Basler Kirche muss dicht machen

Der Aderlass in Kirchen fordert weitere Opfer: Am kommenden Montag läuten die Glocken in der Don-Bosco-Kirche zum letzten Mal. Nun könnte eine Freikirche das Haus übernehmen.

Das letzte Geläute: 77 Jahre lang freuten und ärgerten sich die Anwohner über das Läuten der Glocken. Nun verstummt die «Don Bosco». Foto Nicole Pont

Das letzte Geläute: 77 Jahre lang freuten und ärgerten sich die Anwohner über das Läuten der Glocken. Nun verstummt die «Don Bosco». Foto Nicole Pont

Als die Kinder des Architekten und Erbauers der katholischen Kirche Don Bosco, Hermann Baur (1894–1980), im Jahr 1937 die Glocken der Kirche hochzogen, hätte sich niemand träumen lassen, dass 77 Jahre später Schluss sein würde. Am kommenden Montag wird das Kirchengeläut für immer verstummen. Das Gotteshaus ist auf dem Weg zur Profanierung, also zur Entweihung.

«Die Profanierung muss der Bischof bewilligen», sagt Carsten Gross, Gemeindeleiter der Heiliggeist-Pfarrei, zu der die Don-Bosco-Gemeinde nun gehört. Im November habe der Kirchenrat den Antrag eingereicht, jedoch sei die Zustimmung noch nicht gekommen. «Ich nehme an, man wartet auf eine gute Idee für eine neue Nutzung.» Er betont allerdings, dass die Pfarrei Don Bosco nicht einfach verschwindet: «Wir werden eine kleine Kapelle noch weiter nutzen. Dort finden einmal pro Monat Gottesdienste statt.»

«Eine Umnutzung der Kirche wird bei uns intern auch immer wieder diskutiert», sagt Klaus Wetzel, Präsident des Quartiervereins St. Alban–Gellert. Er ist überzeugt, dass die «Don Bosco» geopfert wurde, damit die Heiliggeistkirche überleben könne. Aus der Bevölkerung kommt relativ wenig Widerstand gegen die Profanierung. «Man sagt zwar stets, dass es schade ist. Doch etwas unternehmen will man nicht.» Es sei bedauerlich: «Wieder verschwindet eine Institution aus dem Quartier.» Allerdings hat er auch Verständnis für den Entscheid. Da die Finanzen schwinden, müsse die Kirche sparen.

Sparen ist angesagt

Wie anderenorts muss auch die Katholische Kirche Basel-Stadt mit Mitgliederschwund leben. Im vergangenen Jahr verliessen 500 den christlichen Hafen; momentan sind es noch rund 28'000 Mitglieder, im Jahr 2004 konnten 33'500 verzeichnet werden. «Neben persönlichen Gründen sind auch Wegzüge sowie Todesfälle für diesen Schwund verantwortlich», sagt Christian Griss, Präsident des Kirchenrats Basel-Stadt. Immerhin sinken die Steuereinnahmen nicht linear mit den Mitgliederzahlen. «Sie bewegen sich zwischen elf und zwölf Millionen jährlich», sagt Griss.

Dies weist darauf hin, dass sich gut Betuchte eher den «Luxus» einer Kirchenmitgliedschaft leisten. Wenn die Mitgliederzahl sinkt und die Steuereinnahmen nur geringfügig abnehmen, haben sich anscheinend mehr Gross­verdiener zu einer Mitgliedschaft ent­schlossen, während sich Klein- und Mittelverdiener verabschiedeten. Allerdings soll eine Mitgliedschaft nicht an den Finanzen scheitern, sagt Griss: «Wenn jemand in einer finanziellen Notlage ist, kann er auf Gesuch hin von den Steuern befreit werden.»

Trotzdem, der Spardruck ist da. Und für einige Leute ist es bitter, wenn die Kirchenglocken nicht mehr läuten: Ihr Vater habe ihr stets die Glocken gezeigt und gesagt, dass er sie als Elektriker zum Läuten gebracht habe, erzählt Erika Buser, eine Anwohnerin. Ein anderer Anwohner nutzte das Glockengeläute, um sich in Meditation zu versenken.

Vom Bruderholz ins Gundeli

Doch auch die deutschsprachigen Katholiken auf dem Bruderholz können kaum mehr von ihrer Bruder-Klaus-Kirche profitieren. Die meisten Gottesdienste finden auf Englisch und Spanisch statt, da die spanischsprachige Mission und die englischsprachige Gemeinde ESRCCB eingemietet sind. Anderen Kirchen droht gar das völlige Aus. Kürzlich wurde bekannt, dass die Kirche St. Christophorus in Kleinhüningen vielleicht abgerissen wird. Eine andere Option ist die Umnutzung.

Während dieser Kirche der Abriss droht, bleibt die «Don Bosco» zumindest davor verschont. Sie steht unter Denkmalschutz. Vermutlich wird sie auch eine würdige Umnutzung bekommen. Schon haben sich verschiedene Institutionen gemeldet. Neben Freikirchen und kulturellen Vereinen dürfte die Musik-Akademie die grössten Chancen haben. Der Entscheid wird nach den Sommerferien fallen. «Unser Bestreben ist, die Kirche einer gemeinnützigen, halbwegs öffentlichen Nutzung zuzuführen», sagt Griss.

Wer ein letztes Mal die Glockenklänge der Kirche Don Bosco hören will, muss sich am Montag um 19 Uhr dort einfinden.

Basler Zeitung

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