Favela-Hütten ziehen an den Rhein

Der Verein Landestelle baut am Klybeckquai ein neues Gastro-Angebot. Die Holzgebäude standen während der Art Basel auf dem Messenplatz – und haben somit eine bewegte Geschichte aufzuweisen.

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Martin Regenass

An der Uferstrasse wird mit rund einjähriger Verzögerung an einer neuen Zwischennutzung gezimmert. Rund ein halbes Dutzend Leute bauen seit Anfang Juli auf den ehemaligen Geleisen der Hafenbahn entlang des Rheins Hütten aus Holz. Auf den ersten Blick gleichen die Gebilde den Favelas des japanischen Künstlers Tadashi Kawamata, die während der Art auf dem Messeplatz standen. «Von den Materialien her gesehen ja. Aber die Form des Aufbaus gestalten wir ganz anders.

«Wir wollen uns klar abgrenzen», sagt Klaus Bernhard, Vorstandsmitglied des Vereins Landestelle, der Mitte August am Klybeckquai ein Bistro mit Eventgastronomie eröffnen will. Der Verein Landestelle hat die Materialien des «Armendorfes» geerbt, da seine Mitglieder den Auf- und Abbau des sogenannten «Favela Cafés» organisierten und während der Art für die Gastronomie darin zuständig waren.

Themenorientierte, frische Menüs

Die Hütten kommen nun auf einem zwanzig Meter langen Streifen auf den mit Mergelbelag kürzlich eingeebneten Geleisen zu stehen. In einer Hütte steht bereits eine Küchenkombination. Dort wird der Koch Christian Lorenz hinter dem Herd stehen und für die Gäste, die in den weiteren Hütten Platz nehmen können, Speisen zubereiten.

Die Mittags- und Abendmenüs sollen nicht vorwiegend à la carte, sondern themenorientiert zubereitet und mit selbst gezogenen Kräutern aus Baurabatten gewürzt werden. «Regional, saisonal und ökologisch» lautet das Credo. «Wir wollen aus einfachen Produkten wie beispielsweise Kartoffeln mit einem kreativen Input das Beste herausholen», sagt Lorenz.

Aufwand unterschätzt

Die Landestelle ist nach der Marina-Buvette, dem Skaterpark Port Land und dem Agrargarten das vierte von insgesamt sechs Projekten, das im Rahmen der Zwischennutzung am Klybeckquai realisiert wird. Nicht verwirklichen lässt sich das Projekt Perron 4. Es hätte auf Güterwaggons auf den Schienen der Hafenbahn zu stehen kommen sollen. Die Schienen werden jedoch noch gebraucht. Auf den Waggons hätten quaderförmige Elemente einem Radiostudio, einer Aussichtsplattform oder einer Bar Platz geboten.

Zurückgezogen haben ihr Projekt zudem die Betreiber von «Panama», einer Bar, die kulturellen Veranstaltungen eine Plattform bietet. Zur Aufgabe bewegten sie die Planungsunsicherheit und finanzielle Verluste, die durch Einsprachen oder durch Verzögerungen der Baubewilligungen entstanden. «Die Behörden haben den ganzen Aufwand für die Bewilligungen und Abklärungen unterschätzt», sagte der Initiator von «Panama» anfang Mai gegenüber der BaZ. Das Gelände sei noch nicht bereit gewesen, als die Ausschreibungen für den Projektwettbewerb vor rund zwei Jahren gemacht wurden.

Ein halbes Jahr Stillstand

Beim Bau- und Verkehrsdepartement ist die Stadtgärtnerei für das Einebnen der Geleise, das Bepflanzen und Aufstellen von circa 270 Kisten zur Begrünung sowie die Umsetzung der Projekte verantwortlich. Die Projektleiterin Grünplanung hält den Vorwürfen von «Panama» entgegen, dass das Bau- und Verkehrsdepartement mit dem Zwischennutzungsprojekt selber «Neuland» betreten habe.

Brigitte Löwenthal: «Wir wussten zu Beginn auch nicht genau, was an Aufwand, Absprachen mit anderen Mitspielern wie den Rheinhäfen, dem Bundesamt für Verkehr oder an Einsprachen von Anrainern auf uns zukommt.» Das ganze Verfahren habe sich als komplexer herausgestellt als zu Beginn angenommen. So hat beispielsweise eine plötzliche Einsprache der Novartis von Anfang Dezember 2012 dazu geführt, dass das Projekt «Zwischennutzung» auf den Geleisen für knapp ein halbes Jahr stillstand. So konnte die Baubewilligung für das Einebnen der Geleise erst Mitte Mai erteilt werden.

Materialien sind ein Glücksfall

Die Leute der Landestelle jedenfalls zeigen sich froh darüber, ihr Projekt nun bald starten zu können. Dass sie die Materialien von Kawamata «geerbt» haben, sei für sie ein Glücksfall vor allem in finanzieller Hinsicht, weil sie auf diese Weise keine Darlehen hätten aufnehmen müssen. Soweit wäre es gekommen, wenn sie wie am anfang geplant die Landestelle aus Containern hätten aufbauen müssen. Bernhard: «Mit dem stets unsicheren Zeitpunkt des Baubeginns hätte uns das finanziell in Schieflage bringen können.»

Bald soll am Klybeckquai mit der sogenannten Karawanserei des Vereins Neubasel also das fünfte Projekt in Angriff genommen werden. Zufrieden, dass es vorangeht, ist auch die Wirtin der nahen Buvette Marina: «Es wird Zeit, dass mit dem wachsenden Angebot mehr Leute in dieser Ecke Basels vorbeischauen.»

Basler Zeitung

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