Bundesgerichtsurteil von Mitte Monat sogar selber zähneknirschend raten musste, das Rauchverbot in ihren Lokalen einzuhalten. So verliert der Verein seinen Sinn und Zweck.

Es wäre deshalb nur logisch, konsequent und nicht zuletzt auch ehrenhaft, wenn der Vereinsvorstand seine Niederlage eingestehen und mit wehenden Fahnen untergehen würde. Statt die gut gefüllte Kriegskasse nochmals für einen unsinnigen und wahrscheinlich auch aussichtslosen Abstimmungskampf zu plündern, könnten die Gelder einem sinnvollen sozialen Zweck zugeführt werden. So würde der Verein Fümoar nicht als Gruppierung verbissener Kampfraucher, sondern als zwar streitbare, aber faire und realistische Demokraten in Erinnerung bleiben.

baz.ch/Newsnet

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