Der BVB-Affront gegen das lokale Gewerbe

Obwohl der Einkaufstourismus dem Basler Gewerbe schadet, wollen die BVB weiter mit Extratrams fahren. Gewerbevertreter fordern, dass Weil am Rhein einen Beitrag an die 8er-Tramlinie bezahlt.

Dicht gedrängt. Rund 25?000 Besucher sind am vergangenen Samstag ins Rheincenter in Weil gepilgert.

Dicht gedrängt. Rund 25?000 Besucher sind am vergangenen Samstag ins Rheincenter in Weil gepilgert.

(Bild: Kostas Maros)

Die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) haben am vergangenen Samstag den 8er-Kurs nach Weil am Rhein kurzfristig verdoppelt. Anstatt im 15-Minuten-Takt wurde wegen des erwarteten hohen Aufkommens von Einkaufstouristen der Takt auf sieben Minuten verdichtet. «Die Massnahme am Samstagnachmittag hat sich bewährt. Die Trams waren gut gefüllt, aber nicht überfüllt, sodass wir keine Fahrgäste stehen lassen mussten», sagt BVB-Mediensprecherin Dagmar Jenny.

Roland Vögtli, FDP-Grossrat und Inhaber von Vögtli-Mode an der Greifengasse, kritisiert die Takterhöhung. «Die Geschäfte und Beizen in der Stadt waren am Samstagnachmittag leer. Was die BVB mit der Takterhöhung machen, ist ein Affront gegenüber den Basler Geschäften und KMU.» Es sei sicher nicht Aufgabe der BVB, den Einkaufstourismus über die Grenze mit zusätzlichen Fahrten zu fördern: «Diese Aktion richtet sich gegen die Basler Steuerzahler und das hier angestellte Personal. Das ist frustrierend.»

Importartikel werden billiger

Der Direktor des Gewerbeverbandes Basel-Stadt erwartet, dass diese Takterhöhung eine temporäre Massnahme sei. Gabriel Barell: «Wenn die BVB das Weiler Gewerbe dauerhaft mit Sonderanstrengungen unterstützen, dann stellt sich die Frage, ob die deutsche Seite nicht auch mehr an die Betriebskosten der Linie 8 zahlen müsste.»

Für die Basler Unternehmen, die hier Arbeits- und Ausbildungsplätze für die Bevölkerung anbieten sowie zu den Steuereinnahmen und den Sozialabgaben beitragen, sei die Situation schwierig. «Sie haben die Solidarität der Konsumentinnen und Konsumenten verdient. Wir werden sehen, wie sich die Situation entwickelt», sagt Barell. Denn ennet der Grenze einzukaufen, spare derzeit vielleicht etwas Geld, koste dafür aber umso mehr Nerven. Zudem seien Importartikel ja auch in der Schweiz billiger geworden.

Das bestätigt der Grossverteiler Coop auf Anfrage. So seien 200 importierte Früchte und Gemüse heute Dienstag beispielsweise bis zu 20 Prozent günstiger. «Sobald die Euro-Vorteile in der Beschaffung wirksam werden, geben wir alle Vorteile an unsere Kunden eins zu eins weiter», sagt Mediensprecher Urs Meier. Zur Takterhöhung und möglichen Einbussen für Coop äussert sich Meier nicht. Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank, die Franken-Euro-Bindung aufzuheben, sei aber auch für den Detailhandel schwierig. «Die Aufwertung des Frankens könnte eine Zunahme der Auslandeinkäufe bewirken», sagt Meier. Noch sei es aber verfrüht, Aussagen zu den Auswirkungen zu machen.

Keine unmittelbare Bedrohung für seine Branche wegen der Takterhöhung nach Weil am Rhein vom letzten Samstag sieht Rolf Jeker vom Bäcker-Confiseurmeister-Verband Regio Basel. «Ob die BVB damit den Einkaufstourismus begünstigen, diese Frage ist mit dem Entscheid, die 8er-Linie zu führen, hinfällig geworden», sagt Jeker. Da die Bäcker-Konditoren-Confiseure vom Verkauf frischer Ware lebten, würden sie den Einkaufstourismus nicht sonderlich spüren, sagte Jeker.

BVB haben Transportauftrag

SP-Grossrat Jörg Vitelli, der im Gundeli mit Velos und Zubehör handelt, sagt, dass er den Einkaufstourismus in Weil am Rhein bei den Umsätzen noch nicht bemerke. «Aber wir müssen vor allem beim Grosshandel Preiskorrekturen nach unten vornehmen.» Einen Preiskampf habe es aber in den letzten Jahren bei Produkten für das Velo immer schon gegeben. Ausser bei den Reparaturen: «Da ist der Kunde auf uns angewiesen. Ich habe nicht erlebt, dass die Kunden dafür über die Grenze gehen», sagt Vitelli. Zur Takterhöhung äussert er sich dahingehend, dass die BVB einen Transportauftrag zu erfüllen hätten. BVB-Mediensprecherin Dagmar Jenny bestätigt: «Wir haben unseren Transportauftrag auch in Ausnahme­situationen gegenüber dem Kanton und den Fahrgästen sowie dem Bundesamt für Verkehr zu erfüllen.» Der Auftrag laute, unabhängig von den Gründen für einen Grossandrang, einen stabilen Fahrplan zu gewährleisten. Daher planen die BVB auch nächsten Samstag den Takt zu verdichten, um ein mög­liches erhöhtes Aufkommen an Einkaufstouristen befördern zu können.

Basler Zeitung

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