FDP-Theater: Freude bei SVP, Bedauern bei SP

Der Baselbieter SVP-Parteipräsident Dieter Spiess freut sich über den Beistand der FDP beim Referendum gegen den Theaterkredit. SP-Parteisekretär Ruedi Brassel beklagt dagegen den Verlust traditioneller freisinniger Werte.

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Er vermisse die FDP, wie sie einmal war. Der Historiker, SP-Parteisekretär und Landrat Ruedi Brassel bedauert das Engagement der Baselbieter FDP-Parteispitze und Fraktionsmehrheit gegen eine Erhöhung der Theatersubvention. Doch leider sei dies typisch für den neuen «Schleuderkurs» der Partei, die offenbar «der SVP nicht schnell genug hinterherrennen» könne. Ein grosser Teil der Baselbieter FDP habe ihrer einstigen staatsphilosophischen fundierten, liberalen Orientierung Adieu gesagt, zugunsten eines «Vulgärliberalismus». Die FDP habe einst «ein kulturpolitisches Selbstbewusstsein» gekannt und «sich für die ganzheitliche, freie Entfaltung des Menschen eingesetzt».

Nun aber reduziere die Partei diese Freiheit einzig auf die wirtschaftliche Freiheit und den Menschen auf einen «Marktteilnehmer», sagt Brassel. «In diesem groben Weltbild ist Kultur nicht mehr etwas, das den Menschen bereichert, sondern nur noch eine Ware unter anderen.» Entsprechend argumentiere die FDP auch bei der Theaterfrage vor allem mit Zahlen: mit Billettpreisen, Besucherstatistiken, Budgetzahlen. «Um den Inhalt und die Funktion des Theaters geht es kaum.»

«Allianzen nützen»

Die Liason mit der SVP, die Brassel kritisiert, gefällt der Liierten selber: «Wir freuen uns über das Zusammengehen bei diesem Sachgeschäft», sagt SVP-Parteipräsident Dieter Spiess, «solche Allianzen nützen der Vorlage und der bürgerlichen Politik.» Es sei nicht das erste Mal, dass die FDP im Landrat die Meinung der SVP vertrete, sagt Spiess. Doch im Gegensatz zu Harmos, als die FDP nach ihrem Parteitag Stimmfreigabe beschloss und «doch nicht den Mut hatte, klar mit uns dagegen mitzumachen», habe es nun beim Theater glücklicherweise geklappt.

Wahrscheinlich habe die FDP, nun da es auf die Wahlen zugehe, auch gemerkt, dass der Widerstand gegen noch mehr Geld an das Theater bei einem grossen Teil der Wähler auf fruchtbaren Boden stosse. «Es kann doch nicht sein, dass man wegen eines defizitären Unternehmens mehr und mehr Steuergeld verschleudert.» Dass die FDP mit ihrer punktuellen Angleichung an die SVP Letzterer Wählerstimmen wegnehmen könnte, fürchtet Spiess nicht.

Basler Zeitung

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