«Der Claraturm schafft neuen Wohnraum»

Gegen den Claraturm wurde das Referendung ergriffen. Regierungsrat Hans-Peter Wessels verteidigt das Bauvorhaben am Messeplatz. Sollte das Projekt abgelehnt werden, bedeutet dies jedoch nicht, dass die bestehenden Häuser stehen bleiben.

Umstrittener Turmbau: Bald soll das Basler Stimmvolk u?ber die Zukunft des Claraturms entscheiden können.

Umstrittener Turmbau: Bald soll das Basler Stimmvolk u?ber die Zukunft des Claraturms entscheiden können.

Der Grosse Rat hatte den Bebauungsplan für den Claraturm Mitte Juni mit grossem Mehr gutgeheissen. Doch nun ist gegen dieses Beschluss das Referendum mit 3800 Unterschriften ergriffen worden. Damit kommt es zu einer Volksabstimmung. Der Vorsteher des zuständigen Bau- und Verkehrsdepartementes, Hans-Peter Wessels (SP), ist dennoch optimistisch, dass der Turm realisiert wird.

Herr Wessels, das Referendum gegen den Claraturm ist sehr schnell zustande gekommen. Wie erklären Sie sich diese heftige Opposition gegen das Bauprojekt?Wenn ein Wirt sich gegen das Projekt engagiert und dabei vom Mieterverband unterstützt wird, der einen grossen Versand macht, liegt es auf der Hand, dass das Referendum schnell zustande kommt. Wir haben in Basel-Stadt ja auch eine niedrige Schwelle für ein Referendum, wozu bloss 2000 Unterschriften nötig sind. Aber ich begrüsse es, dass es nun eine Volksabstimmung gibt, denn damit wird die Sache endgültig entschieden.

Für bestimmte Kreise geht mit dem Hochhausprojekt ein Stück Kleinbasel verloren. Verstehen Sie diese Angst?Ja sicher. Ich kann gut nachvollziehen, dass man an diesen alten Häusern und den dort einquartierten ­Lokalen hängt. Und es ist gewiss schade, dass das verloren geht. Doch man muss auch sehen, dass diese Häuser in keinem guten Zustand und teilweise sogar baufällig sind. Die Erhaltenswürdigkeit dieser Bauten ist sogar vom Bundesgericht verneint worden. Deshalb drängt sich hier ein Neubau auf, auch wenn ich die wehmütigen Gefühle Einzelner verstehe. Was mich freut, ist, dass die Initianten des Projekts im Parterre öffentliche Nutzungen vorsehen. Es wird dort also neue Restaurants geben, die im Quartier hoffentlich ebenfalls Anklang finden werden wie die bisherigen.

Der Messeturm und der Erweiterungsbau von Herzog & de Meuron prägen bereits das Quartier sehr stark. Ist der Claraturm die logische Weiterentwicklung dieses Geviertes?Man muss schon sehen: Die Häuser sind vollständig im Besitz der Bauherrschaft. Falls der Turm abgelehnt würde, wird dort einfach ein anderes Neubauprojekt realisiert, das im bereits gültigen Zonenplan Platz hat. Die betroffenen Häuser verschwinden also sowieso über kurz oder lang. Wenn jetzt also ein Neubau kommt, sollte es einer sein, der den Anliegen der Stadt möglichst gut dient. Meiner Meinung nach passt ein weiterer Turm sehr gut in die derzeitige bauliche Entwicklung rund um den Messeplatz. Im Vordergrund steht die Schaffung von neuem Wohnraum, der in Basel sehr gefragt ist. In den bestehenden Häusern befinden sind rund 30 Wohnungen, jetzt sollen 170 neue Wohnungen entstehen, also 140 mehr als heute. Für viele Leute, die in Basel eine Wohnung suchen, ist das ein Segen.

Und trotzdem stellt sich der Mieterverband gegen das Projekt?Mir fehlt jegliches Verständnis dafür, dass sich der Mieterverband gegen neue Wohnungen wehrt, obwohl die Nachfrage sehr gross ist. Die Interessen der Mieterinnen und Mieter scheinen dem Mieterverband in diesem Fall egal zu sein.

Braucht es mit den neuen Wohnungen auch neue Parkplätze?Der Standort ist bestens mit ÖV erschlossen, weshalb der Bauherr keinen einzigen zusätzlichen Parkplatz baut. Aus diesem Grund ist auch der VCS mit diesem Projekt zufrieden, das ökologisch absolut vorbildlich ist. Etwas anderes möchte ich auch noch klarstellen: Die in der Grossratsdebatte aufgestellte Behauptung, wonach die Claramatte durch den Turm beschattet würde, ist schlicht Unsinn. Es gibt keine einzige Minute zusätzlichen Schatten durch den Claraturm. Die bereits bestehenden Häuser an der Hammerstrasse beschatten die Claramatte viel stärker und das auch nur frühmorgens bei tiefem Sonnenstand.

Wie soll sich denn dieses Quartier in Ihren Augen entwickeln?Man muss rund 20 Jahre in die Vergangenheit zurück blicken. Damals wurde intensiv über die Zukunft der Messe nachgedacht und auch darüber, ob sie sich in der Stadt weiter entwickeln, oder ob sie in Richtung Flughafen ziehen soll. Der Entscheid ist klar für die Messe in der Stadt ausgefallen und er wird auch heute von breiten Kreisen getragen. Das bedeutet aber auch, dass sich die Messe am jetzigen Standort tatsächlich weiter entwickeln können muss. Mit dem neuen Messezentrum ist hier ein wichtiger Meilenstein gesetzt worden und diese Entwicklung wird weiter gehen, etwa mit einem Ersatz des bestehenden Parkhauses.

Die Messe ist sicherlich die Quelle der Dynamik im Quartier. Doch sollen hier nicht nur Messehallen und eine Infrastruktur für Aussteller und Besucher entstehen, sondern die Bevölkerung, die im Quartier lebt, soll ebenfalls von der Entwicklung profitieren. Das Kleinbasel ist allen ­Unkenrufen zum Trotz eine beliebte Wohngegend und ich begrüsse es deshalb sehr, dass dort nun zusätzlicher Wohnraum geschaffen wird. Die neuen Wohnungen kommen dem Quartier zugute und erleichtern die Wohnungssuche.

Ist denn ein Turm die einzige Lösung?Wir haben gerade im Kleinbasel wirklich keinen Überschuss an Grün. Deshalb ist es wichtig, dass die Grünflächen geschützt werden, auch wenn neuer Wohnraum entsteht. Mit dem Claraturm werden 140 zusätzliche Wohnungen geschaffen, ohne dass ein einziger Quadratmeter Grünfläche verloren geht. Unter diesem Aspekt ist der Claraturm ein Projekt, das die Interessen des Kleinbasel perfekt aufnimmt.

Gleichzeitig wird nun auch der Landhof aufgewertet. Spielt das auch eine Rolle?Das darf man durchaus in einem Kontext sehen. Der Landhof als grosse Grünfläche befindet sich kaum 300 Meter vom Claraturm entfernt. Viele Leute kennen das Areal nicht. Mit der geplanten Umgestaltung wird der Landhof aus seinem Dornröschenschlaf erweckt und stärker für die Quartierbevölkerung geöffnet. Auch die Bewohner des Claraturms können von diesem neuen Grünpark profitieren.

Das Referendum ist jetzt zustande gekommen. Wie geht es mit dem Claraturm weiter?Die Staatskanzlei prüft jetzt die Unterschriften, doch darf man davon ausgehen, dass die notwendige Zahl der Unterschriften zustande gekommen ist. Dann werden wir in der ­Regierung die Abstimmung ansetzen, die möglichst rasch stattfinden soll. Ich persönlich bin sehr zuversichtlich. Im Grossen Rat ist das Projekt von fast allen Fraktionen mitgetragen worden. Schon bei der Planauflage hätte es die Möglichkeit gegeben, Einsprache zu erheben, doch es ist zu keiner einzigen gekommen. Das ist bei einem solch grossen Projekt bemerkenswert und deshalb bin ich auch guter Hoffnung, dass wir die Abstimmung gewinnen werden.

Basler Zeitung

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