Die Zigarre gleitet majestätisch über Basel

Die Fluggesellschaft Edelweiss Air beschenkt Passagiere zum 20-jährigen Jubiläum mit Zeppelinfahrten über der Region Basel. Der Flug lässt im Luftschiff Nostalgie aufsteigen.

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Blau und leer präsentiert der Himmel sich über dem Sportplatz St. Jakob. Keine Wolke ist zu sehen – und auch sonst nichts. Da kann die Handvoll Menschen auf dem Rasen noch so angestrengt in die Weite blinzeln. Doch plötzlich geht ein Raunen durch das Grüppchen. Ein roter Fleck ist am blauen Himmel aufgetaucht.

«Wo, wo?», erklingt es von überall. Der rote Fleck wird rasch grösser und bald sieht man nebst der bunten Nase auch den dicken weissen Bauch des Zeppelins. Majestätisch gleitet er durch die Luft, zeigt sich bald von vorne, bald von der Seite, mit seinem Edelweiss-Schriftzug und der weissen Blüte am Bug. Je weiter das Luftschiff vom Himmel herabsinkt, desto lauter dröhnen seine drei Propeller. Wie die stummeligen Flossen einer Robbe lugen sie aus den Seiten und dem Heck des weissen Giganten. Die Haltetaue werden ausgeworfen und das Bodenpersonal zieht den Zeppelin in Position. Knapp über dem Boden bleibt er stehen, schwebt in der brütenden Mittagshitze, wogt sanft hin und her mit dem lauen Lüftchen und ist bereit, seine zwölf ersten Basler Gäste aufzunehmen.

Basel von oben

In Zweierreihe stehen die Passagiere auf dem Rasenplatz der Sportanlage, in der Hand flattern die roten Passagierscheine, im Kopf die Erwartungen. Die Zeppelin-Kabine ist klein aber fein, wir öffnen die Fenster und winken, während die Himmelszigarre über das Joggeli-Stadion gleitet. Wie ein Bauklötzchen taucht der Roche-Turm in den Panoramafenstern des Zeppelins auf. Die Blicke folgen dem grünen Band des Rheins, Schrebergärten liegen wie ein bunter Quilt unter uns, dann kommt die Wettsteinbrücke, jetzt das Münster, ein kleiner roter Tupfer inmitten vieler anderer Tupfer. Die Mittlere Brücke – gerade noch sind ihre Bögen zu erkennen, dann Novartis Campus, wir bleiben auf Kleinbasler Seite, um weder den Spitalhelikoptern, noch dem Flugplatz Konkurrenz zu machen. Riehen gleicht einem perfekten Karomuster; grosses grünes Quadrat, kleines graues Würfelchen darin – Parzelle um Parzelle. Dann wird das Bild grüner und welliger, Hügel tauchen auf, am Horizont verschwimmt Grün mit Blau.

Wir gleiten weiter, eine Drehung hier, eine Kurve dort, schaukelt der Zeppelin sich zur Verzweigung des Rheins in Kanal und Altrhein. Unter uns liegt Kembs, und in die Lounge am Heck des Zeppelins gelehnt, die kühle Luft aus dem offenen Fenster im Gesicht, blicken wir auf die Rheininsel. Wie ein Stück aus einer anderen Welt sieht sie aus und das soll auch so sein: Das Renaturierungsprojekt ist bereits fortgeschritten – die Natur scheint sich gut zu er­- innern, wie sie sich damals gezeigt hat.

Nostalgie am Himmel

Ein Blick vom Fenster weg, hin zu den beiden konzentrierten Piloten, lässt auch im Luftschiff Nostalgie aufsteigen: Es wird vor 100 Jahren wohl etwas lauter gewesen sein, im Zeppelin, und dennoch: Da liegt Geschichte in der Luft. Am 12. Oktober 1930 landete erstmals ein Zeppelin in Basel. Davor hatte man die «Riesenzigarren» zwar schon oft am Himmel gesehen, waren sie doch ein Produkt deutscher Qualitätsarbeit, doch gelandet war am Rheinknie bisher noch keiner. Der Erste Weltkrieg war zu Ende, die Ruinen wieder aufgebaut und die goldenen Zwanziger schimmerten trotz Weltwirtschaftskrise von 1929 nach, als am Himmel über Basel das Luftschiff «Graf Zeppelin» auftauchte, benannt nach seinem Schöpfer Ferdinand Graf von Zeppelin. Doch anders als gestern die «Edelweiss» wurde deren Urahne im Basler Flughafen bei Hudelwetter empfangen: Sturm­artiger Regen peitschte über die Köpfe der zahlreichen Zuschauer, die für einen Stehplatz zwei, für einen Sitzplatz stolze fünf Franken hingeblättert hatten. Die Ankunft des Zeppelins beobachteten «Zenhtausende als ordentliche Gäste», stand am Folgetag grosszügig in den Basler Nachrichten. Unklar sei, «wie viele Zehntausende ausserdem ringsherum als Zaungäste schmarotzten».

Viele müssen damals die Landung mit einem flauen Gefühl im Magen beobachtet haben: Nur eine Woche zuvor war ein Luftschiff über Frankreich abgestürzt. Sieben Jahre später explodierte die deutsche «Hindenburg» wie ein glühender Vorbote des aufkeimenden Zweiten Weltkriegs über Lakehurst. Die Wasserstofffüllung hatte sich entzündet, 36 Menschen kamen bei der Katastrophe ums Leben.

Die gemächliche Zeppelin-Luftfahrt konnte sich in der einsetzenden Moderne nicht durchsetzen. Dennoch umweht sie ein Hauch Utopie. Was wäre das für eine Welt, in der Luftschiffe statt «EasyJet»-Flieger über Basel kreuzen?

Basler Zeitung

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