«Der Museumsbau gehört vors Volk»

Die SVP will die Entscheidung über den 214-Millionen-Neubau für das Naturhistorische Museum und das Staatsarchiv nicht allein dem Parlament überlassen.

Architektonischer Meilenstein. Der Neubau des Naturhistorischen Museums und des Staatsarchivs beim Bahnhof St. Johann soll mehr Platz schaffen und das Quartier aufwerten.

Architektonischer Meilenstein. Der Neubau des Naturhistorischen Museums und des Staatsarchivs beim Bahnhof St. Johann soll mehr Platz schaffen und das Quartier aufwerten.

(Bild: EM2N)

Die Stadt soll einen neuen architektonischen Leuchtturm erhalten. Morgen muss der Grosse Rat über einen Neubau des Naturhistorischen Museums und des Staatsarchivs beim Bahnhof St. Johann abstimmen. Dazu beantragt die Regierung einen Kredit von rund 214 Millionen Franken. Das Projekt dürfte im Parlament umstritten sein. Doch auch nach einem Ja wären noch nicht alle Hürden überwunden. Denn die SVP überlegt sich das Referendum.

Die Ausgangslage ist folgende: Das Staatsarchiv an der Martinsgasse sowie das Naturhistorische Museum an der Augustinergasse sind stark renovationsbedürftig. Für eine Sanierung müssten die Pforten wohl zwei, drei Jahre lang schliessen. Ausserdem fehlt gemäss Ratschlag der Regierung beiden Institutionen Platz. Nun soll es zu einer Rochade kommen. Das Naturhistorische Museum und das Staatsarchiv kämen in den Neubau im St. Johann. Und das Antikenmusum vis-à-vis des Kunstmuseums käme in den grossen Berri-Bau an der Augustinergasse. Dies dürfte dann nochmals eine Stange Geld kosten.

Zentrale Lage wird aufgegeben

Morgen dürfte im Grossen Rat ausführlich diskutiert werden. Einerseits aufgrund der hohen Kosten. Was noch schwerer wiegen dürfte: Heute liegt das Naturhistorische Museum an zentraler Lage in der historischen Innenstadt, nahe anderer Museen.

«Wir gehen davon aus, dass diejenigen, die in die Stadt kommen, um Museen zu besuchen, nicht noch in Aussenquartiere fahren wollen», sagt Lorenz Nägelin, Präsident der Basler SVP. Jetzt sei man innert fünf Minuten im Kunstmuseum, im Antikenmuseum, im Historischen Museum, im Museum der Kulturen und im Naturhistorischen Museum. «Wir werden das Referendum prüfen», sagt er. Entscheiden werde man allerdings erst nach der Grossratssitzung. «Ich bin jedoch der Ansicht, das Projekt ist zu gewichtig, um die Meinung nur dem Parlament zu überlassen. Über den Museumsbau sollte das Volk entscheiden.»

Auch in der FDP ist das Projekt umstritten. An der gestrigen Fraktionssitzung allerdings zeigten sich die Mitglieder nicht kämpferisch. «Wir werden das Referendum nicht unterstützen», sagte Fraktionspräsident Luca Urgese. Man habe kontrovers diskutiert und es gebe unterschiedliche Meinungen. So wird die FDP morgen im Grossen Rat einen Rückweisungsantrag stellen. Dabei gehe es um die Betriebskosten, die «viel zu hoch seien». Diese sind um zwei Millionen höher als ursprünglich von der Ratskommission gefordert.

In der CVP-Fraktion unterstützt man das Projekt. «Wir werden es kritisch begleiten», sagte allerdings Beatrice Isler. Ihre persönliche Meinung verhehlt sie nicht: «Ich begreife, dass das Staatsarchiv einen Neubau braucht. Ich frage mich jedoch, weshalb man das Museum auch noch dorthin verfrachten muss.» Es sei doch wunderbar, dass die Museen so nahe beieinander liegen. Und sie fragt sich auch, welche versteckten Betriebskosten ein solcher Neubau generiert. Dem Heimatschutz Basel liegt die bauliche Seite des Naturhistorischen Museums am Herzen. Architekt war Melchior Berri (1801–1854). Der in Münchenstein Aufgewachsene konnte durch diesen Bau überregionale Bedeutung erlangen. «Der Verein verlangt, dass bei der geplanten Renovation der originale Zustand des Gebäudes so weit wie möglich wiederhergestellt wird», sagte Christof Wamister, Präsident des Heimatschutzes Basel. Man verfolge die Museumsdebatte genau.

«Eine grosse Dummheit»

Klare Worte findet Uta Feldges, langjähriges Vorstandsmitglied des Basler Heimatschutzes. «Ich persönlich finde es eine grosse Dummheit, das Museum an den Stadtrand zu bauen. Ich erlebe vor allem am Sonntag eine grosse Belebung des Museums durch Familien mit Kindern.» In anderen Städten sei es gang und gäbe, ein Museum aufgrund einer Renovation mal eine gewisse Zeit zu schliessen.

«Ich finde eine Schliessung schwierig», findet Oswald Inglin (CVP), Präsident der Ratskommission: «Das ist für Schulklassen ein grosser Verlust, wenn man bedenkt, dass jährlich 1200 das Naturhistorische Museum besuchen.» Ein modernes Museum sei gerade im Hinblick auf die vielen jungen Besucher wichtig. «Da ist ein Einfrieren der Entwicklung unmöglich. Das wäre der Fall, wenn es an der Augustinergasse bleiben würde.»

Mit einem Neubau hingegen würde es einen enormen Schub geben, sagt Inglin. Man könne dann auch hinter die Kulissen sehen. Und schlussendlich gehe es auch um die Entwicklung des St.-Johann-Quartiers. «Dieser Neubau würde ein architektonischer Meilenstein und dem Quartier in jeder Hinsicht guttun.» Ausserdem, so Inglin, sei das Naturhistorische Museum nicht ein Touristenmuseum wie andere, das im Stadtkern stehen müsse.

Basler Zeitung

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