Basler Politikerin wittert Identitätsklau

SP-Grossrätin Barbara Heer hat auf der Steuererklärung eine frauenfeindliche Praxis entdeckt.

Das Objekt des Anstosses: Die gemeinsame Steuererklärung trägt nur die Identifikationsnummer des Mannes.

Das Objekt des Anstosses: Die gemeinsame Steuererklärung trägt nur die Identifikationsnummer des Mannes.

(Bild: Keystone)

Nina Jecker

Die Basler Steuerbehörden rauben Frauen ihre Identität. Dies könnte man zumindest annehmen, wenn man die aktuelle Anfrage von Barbara Heer an den Basler Regierungsrat liest. Die SP-Grossrätin meint, auf der Steuererklärung eine frauenfeindliche Praxis entdeckt zu haben. Und zwar trägt die gemeinsame Steuererklärung nach der Heirat eines Paares nur die Identifikationsnummer des Mannes. Die sogenannte PersID der Frau verschwindet mit dem Jawort irgendwo in den Festplatten der Verwaltung. Zu allem vermeintlichen Übel darf der Mann auf der Steuererklärung auch noch als Erster seine Personalien angeben.

«So what?», möchte man sagen und sich anderen, relevanteren Dingen zuwenden. Schliesslich tut der Verlust der PersID weder weh, noch entstehen dadurch irgendwelche Nachteile. Den meisten Frauen dürfte der Umstand nicht einmal aufgefallen sein.

Heer sieht Handlungsbedarf

Doch der Basler Regierungsrat muss sich nun, ob er will oder nicht, damit auseinandersetzen. Denn Heer sieht Handlungsbedarf. Es handle sich um eine «Ungleichbehandlung der Geschlechter, die an eine historische Diskriminierung anknüpfe», kritisiert die Politikerin und wünscht sich eine Änderung der Praxis.

Heers Enthusiasmus in Ehren. Doch Anfragen wie diese machen die Welt für die Frauen kaum besser. Häufig haben sie sogar den gegenteiligen Effekt: Sie erwecken den Eindruck, dass die Gleichstellung in der Schweiz so perfekt ist, dass Frauen regelrecht nach Problemchen suchen müssen – und dies aus Lust am Jammern auch tun. In dieselbe Kategorie gehört unter anderem auch eine Forderung aus dem Berner Parlament nach einem arbeitsfreien Frauentag, an dem nur die Männer arbeiten müssen. Oder nach einem Ampelfrauchen an Fussgängerstreifen. Apropos: Die heissen gendergerecht Zebrastreifen – ebenfalls auf politischem Weg erstritten.

Sorry, Herr Zuber

Dabei gäbe es bei der Gleichstellung schon noch die eine oder andere Baustelle. Bei der Vereinbarkeit von Erwerbs- und Familienarbeit etwa. Oder bei den Krankenkassen, die nach wie vor nicht konsequent gleich hohe Prämien für beide Geschlechter berechnen. Aber das sind komplexe und mühsame Themen. Da ist es halt einfacher, per Petition nicht-diskriminierende ÄlplerInnenmagronen für staatliche Kantinen zu verlangen, wie dies eine Gruppe junger Frauen einmal in St. Gallen getan hat.

Lösungen für solche Mini-Probleme sind meist recht schnell gefunden. Barbara Heer liefert für ihres übrigens gleich eine mit: Anstatt die Identifikationsnummer und den Logenplatz der Personalien automatisch dem Partner (oder gleichstellungshalber: der Partnerin) mit dem Penis zuzugestehen, könne das Alphabet zur Platzverteilung hinzugezogen werden. Meinetwegen. Zumindest so lange, bis sich dann Herr Zuber und Frau Zeier beschweren.

Basler Zeitung

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