Ein Visionär lässt nicht locker

Wenn Donald Jacob mit dem Modell des Centralparks Basel in Basel unterwegs ist, findet er auf der Strasse praktisch keine Gegner mehr. Nur Regierungsrat Hans-Peter Wessels weigert sich, mit ihm zu sprechen.

Verführerische Illustrationen: «Sobald ich die Chance kriege, das Projekt ­vorzustellen, sind die Leute begeistert», sagt Donald Jacob.Visualisierung Jacob Planung

Verführerische Illustrationen: «Sobald ich die Chance kriege, das Projekt ­vorzustellen, sind die Leute begeistert», sagt Donald Jacob.Visualisierung Jacob Planung

Donald Jacob ist es sichtlich unwohl: Ein Porträt über seine Person wird in Basel nicht zwingend zu seinen Gunsten verstanden. Das gibt neue Angriffsflächen, und die will der Ideenlieferant und die zentrale Triebfeder des Centralpark Basel nicht bieten. Acht lange Jahre kämpft er schon für eine Grünfläche über den Geleisen am Bahnhof SBB. Gegen den Regierungsrat, gegen die Division Infrastruktur der SBB, vor allem aber gegen den Kantonsarchitekten Fritz Schumacher – wie David gegen Goliath. «Es geht um das Projekt und nicht um den Donald Jacob. Das lenkt nur ab», insistiert er.

Im Abstimmungskampf bis zum ­­22. September zieht er sich lieber ins zweite Glied zurück und verweist auf die 20 Gruppierungen und Parteien – von Handelskammer bis zum WWF –, die hinter dem Centralpark Basel stehen. Doch ohne den unermüdlichen, etwas hageren Kämpfer Donald Jacob stünde kein einziger dieser Unterstützer auf dem Abstimmungsflyer zur Initiative «Ja zum Centralpark Basel». Das Projekt wurde tausendmal totgesagt. Immer hat er einen Weg gefunden, seinen Traum zu verwirklichen. Das sei auch wieder wahr, nickt Jacob und willigt dann doch für ein Treffen mit der BaZ ein.

Über den Gärtner gelästert

Der Centralpark Basel-Promoter ist eben vorsichtig geworden. Nicht zuletzt, weil die Gegner in der Stadt, auf Bauveranstaltungen, in den Verwaltungsstuben und so, lästern: Donald Jacob, der Spinner. Donald Jacob, der Gärtner, der jetzt Raumplaner, Statiker, Architekt und Ingenieur spielen will. Oder: Donald Jacob, ein einfacher Landschaftsgärtner, der sich mit einem grossen Wurf zwischen Bahnhofpasserelle und Margarethenbrücke ein Denkmal setzen will. Eine Nummer zu gross für den Jacob. Aber das ist gemein und zu einfach.

Denn der inzwischen 50-jährige Vater von heute 19-jährigen Zwillingssöhnen hat in seiner Laufbahn vier Firmen gegründet und mitbegründet, ohne dass je eine liquidiert worden ist, etwa die Gärtnerei am Hirtenweg. 350 Projekte hat er ins Ziel gebracht – für Gemeinden, Firmensitze und den Kanton Basel-Stadt. Manche als Angestellter der Firma Gruner AG, und viele als Selbstständigerwerbender. Darunter sind Projekte mit grosser Ausstrahlungskraft, wie etwa die Mitwirkung an der Reinacher Dorfkerngestaltung oder das Projekt «Wiesionen/Rossschwemme» in Lörrach, für das er eine Auszeichnung der Architektenkammer Baden-Württemberg erhalten hat.

Er habe nie Schulden gehabt, hat nie Konkurs angemeldet. Darauf ist er stolz, und es passt in sein Lebenskonzept, «nachhaltig» sein zu wollen. Donald Jacob, der Firmengründer, der Geschäftsführer, Personalleiter und Kaufmann. Ein Mann, der die Kunstgewerbeschule in Basel besuchte, der das Handwerk der Landschaftsgärtnerei lernte, die Ingenieurschule ISW in Wädenswil absolvierte und Ökologie an der Universität in Tübingen studierte. Im Fernstudium zwar. Das erwähnt der heutige Inhaber des Planungsbüros an der Austrasse unaufgefordert. «Bei mir ist alles transparent», sagt er im Verlauf des Gesprächs immer wieder.

Diese Haltung ohne Attitüde hat ihm in diversen Architekturbüros, von denen er Gartenplanungsarbeiten erhält, Respekt verschafft. Und es ist auch auf den Bauplätzen registriert worden, dass der Planer sich nicht zu schade ist, hin und wieder selbst die Gartenschaufel in die Hand zu nehmen. Umgekehrt werfen die Kritiker ihm gerade deswegen vor, eben «nur der Gärtner» zu sein.

Sein Zeichnungslehrer am Gymnasium Bäumlihof habe seine Fähigkeit, gestalten zu können erstmals direkt angesprochen. Von da an zieht sich das Gestalten von Objekten und Landschaften wie ein roter Faden durch sein Leben. Als Kind sei er nicht laut gewesen und er habe sich nicht in den Vordergrund gedrängt. Erst das Lobbyieren für den Centralpark Basel habe ihn trainiert, vor Leuten zu sprechen.

Hansdampf in allen Gassen

In einem Punkt haben die Kritiker recht, wenn sie ihn als Hansdampf in allen Gassen bezeichnen: Donald Jacob ist in vielen Disziplinen zu Hause: Ist eben Gärtner und Möbeldesigner, Entwickler und Solaranlagenplaner und dann wieder Kunstmaler. «Autodidakt», sagt er und ergänzt, «mir ist aufgefallen, dass mich gewisse Menschen schubladisieren wollen, aber in dieses Kistendenken lasse ich mich nicht zwängen.»

Schon als Planer von Solaranlagen passte er nicht in die Zeit. Jacob hat mit seiner Firma zu früh auf erneuerbare Energien gesetzt. «Nach der Volksabstimmung über die Förderung von erneuerbaren Energien, die abgelehnt worden ist, war für mich in der Schweiz der Ofen aus, während in Deutschland die Post abging», sagt Donald Jacob. Vielleicht ist er auch mit der Idee des Centralparks Basel zu früh.

Jacob wohnte damals im Gundeli. Das jetzige Planungsbüro liegt an der Austrasse, dazwischen der Gleispark der SBB und die Margrethenbrücke, die er fast täglich passiert. An einem Morgen vor rund acht Jahren sah der Visionär Potenzial: die grosse Grünfläche über dem Bahnhof, die das Gundeli an die Stadt anbinden soll. Fussgänger überqueren darauf die Fläche in allen Richtungen. Abends werden die Basler den unverbauten Blick auf den Sonnenuntergang im Westen über dem Zolli geniessen können. Die Bahnsteige darunter befinden sich nicht im dunklen Loch wie in Bern, sondern werden immer vom Tageslicht beflutet. Bei genauerer Betrachtung ist es wenigstens die Hälfte der überdachten Fläche, die Tageslicht auf die Perrons lässt. «Betonsarkophag», spottet man bei den Gegnern, welche die Idee mit einem Wort abkanzeln wollen.

Skeptiker überzeugt

Die Idee der Grünanlage über dem Gleispark ist verführerisch. Die heute entwickelten Illustrationen sind es noch viel mehr. Zuerst vermochte Donald Jacob seinen Büropartner Fredy Hadorn zu begeistern. Im Café im Gundeli wurde sein Freund Jost Müller, Geschäftsführer beim WWF, Fan von der Sache. Und von Beginn an war auch die IG Gundeli mit dem früheren Präsidenten Will Born voll dabei. Und es sind immer mehr geworden. Auch die SP Gundeli, die zuerst skeptisch war. Aber nach seiner Präsentation sei das Projekt einstimmig befürwortet worden, erinnert sich Donald Jacob.

Wenn heute der Überzeugungstäter zusammen mit dem Abstimmungkomitee und dem Modell des Centralparks Basel auf einem Anhänger in Basel unterwegs ist, findet er auf der Strasse praktisch keine Gegner mehr. «Sobald ich die Chance kriege, das Projekt vorzustellen, sind die Leute begeistert davon.» Diese Chance hat er bei Regierungsrat Hans-Peter Wessels nie gekriegt. «Mindestens vier Mal habe ich ihn gebeten, ihm mein Projekt vorstellen zu dürfen.» Empfangen worden sei er nie. Auch bei der Internationalen Bauausstellung Basel (IBA) wurde er aussen vor gelassen – mit dem unsäglichen Hinweis, sein Projekt sei politisch nicht unterstützt. Donald Jacobs ballt seine Faust über dem Flyer, auf dem 20 Gruppierungen und Parteien ihre Logos aufdrucken liessen, die alle nochmals ihre Ja-Parole explizit bestätigten.

Vielleicht habe er sich zu blauäugig in das Projekt gestürzt, dachte bisweilen, dass man mit einer guten Idee am Runden Tisch in Basel alles bewegen kann. Doch erlebt hat Donald Jacob vielmehr «ein Pingpong-Spiel zwischen der Basler Regierung und den SBB»: die Regierung, die sich auf die Haltung der SBB abstützt, und die SBB, die auf ein Zeichen der Regierung warten. Jetzt klammert sich Donald Jacob an einen Brief von Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger, der ein «klares Signal von Basel» für das Centralpark-Projekt erwartet. Zusammen mit der Aussage von SBB-Chef Andreas Meyer auf Telebasel, wonach die SBB «nach einer erfolgreichen Abstimmung zum Gespräch bereit» seien, glaubt er, die Zusicherung des Grundeigentümers für den Eingriff Centralpark Basel erhalten zu haben.

Tiefschlag mit dem Ratschlag

Mindestens 300-mal hat er das Projekt in Fachkreisen, Parteien und Clubs vorgestellt. Die Stunden, die er investiert hat, sind gar nicht mehr zu zählen. Und dann das: Nach acht Jahren Engagements durfte sich das Komitee vor der zuständigen Kommission zeigen. Auf Selbsteinladung, wie Hansjörg Wilde, Präsident des Vereins Pro Centralpark Basel betont. Zehn Minuten hat Donald Jacob vorsprechen können. Dann wurde hinter verschlossenen Türen beraten, und herausgekommen sei ein Ratschlag ohne Einbezug des Projekts Centralpark Basel, ohne Zeitraster für Studien und ohne Begleitkommission. Mit anderen Worten: ohne Donald Jacob, den Initiator des Projekts.

Im angelsächsischen Raum, wo die Neidkultur nicht so ausgeprägt ist – wäre er mit dem Centralpark viel weiter, glaubt er. Dort müsse man nicht die Namen grosser Architekten wie Jacques Herzog oder Pierre de Meuron tragen, um bei der Verwaltung vorgelassen und ernst genommen zu werden.

Jetzt wird Donald Jacob energisch: «Das Initiativkomitee ist breitestens abgestützt, die nötigen Unterschriften hatten wir in Rekordzeit zusammen, 130 000 Leute halten sich täglich beim Bahnhof auf, das grösste Quartier der Schweiz, das Gundeli mit 21 000 Einwohnern, sucht Anschluss an die Stadt – wenn das nicht genug Legitimation ist, einen Park hier zu machen, was dann?» Basel habe hier die Chance für eine attraktive Stadtentwicklung – einen Volkspark. «Oder soll das Steuergeld für alternativ eine Unterführung ausgegeben werden?», fragt sich Jacob.

Der Kampf beginnt erst

Über eines hat sich Donald Jacob immer gesträubt zu sprechen: über die Kosten. Doch vor der Abstimmung machen es alle. Von «bis 400 Millionen Franken» geht das Bau- und Verkehrsdepartement aus. 78 Millionen hat Jacob dann doch von seinem ehemaligen Arbeitgeber Gruner AG errechnen lassen, was von namhaften Grössen aus der Fachwelt als «utopisch billig» kommentiert wird. Bei welchem Betrag würde er die Reissleine ziehen und das Projekt fallen lassen? Nach langem Zögern sagt Jacob: «Beim Höchstbetrag, den die Regierung ins Spiel bringt.»

Gebaut ist der Centralpark Basel nach dem 22. September noch lange nicht, zumal die Initiative unformuliert ist und ein Centralpark Basel-ähnliches Projekt durchaus in anderem Kontext realisiert werden könnte – ohne den ­Initiativtext zu verletzen und ohne ­Donald Jacob. An diese Möglichkeit wagt der Planer gar nicht zu denken. «Jetzt ist jetzt. Und ich blicke auf das, was jetzt ist», sagt er schlicht. Es scheint ihm undenkbar und unfair, dass ihn Basel ein weiteres Mal aussen vor lässt.

Basler Zeitung

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