Das Gewerbe gehört in die Stadt

Vertreter des Basler Gewerbeverbandes erachten es als absolut unverständlich, «mit welcher Nonchalance die Regierung die Abwanderung diverser Unternehmen zur Kenntnis nimmt».

Weil das Bau- und Verkehrsdepartement zu wenige Parkplätze zur Verfügung stellt, wandern diverse Unternehmen aus Basel ab. Foto: Nicole Pont

Weil das Bau- und Verkehrsdepartement zu wenige Parkplätze zur Verfügung stellt, wandern diverse Unternehmen aus Basel ab. Foto: Nicole Pont

In den letzten Tagen berichtete die «Basler Zeitung» von mehreren Basler Traditionsbetrieben, die namentlich aufgrund der restriktiven Verkehrspolitik ins Baselbiet wegziehen: Das Elektro­technikunternehmen Selmoni wäre gerne in Basel-Stadt geblieben, hätte für seine 122 Firmenfahrzeuge jedoch höchstens 25 Parkplätze bewilligt gekriegt. Die Moritz Hunziker AG beklagt ebenfalls die Verkehrs- und Parkplatzsituation als ausschlaggebendes Kriterium, weshalb sie nun ihren Firmensitz nach Birsfelden verlegt hat. Und auch der Spengler- und Sanitärbetrieb Walo Isler ist aus denselben Gründen auf der Suche nach einem Standort ausserhalb der Stadt.

Dass es sich hierbei keineswegs um Einzelfälle handelt, zeigt eine Fahrt durch die nähere und weitere Agglomeration: Überall stösst man auf Firmenschilder mit Stadtbasler Namen – Unternehmen, die erst in den letzten Jahren ihren Sitz ins gewerbefreundlichere Umland verlegt haben. Doch wir wollen nicht in der Vergangenheit verharren. Dass sich ein Unternehmen dort ansiedelt, wo die Rahmen­bedingungen am attraktivsten sind, ist nichts als verständlich. Absolut unverständlich ist jedoch, mit welcher Non­chalance die Basler Regierung diese Entwicklung zur Kenntnis nimmt.

Lösungen für alle Anspruchgruppen nötig

So äussern die Verantwortlichen zwar Worte des Bedauerns über den Wegzug der Firmen und die wegfallenden Steuereinnahmen. Die Hauptsache sei jedoch, dass die in Basel-Stadt ansässigen Kunden weiterhin mit den weggezogenen Firmen Geschäfte machen können. Man habe im Fall von Selmoni aus Platzgründen dem Unternehmen nicht entgegenkommen können. Schliesslich lebe man auf 37 Quadratkilometern, da sei halt «nicht alles möglich». Worte, die im Zusammenhang mit der Bedeutung von Arealen für Genossenschaftswohnungen, der Life-Sciences-Industrie oder von ökologischen Ausgleichsflächen so nie zu hören wären. Das produzierende und handwerkliche Gewerbe als Quantité négligeable.

Wir wollen keineswegs die vielfältigen und in den allermeisten Fällen absolut gerechtfertigten Nutzungsansprüche gegeneinander ausspielen. Im Gegenteil: Wie in der Verkehrspolitik gilt auch bei der Flächendiskussion, dass es Lösungen für alle Anspruchsgruppen braucht – gerade in einem kleinräumigen Kanton wie Basel-Stadt. Im vorliegenden Fall ist das Problem jedoch weniger der beschränkte Platz. Dieser wäre nämlich (auch unterirdisch) vorhanden, wenn der Wille da wäre und die Ideologie nicht im Weg stünde. Vielmehr wird offensichtlich, dass die Regierung bestimmte Gewerbezweige nicht mehr in der Stadt haben will. Sei es, weil sie verkehrsintensiver sind, weniger hohe Steuereinnahmen generieren oder Lärmemissionen verursachen.

Gewerbe wird immer weiter hinausgedrängt

Wer nun meint, das sei doch alles kein Problem – schliesslich bleiben die Unternehmen in der Nähe –, der verkennt, dass je länger, je mehr auch die umliegenden Gemeinden die Politik der Stadt übernehmen, Wirtschaftsflächen zu «höherwertigen» Misch- oder reinen Wohnzonen umzugestalten. Dies mit der Folge, dass das Gewerbe noch stärker in die «Peripherie» hinausgedrängt wird. Die Kunden bleiben jedoch in der Stadt und zahlreiche Arbeitnehmer ebenfalls. Die Folgen sind längere Wege und somit Mehrverkehr, was weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll ist. Es braucht darum auch in der Stadt Platz für handwerkliches und produzierendes Gewerbe. Das heutige «Not in my backyard»-Denken muss überwunden werden.

Hierzu muss die Politik jedoch für attraktivere Rahmenbedingungen sorgen. Sei es bei der Regulierungsdichte oder auch bezüglich der prekären Verfügbarkeit von geeigneten Wirtschaftsflächen. Besonders alarmierend ist jedoch die Verkehrs- und Parkiersituation. Um die Erreichbarkeit für alle Verkehrsträger zu verbessern, braucht es einen Wechsel in der Verkehrspolitik, so wie ihn die «Zämme besser»-Initiativen des Gewerbeverbands Basel-Stadt anstreben. Und wahrscheinlich braucht es auch einen Wechsel in den politischen Institutionen.

Deshalb setzen wir uns auch klar für die Wahl von Nadine Gautschi in den Basler Regierungsrat ein. Sie steht für eine wirtschaftsfreundliche und vernünftige Politik im Sinne der Stadt Basel – frei von blossen Ideologien.

Marcel Schweizer ist Präsident des Gewerbeverbands ­Basel-Stadt, und Marc Jaquet amtet als Präsident des ­Arbeitgeberverbands Basel.

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