Eine illegale Party läuft aus dem Ruder

Ein Aktivisten-Netzwerk besetzte am Samstag das verlassene Kinderspital im Kleinbasel. Das Ziel: ein selbstverwalteter Raum zum Leben. Doch es kam alles ganz anders.

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Kurz nach Mitternacht war Schluss. «Die Party ist vorbei», schrie ein Mann mit Megafon vom ersten Balkon des alten Kinderspitals, das am Samstagnachmittag durch Aktivisten besetzt worden war. «Verlasst alle das Areal.» Ein tragischer Unfall beendete die illegale Party mit etwa 2000 bis 3000 Gästen. Ein 18-Jähriger stürzte von der Aussenterrasse des zweiten Stocks und zog sich schwerste Verletzungen zu. Die Feier war aber bereits vor Mitternacht ausser Kontrolle geraten. So wurden innerhalb des Gebäudes Feuer gelegt, im Innenhof brannten Computer, Mobiliar flog durch die Fenster.

Als Tausende Menschen ins Kinderspital strömten, «hat das Vorhaben eine Dynamik entwickelt, die nicht in unserem Sinne war», teilte das anonyme Netzwerk DeRIVAt, das die Besetzung initiiert hatte, gestern Sonntag mit. Der Unfall bewegte die Aktivisten zum sofortigen Abbruch der Aktion. «Wir bedauern, dass das Projekt eine solch unglückliche Wendung genommen hat.» Ihr Ziel, selbstverwaltete Freiräume zu schaffen, bleibe aber.

Polizei griff nicht ein

Der Tag danach, Sonntagnachmittag, 13.30 Uhr. Anwohner und Passanten stehen staunend vor dem mit Müll übersäten Areal am Schaffhauserrheinweg, machen Fotos, reden miteinander. Ein Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma hat gerade die oberen Stockwerke des alten Kinderspitals kontrolliert. «Niemand mehr da», sagt er.

Im Innern des ehemaligen Spitals herrscht Chaos, Brandgeruch liegt in der Luft. Überall Bierdosen und Sprayereien. Einige Fenster sind verbarrikadiert, wohl um sich vor einem möglichen Zugriff der Polizei zu schützen. Geräte im Wert von mehreren 100'000 Franken sind laut UKBB-Leiter Konrad Müller beschädigt worden. Einige Gegenstände, etwa den Operationstisch, seien einem Drittweltland zugedacht. Im Hochparterre sind Reste der Kunstinstallationen zu sehen, welche die Besetzer am Samstag eilig angebracht hatten. Gelbe Blumen, die in herausgezogene Schubladen gepflanzt wurden, Drahtgeflechte oder von der Decke wachsende Äste. Zeugen des friedlichen Besetzungsstarts.

Das Netzwerk DeRIVAt wollte sich längerfristig in dem Gebäude einrichten, selbstverwalteten Freiraum zum Leben und für alternative Kultur anbieten. Deshalb sollte eigentlich nichts kaputt gemacht werden, wie auf Flyern und Plakaten stand. «Wir sind gekommen, um zu bleiben», sagte eine Aktivistin am Samstag. Das Vorhaben scheiterte.

Auf eine gewaltsame Räumung verzichtet

Geschockt über das tragische Ende der Besetzung zeigte sich auch Sibel Arslan, Grossrätin des Grünen Bündnisses. Sie hatte am Samstag mit ihrer Ratskollegin Salome Hofer (SP) zwischen Behörden und Besetzern zu vermitteln versucht. Die Polizei hatte sich am Samstag vorläufig zurückgezogen und auf eine gewaltsame Räumung verzichtet. «Aus Gründen der Verhältnismässigkeit», sagte Polizeisprecher Klaus Mannhart, «und um eine weitere Eskalation und Verletzte zu verhindern.» Beim Entscheid hatte auch die 1.-Mai-Demo von gestern eine Rolle gespielt. Man wollte im Vorfeld die Stimmung nicht anheizen.

Der Unfall dürfte für die Besetzer kaum Konsequenzen haben. «Wahrscheinlich wird niemand dafür haften», sagt Markus Melzl, Sprecher der Staatsanwaltschaft, da es ein Selbstunfall gewesen sei. Offen ist aber, ob Immobilien Basel-Stadt eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung einreichen wird.

Basler Zeitung

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