«Er drohte damit, drei Menschen umzubringen»

Nach dem Tötungsdelikt vom Sonntag, bei dem ein Mann seinen Schwiegervater erschoss und Ehefrau sowie Schwiegermutter schwer verletzte, sprechen Bekannte von einem angekündigten Ehrenmord.

Hochzeitsfoto.: Drei Tage vor der Tat stellte Erol B. dieses Foto als Titelbild in sein Facebookprofil – es zeigt ihn und Zeynep bei ihrer Hochzeit 2010.

Hochzeitsfoto.: Drei Tage vor der Tat stellte Erol B. dieses Foto als Titelbild in sein Facebookprofil – es zeigt ihn und Zeynep bei ihrer Hochzeit 2010.

Es ist gegen Mittag, als Erol B.* vergangenen Sonntag die Parterrewohnung seiner Noch-Ehefrau Zeynep* im Kannenfeldquartier betritt. Seit rund zweieinhalb Monaten lebt das Ehepaar getrennt. Erol B. kommt nur noch vorbei, um seine knapp einjährige Tochter zu sehen. An diesem Sonntag sind Zeyneps Eltern aus Deutschland zu Besuch. Offenbar war das Verhältnis zwischen Erol B. und seinen Schwiegereltern schon immer schwierig.

«Er beklagte sich darüber, dass sie die Beziehung zwischen Zeynep und ihm zerstört hätten», sagt ein Bekannter. Am Sonntag eskaliert die Situation – mit verheerenden Folgen. Erol B. zieht eine Schusswaffe und drückt mehrmals ab. Sein Schwiegervater wird tödlich getroffen, seine Frau und seine Schwiegermutter verletzt er schwer; die kleine Tochter im Schlafzimmer verschont er. Nach der Tat stürmt Erol B. aus der Wohnung und gibt laut Augenzeugen im Freien weitere Schüsse ab. Als das Magazin leer ist, setzt er sich auf einen Randstein. Dort nimmt ihn die alarmierte Polizei fest.

Erol B. kündigte Tat an

Im Bekanntenkreis des Schützen ist man am Tag danach schockiert. Ganz unerwartet kam die Tat für sie allerdings nicht. Bei einem befreundeten Ladenbetreiber machte sich Erol B. mehrmals Luft. «Dass ihn seine Frau verlassen hatte und die Scheidung wollte, konnte er nicht verkraften.» Als Zeynep damit drohte, dass sie ihm das Kind entziehen wollte, drehte Erol B. durch. «Er kündigte an, dass er seine Frau und die Schwiegereltern töten werde», erzählt der Bekannte. Er habe versucht, ihn zu beruhigen und ihn vor den Folgen gewarnt. Vergeblich.

Erol B. fühlte sich zu diesem Zeitpunkt bereits zu sehr in seiner Ehre verletzt. «Er schämte sich, dass ihn seine Frau verlassen hatte. So könne er sich nicht mehr in seiner Heimatstadt in der Türkei blicken lassen», sagt jemand aus dem Umfeld des mutmasslichen Täters. Der Türke stammt laut dem Bekannten aus einer Stadt am Schwarzen Meer – eine Gegend, in der Blutrache keine Seltenheit sei. «Ob der Täter vor der Tat Drohungen gegen die Frau oder deren Eltern ausgesprochen hat, ist Gegenstand der Ermittlungen. Bislang ist uns nichts bekannt», sagt René Gsell, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft.

Aufenthalt in der Türkei

In der Schweiz war der entgegen bisheriger Meldungen nicht 25-, sondern 29-Jährige als Bäcker tätig. In der Hammerstrasse in Basel betrieb er ein Geschäft mit türkischen Spezialitäten. Erol und die türkischstämmige Zeynep aus Deutschland eröffneten die Bäckerei im Juli 2011 gemeinsam. Das Paar hatte ein Jahr zuvor Hochzeit gefeiert. Erol B.s damaliger Chef, der in Basel ebenfalls eine Bäckerei führt, gehörte zu den Gästen. «Es war eine sehr schöne Feier mit etwa 400 Personen», erzählt er. Kurz nach der Heirat wurde Zeynep schwanger.

In der Ehe kriselte es. «Die Frau sagte, dass Erol sie geschlagen habe», weiss ein Vertrauter des Schützen. Darauf warf Zeynep B. ihren Mann aus der Wohnung. Er lebte von da an im Hinterzimmer seiner Bäckerei. Dann, vor einigen Wochen, reiste Erol B. in die Türkei zu engen Verwandten. Erst kurz vor der Tat kehrte er in die Schweiz zurück. Ob er sich die Tatwaffe im Ausland besorgt hat, ist noch nicht geklärt. Fest steht, dass er in der Schweiz legal keine Waffe hätte erwerben können. Zudem reiste Erol B. die rund 3500 Kilometer nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Auto.

Wann Erol B. den Entschluss für die Tat fasste, wird derzeit ermittelt. Drei Tage vor der Tat änderte er das Titelbild auf seinem Facebook-Account. Seit Donnerstag ist dort ein Foto von seiner und Zeyneps Hochzeit zu sehen. Zeynep und ihre Mutter sind mittlerweile ausser Lebensgefahr. «Die beiden konnten von der Intensivstation auf die Bettenstation verlegt werden», sagt Gsell, «um die kleine Tochter kümmern sich Verwandte.»

*Namen der Redaktion bekannt

Basler Zeitung

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