«Es war wie im Krieg»

Bei den Krawallen auf dem Voltaplatz entstand grosser Sachschaden. Am schwersten davon betroffen ist die Kreuz-Apotheke. Baz.ch sprach mit den Geschädigten.

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Die illegale Party auf dem Voltaplatz sei eigentlich ganz gemütlich gewesen, schilderte Andrea Velti* gegenüber baz.ch. Velti hatte die Party dann für kurze Zeit verlassen. Später als die Studentin auf den Voltaplatz zurückkehrte, herrschte bereits Endzeitstimmung: «Dicker Rauch hing über dem Platz und man sah keinen Meter weit. Dutzende von Polizisten waren anwesend und zahlreiche Verdutze standen daneben» erzählt sie. Eine andere Partygängerin erzählte ihr dann, dass drei Personen ein Feuer angezündet hätten und daraufhin die Feuerwehr gekommen sei. Anschliessend soll das ganz ausser Kontrolle geratem sein. Die Meute hätte äusserst aggressiv auf die Intervention von Feuerwehr und Polizei reagiert.

Zwei Tage nach den Krawallen sind die Spuren der Verwüstung auf dem Voltaplatz stets noch sichtbar. Zahlreich zerschlagene Fensterscheiben, auf denen «Bunt statt Beton und Glas» oder «Geld macht uns nicht glücklich» gesprayt steht, zwei Lichtreklamen die ebenso zerschlagen oder gar abgefackelt wurden. Mit Farbe auf den Strassenboden geschrieben, steht «Riots» und die auf dem Platz aufgestellten Wahlplakate sind mit diversen Anarchie-Zeichen besudelt und auf einem steht sogar «London überall». An der Ecke liegen, mit Bauschranken abgesperrt, die Überreste des angezündeten Feuers.

Viele Scherben und 13 eingeschlagene Scheiben

Am schwersten getroffen hat es die Kreuz-Apotheke, die sich im prestigeträchtigen Bau Volta Mitte der Basler Architekten Christ und Gatenbein befindet. Besitzer der Apotheke, Martin Feigenwinter, wurde um vier Uhr morgens von der Polizei telefonisch benachrichtigt, dass zahlreiche Scheiben seiner Apotheke mit Eisenstangen und Steinen eingeschlagen wurden. Er war schockiert und gleichzeitig wütend. «Das schlimmste fand ich, dass die Polizei nicht einschreiten durfte», sagt Feigenwinter gegenüber baz.ch.

Nach dem Telefon machte er sich sofort auf den Weg, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Er erzählt, dass als er auf dem Platz angekommen sei, nur noch die Polizei vor Ort gewesen wäre. «Es war wie im Krieg», sagt Feigenwinter. «Rund 20 Polizisten in voller Montur standen auf dem Platz und die Scheiben der Apotheke allesamt zerstört. Überall lagen Scherben, wir mussten kiloweise Glas zusammenwischen.» Er ist vor allem froh darüber, dass es nicht zu einem Einbruch gekommen ist. «Das wäre noch der Hammer gewesen», so der Apothekenbesitzer.

Als er heute Morgen den regulären Apothekenbetrieb wieder aufnehmen wollte, musste er sich erst um die Eingangstüre kümmern. Diese wurde stark in Mitleidenschaft gezogen, so dass sie nicht mehr richtig geöffnet werden konnte. Laut der Polizei, so Feigenwinter, haben die Randalen insgesamt 13 Scheiben zerstört. Ein Schaden, der sich auf ungefähr 55'000 Franken beläuft. Feigenwinter ist für einen so hohen Schaden nicht versichert. «Man erwartet ja nicht, dass gleich alle Scheiben kaputt gehen», sagt der Apotheker. Er klärt derzeit ab, inwiefern er als Mieter für den gesamten Schaden aufkommen muss. Doch die Situation sieht für ihn als Rohbaumieter schlecht aus.

Bestürzte Passanten

Vorbeigehende Passanten sind bestürzt über den Krawall-Vorfall. Eine älter Dame meint: «Das tut im Inneren weh, so etwas zu sehen. Gott sei dank wohne ich nicht hier.» Ein andere Passant, der wenige Meter neben dem Haus Volta Mitte wohnt, ist extrem erzürnt. Er erklärt mit gebrochenem Deutsch, dass er die ganze Zeit um Geld angebettelt wurde, damit sich die «Revolta»-Besetzer Bier kaufen konnten. Er fände dies eine Frechheit, müsse er für sein Geld auch arbeiten gehen. Das Leben sei nun mal nicht gratis.

Wie es scheint, haben viele Anwohner gar nichts mitbekommen von den Krawallen, weil sie tief und fest schliefen. Erst am nächsten Morgen offenbarte sich ihnen das Bild der Zerstörung, dies obwohl in der Nacht bereits mit den Aufräumarbeiten begonnen wurde. Der Glaser kümerte sich um 5 Uhr Morgens um den entstandenen Schaden. Er versah zahlreichen Scheiben zur Sicherung mit Klebeband und setzt teilweise Ersatzscheiben ein.

*Namen geändert, Person der Redakation bekannt.

baz.ch/Newsnet

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