Basler Club übertrumpft Berliner Schuppen

Das «Nordstern» macht Basel laut dem Reiseportal «Skyscanner» zur drittbesten Partystadt in Europa. Wie kommt es zu diesem überraschenden Erfolg? Wir waren auf Spurensuche am Voltaplatz.

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Das hätte man nicht unbedingt erwartet: Basel ist die drittbeste Clubbing-Stadt in Europa im Bereich der elektronischen Musik. Hinter Amsterdam und Barcelona, aber unmittelbar vor Berlin, wo mit dem «Berghain» einer der bekanntesten Techno-Clubs der Welt steht. Dahinter folgen Zagreb, Budapest und Kopenhagen.

Erstellt wurde das Ranking von «Skyscanner», einem weltweit agierenden Online-Portal, auf dem Flüge, Mietwagen und Hotels verglichen werden können. Über 25 Millionen monatliche Besucher, knapp 3 Millionen Facebook-Fans und über 100'000 Twitter-Follower – eine «Skyscanner»-Empfehlung hat durchaus eine gewisse Reichweite.

Der «Nordstern» leuchtet über Basel

Aber warum gerade Basel? Im Artikel «Best places to party: top 10 clubbing cities in Europe»wird die Nähe zu den «Dance Music»-Hochburgen Frankreich und Deutschland betont. Es sei deshalb keine Überraschung, dass ein Club wie der «Nordstern» einige der besten DJ's der Welt anzieht. Pro Stadt wird im Ranking ein bekannter Club hervorgehoben.

«Der Skyscanner-Artikel ist ein Segen für Basel und den Nordstern», sagt Nordstern-Geschäftsführer und Programmleiter Agron Isaku. Als er den Club am Voltaplatz 2010 übernahm, war es sein erklärtes Ziel, Basel in die Champions League der europäischen Clubszene zu katapultieren. Das ist ihm nun offenbar gelungen. Auf den Erfolg angesprochen meint der 34-Jährige mit einem breiten Grinsen: «Der Nordstern ist halt einfach anders als die Clubs in Berlin – unser Programm ist weltweit nicht zu toppen, gemessen an der Grösse von Club und Stadt.»

Von Zürich zurück ans Rheinknie

Ganz so einfach ist die Sache natürlich nicht: Ohne Knowhow und Netzwerk geht auch in der Elektro-Szene nichts. Isaku kennt das Geschäft seit über 15 Jahren: Vor seiner Rückkehr ans Rheinknie wirkte der Schweizer mit albanischen Wurzeln zehn Jahre in Zürich. Dort lancierte er mit seinem Kumpel, dem international erfolgreichen Basler DJ Andrea Oliva, das Party-Label Banditz und führte diverse Clubs. Zudem arbeitete er für den Event-Giganten Freddy Burger Management.

Über Jahre erweiterte der Basler sein Netzwerk, traf sich am Sonar-Festival in Barcelona, in Ibiza oder in Miami mit den Köpfen der Elektro-Szene. Leute, dank deren Auftritte sich der «Nordstern» in den letzten vier Jahren zum Techno-Tempel mauserte. «Am Anfang mussten wir die grossen DJs überzeugen, ans Rheinknie zu kommen», erinnert sich der «Nordstern»-Betreiber, «heute kommen die Stars der Szene bei ihren Schweiz-Abstechern nicht nach Genf oder Zürich – sondern nach Basel».

Ende 2015 ist Schluss am Voltaplatz

Der deutsche Techno-Pionier Sven Väth lässt seine Platten ebenso am Voltaplatz rotieren wie die britische Legende Carl Cox oder die in Berlin sesshaft gewordenen DJ-Ikonen Richie Hawtin und Ricardo Villalobos. «Die heutigen DJs sind Popstars», findet der Programmverantwortliche. Naturgemäss liegt ihm die Musik-Selektion in seinem Club besonders am Herzen, schliesslich ist sie der Schlüssel zum internationalen Erfolg. Dem sollen auch die Nordstern-Besucher Rechnung tragen: «Wer unseren Türstehern nicht sagen kann, welcher DJ hinter den Plattenspielern steht, kommt nicht in den Club».

Etwas getrübt wird die Freude über das «Skyscanner»-Lob durch die ungewisse Zukunft des Clubs: Ende 2015 muss der «Nordstern» dicht machen. Die IWB als Vermieter haben den Mietvertrag nicht verlängert. «Schade, dass diese Ära in eineinhalb Jahren zu Ende ist», findet Isaku während er schräg gegenüber dem Club auf dem Boulevard vor seinem Bistro Conto sitzt. Er hat das stylische Lokal vor einem Jahr in den ehemaligen Räumen der Kantonalbank eröffnet. Das Conto floriert und ist vor allem bei den Expats der nahegelegenen Novartis beliebt. Isaku wird also auch nach dem Erblassen des Nordsterns am Voltaplatz im St. Johann-Quartier verankert bleiben. Wo «Skyscanner» dann seine Nutzer zum Tanz in Basel hinlotsen kann, wird sich zeigen.

baz.ch/Newsnet

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