Engelberger schliesst neue Fusionsvorlage aus

Angesichts des klaren Neins in Basel-Stadt zur Fusion der Kantonsspitäler baut Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger auf Kooperation.

So jubelte die SP zum Spitalfusions-Nein.

Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger sieht nach dem Nein zur Spitalfusion ein Bündel unterschiedlicher Gegnerschaften, die alleine nicht gereicht hätten als Ursache für das Nein zum Spitalfusions-Staatsvertrag, wie er sagte: Dagegen waren Linke und Gewerkschaften, aber auch Privatspitäler mit wirtschaftlichen Interessen.

Dazu gekommen sei eine finanzielle Skepsis in der breiten Bevölkerung im Stadtkanton – das Kantonsspital Baselland habe zuletzt unerfreuliche Zahlen publizieren müssen. Nachgehallt hätten überdies Partnerschaftserfahrungen von anderen Themen, bei denen sich im Stadtkanton manche vom Landkanton nicht so ernst genommen gefühlt hätten. So habe das Vertrauen gefehlt für eine solche Fusion.

Möglichst mehr Koordination

Nach dem deutlichen Nein will Engelberger ein fairer Verlierer sein und keine modifizierte Fusionsvorlage bringen. Die beiden Kantone setzten nun auf die gemeinsame Gesundheitsplanung, zumal der zweite Staatsvertrag dazu deutlich angenommen wurde in beiden Kantonen: Die gemeinsame Planung «hat Potenzial», sagte er weiter.

Die Kantonsspitäler, die in beiden Kantonen aus der Kantonsverwaltung ausgegliedert sind, müssten nun erst die eigenen betrieblichen Herausforderungen angehen. Da dürfte das Kantonsspital Baselland angesichts erodierender Patientenzahlen und teilweisem Ärzteexodus zunächst mehr Druck verspüren.

Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP) zu BaZ-Chefredaktor Marcel Rohr über das Stadtbasler Nein zur Spitalfusion.

Engelberger hatte die Fusion wegen der betrieblichen Logik begrüsst; als weiterhin separate Unternehmen sei das Potenzial für enge Kooperation «halt sehr limitiert». Integriert per Fusion hätte man beispielsweise einfacher Patientenpfade gleich festlegen oder Zentralisierungen beschliessen können.

Bruderholzspital-Zukunft offen

Der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber interpretiert das Nein im Stadtkanton ähnlich wie sein Amtskollege. Er wirft der Gegnerschaft aus der «links-konservativen Ecke» teils unfairen Umgang mit Zahlen vor, etwa zum Baselbieter Bruderholzspital. Gegner hätten mit ihrer destruktiven Taktik erfolgreich Skepsis gesät – bei solch komplexen Vorlagen sage das Volk im Zweifel eher Nein.

«Es braucht mutige Entscheide, dass die Kosten im Gesundheits nicht weiter steigen», sagt der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber. Video Mischa Hauswirth

Auch Weber baut auf den angenommenen Staatsvertrag zur koordinierten Gesundheitsversorgung. Indes müsse das Kantonsspital Baselland gemäss Auftrag primär die Versorgung der Baselbieter Bevölkerung sicherstellen und die eigenen Kosten senken. Die Mitverantwortung für die gemeinsame Universität beider Basel sei klar.

Eine stärkere Kooperation habe «ökonomisch und führungsmässig» Grenzen, sagte Weber. Ohne Fusion seien die Strukturen komplizierter als mit. Denkbar seien künftig etwa Joint-Ventures zu bestimmten Disziplinen; alle diese Möglichkeiten müsse der Spital-Verwaltungsrat nun genau prüfen.

Der Standort Bruderholz steht laut Weber «so oder so vor grossen Veränderungen» – eine Initiative zu dessen Erhalt war im Mai 2017 mit zwei Dritteln Nein-Stimmen abgelehnt worden. Er glaubt nicht, dass das Baselbieter Parlament Gelder für einen Eins-zu-eins-Ersatz jenes veralteten Spitals sprechen würde.

amu/sda

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