Die Saison der illegalen Partys beginnt hart

Innerhalb einer Woche hat die Basler Polizei zwei unbewilligte Freiluftfeste mit einem Grossaufgebot geräumt. Politiker und Partymacher wünschen sich nun unbürokratische Lösungen.

Fest mit tragischem Ende: Ende April 2011 wurde das alte Kinderspital besetzt, dabei wurde ein Mann bei einem Sturz schwer verletzt. Prägt dies die aktuellen Polizeieinsätze?

Fest mit tragischem Ende: Ende April 2011 wurde das alte Kinderspital besetzt, dabei wurde ein Mann bei einem Sturz schwer verletzt. Prägt dies die aktuellen Polizeieinsätze?

(Bild: Tino Briner)

Alle feiern Partys in dieser Spassgesellschaft. Die Linken führen sich am 1. Mai und die Rechten am 1. August Bier und Bratwurst zu Bauche. Ganz legal. Wer aber illegal feiert, dem kann die Wurst schon mal im Rachen stecken bleiben. Eine Party auf der Kraftwerkinsel am Tag der Arbeit ist offenbar geräumt worden, bevor sie richtig in Fahrt kam, hört man von Partybesuchern.

Gesetz ist Gesetz – während man gegen Handörgeli am Nationalfeiertag nicht ankommt, können Anwohner bei unerlaubten Festen die Polizei rufen, wenn es zu laut wird. Und die Beamten kommen. Ist ja klar. Doch in letzter Zeit tun sie das offenbar vermehrt, als ob sie in einem amerikanischen Actionfilm wären. Zumindest, wenn man Festbesuchern glaubt, die in der Nacht auf Samstag in der besetzten ehemaligen Garage an der Grosspeterstrasse waren. Die Polizei räumte das Gebäude.

Gummischrot aus Notwehr?

Kastenwagen, Gummischrot – das ganze Arsenal an Einschüchterungsmitteln hätten die Beamten dabeigehabt, erzählt eine 18-jährige Maturandin, die nicht beim Namen genannt werden möchte. Ein Mann bekam einen Gummischrot-Schuss ab, ein Polizist erlitt eine Augenverletzung wegen eines Laserpointers. Die Polizisten sagen, sie hätten aus Notwehr geschossen, wegen Steine werfender Jugendlicher. Ein Partygänger sagte gegenüber der «TagesWoche» dagegen, die Polizisten hätten schlicht die Nerven verloren.

Schon am Wochenende davor hatte die Polizei offenbar unter der Autobahnauffahrt beim Güterbahnhof Wolf eine Party aufgelöst. Auch da war die 18-jährige Maturandin vor Ort. «Wir waren friedlich», sagt sie und kritisiert: «Weshalb müssen die Polizisten dann demonstrativ mit dem Kastenwagen durch die Leute bis vors DJ-Pult vorfahren?» Die Polizei war nicht immer so eingefahren. In den letzten Jahren liess sie viele Partyorganisatoren gewähren. Wenn sie ein Fest räumte, tat sie das oft unaufgeregt mit Streifenwagen.

«Das war keine Party, das war Krawall»

Was ist passiert? Steht die Partysaison 2012 unter dem schlechten Stern vom letzten Jahr? Zehn bis 15 Leute hatten im September 2011 auf der besetzten Voltamatte die Fenster der Kreuzapotheke eingeschlagen. Im besetzten ehemaligen Kinderspital war in der Nacht auf den 1. Mai 2011 ein junger Mann vom Balkon gestürzt und hatte sich schwer verletzt. Will die Polizei dieses Jahr repressiver vorgehen? Bürgerliche Politiker hatten im Nachgang der Besetzungen der Regierung und der Polizei Passivität vorgeworfen. Ist Gummischrot die Konsequenz? Oder sind die Jugendlichen gewalttätiger geworden? Der basel-städtische Polizeikommandant Gerhard Lips will keine Stellung zur Kritik vonseiten der Partygänger nehmen, da diese ihre Namen nicht öffentlich bekannt geben.

Gerne Auskunft geben dafür Politiker. Von Mitgliedern der grossrätlichen Justiz-, Sicherheits- und Sportkommission (JSSK) hört man festfreudige Töne. Sowohl der liberaldemokratische Grossrat André Auderset wie auch die Bündnis-Grossrätin Sibel Arslan wollen dasselbe: Die Jugendlichen sollen feiern, so lange sie niemand stören. Auderset legt wenig überraschend den Schwerpunkt aber auf die «Sicherheit», Arslan auf die «Entfaltung». Der Liberaldemokrat findet den Polizeieinsatz vom Samstag an der Grosspeterstrasse gerechtfertigt: «Das war keine Party, das war Krawall», sagt er. Die Leute hätten laut Polizeiberichten Material auf die Strasse geschichtet und angezündet und den Verkehr gefährdet. Dass die Polizisten mit Gummischrot geschossen hätten, sei sicher Notwehr gewesen. Die Beamten würden dazu ausgebildet, sich nicht leichtfertig provozieren zu lassen.

Unbürokratische Lösungen

Arslan ist im Allgemeinen nicht zufrieden mit der momentanen Polizeitaktik, doch sie sagt, die Polizei könne es niemandem recht machen. «Die Bürgerlichen kritisieren, die Polizei greife nicht durch. Die Linke sagt, sie sei zu repressiv», sagt Arslan. Und moniert dann selbst: «Die Kreativität der Jungen wird in Basel gehemmt, statt dass Polizei und Jugendliche gemeinsam Lösungen suchen.» Illegale Partys liessen sich ohnehin nicht verhindern, sagt Arslan. Denn Jugendliche hätten nun mal nicht die Möglichkeit, für Partybewilligungen durch die bürokratischen Prozeduren zu dringen. «Doch es gibt in Basel bestimmt Plätze, wo die Jugendlichen keine Anwohner stören», sagt sie, «schliesslich sind wir nicht auf dem Land.»

Was ist mit der Sicherheit? «Zu einer Schlägerei oder einem Unfall kann es immer kommen», sagt Arslan, «auch wenn eine Party legal läuft.» Sowohl Auderset als auch Arslan wünschen sich unbürokratische Lösungen. Etwa eine Jugendbewilligung wie in Zürich. Dort können Veranstalter zwischen 18 und 25 Jahren ihre Freiluftparty via Telefonhotline acht Tage im Voraus bewilligen lassen. Die Jungfreisinnigen Basel lancieren eine Petition für ein ähnliches Modell am Rheinknie.

Basler Zeitung

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