Entspannen auf dem Felix-Platter-Dach

Der Heimatschutz macht sich stark für den Erhalt des vom Abriss bedrohten Spitalbaus. Die Genossenschaften werden den Rekurs prüfen.

Gemeinsam statt einsam: Solarzellen und Musikpavillon – das schwebt der Genossenschaft LeNa vor.

Gemeinsam statt einsam: Solarzellen und Musikpavillon – das schwebt der Genossenschaft LeNa vor.

(Bild: Grafik Wouter Homs)

Das Felix-Platter-Spital polarisiert. Die einen finden den lang gezogenen Bau hässlich, die anderen sind begeistert. Häufig ist es Liebe auf den zweiten Blick. Das Gebäude wirke zunächst spröde, sagte Christof Wamister, Präsident des Basler Heimatschutzes. Doch wenn man genau hinschaue, so sei zu sehen, dass es ein lichtdurchfluteter Bau mit interessanter ornamentaler Fassade sei.

Der Heimatschutz hat daher Rekurs gegen den Entscheid der Regierung eingereicht. Diese hat nämlich entschieden, auf den Erhalt des Felix-Platter-Spital samt den zwei Schwesternhäusern zu verzichten. Dies, damit die Genossenschaften, denen man das Areal übergeben will, rasch und ohne Einschränkungen 500 neue Wohnungen planen könnten.

Sympathien für den Erhalt

Die Wohnbaugenossenschaften drängen jedoch keineswegs auf Abriss. Wie Jörg Vitelli, Präsident der WBG Nordwestschweiz, sagt, hege er gewisse Sympathien für den Erhalt des Spitals. «Es ist eine Frage des Kosten-Nutzen-Verhältnisses», sagt er. Wenn man ein solch grosses Gebäude beginne umzubauen, kommen die Erdbebensicherheit und der Brandschutz hinzu. «Man muss genauer hinschauen, was und wie man es nutzen kann.» Vitelli ist auch engagiert in der neu zu gründenden Wohnbaugenossenschaft wohnen&mehr. Am 22. Juni 2015 soll die Gründungsversammlung stattfinden. Das Felix-Platter-Areal biete das Potenzial für ein lebendiges, durchmischtes «Quartier im Quartier», argumentieren die Initianten. Die Baugenossenschaft wohnen&
mehr werde ein Konzept mit zwei Varianten vorlegen: Eines beinhaltet den Erhalt und die Umnutzung der bestehenden Bauten.

«Ich finde den Entscheid der Regierung nicht schlecht», sagt Vitelli. Sie lasse offen, ob man den Bau abreissen wolle oder nicht. «Machbar ist ein Erhalt des Gebäudes schon.» Doch es sei nicht der Sinn der Sache, wenn man danach einen Mietzins über den Marktpreisen verlangen müsste. Für den Erhalt des Gebäudes spreche, dass man dort Raum für Wohnungen wie auch für Infrastruktur habe. «Es wird sicher auch zusätzlichen Bedarf an Schulraum geben. Diesen könnte man im jetzigen Spital unterbringen», sagt Vitelli. Am 19. Mai habe man mit Immobilien Basel-Stadt eine Sitzung, wo man mehr über die Rahmenbedingungen erfahre.

Platzsparend und doch geräumig

Viele Ideen, was man mit dem Felix-Platter-Bau anstellen könnte, hat die Genossenschaft LeNa (Lebenswerte Nachbarschaft). Initiant Roger Portmann spricht von einer multifunktionalen Nachbarschaft, wo man gemeinsam die Infrastruktur in einem Mikrozentrum gestalten kann. In einem solchen System würde man viel Energie sparen, da man gewisse Bereiche teile. «So könnte man in einigen Wohnungen auf Gästezimmer, Küche oder Waschküche verzichten und diese gemeinschaftlich einrichten», sagt er. So entsteht sozialer Kontakt und Ressourcen werden gespart. «Das gibt doch ein aristokratisches Gefühl, trotz wenig Platz in der eigenen Wohnung eine grosse Küche, Gästezimmer und einen Whirlpool zur Verfügung zu haben. Wir müssen Inseln schaffen», sagt Portmann.

Im Vorstand dieser neu geschaffenen Genossenschaft seien auch ältere Leute vertreten. «Im Alter macht man sich mehr Gedanken, wie das Wohnen aussehen könnte. Auch Themen wie Einsamkeit sind dann vordringlicher», sagt der 40-Jährige. So existieren auf einer Skizze schon einige Ideen, wie ein solch geselliges Zusammenwohnen aussehen könnte: Mit einer Entspannungszone auf dem Dach mit fantastischer Aussicht, Kinderspielraum und Liegestühlen, Wohnungen, einer Bäckerei und vielem mehr. «Der Fantasie sind ja keine Grenzen gesetzt», sagt Portmann.

Basler Zeitung

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