Basel wird zum belebten Friedhof

Mit Einbruch der Dunkelheit wird es still in Basel. «Kein nächtliches Leben», lamentiert BaZ-Nachtschwärmer Michael Bahnerth und nimmt das «Totengräber-Duo Brutschhofer» ins Visier. Eine Stadtnotiz.

Verlassene Strasse, leere Stühle: So sieht keine belebte Stadt aus.

Verlassene Strasse, leere Stühle: So sieht keine belebte Stadt aus.

(Bild: Covino Pino)

Oft beschleicht mich das Gefühl, dass es in dieser Stadt zu viele von Unzufriedenheit durchdrungene Menschen gibt, die Leben nur mögen, wenn es sich verhält wie tot. Ich rede von Leben, das die Möglichkeit hat zu brennen drinnen in der Stadt, und zwar wann es will und nicht nur, wenn es ihm erlaubt ist. Ich rede von städtischen Strukturen, die Leben ermöglichen und nicht bürokratisieren, die es giessen und es nicht behandeln wie Unkraut.

Warum ist das so? Warum werden in Basel all die, die Leben verhindern, indem sie klagen, beklagen, übelnehmen und neiden nur schon wenn Leben in ihrer Nähe ein bisschen seufzt, über jene gestellt, die Leben schaffen wollen? Warum gibt es in dieser Stadt immer mehr Verbote und nicht weniger? Wer teilt die Stadt derart in absurde und lebensfeindliche Lärmzonen auf, dass nur die Industrie wirklich Lärm machen darf?

Brutschins Sinn für Lärm

Man hört, selbstverständlich nicht laut: AUE, Brutschin und Hofer. AUE, das ist das Amt für Umwelt und Energie und zuständig für Lärmemissionen, Dr. Jürg Hofer sein Vorsteher und Christoph Brutschin ist der Chef von Hofer. Brutschin sagte in der «Tageswoche», die Waldenburgerstrasse, in der er lebe, sei laut. Herr Brutschin, bitte. Aber wenn einer natürlich dieses Strässchen für laut hält und gleichzeitig auch Lärmdirektor ist, erklärt das ein wenig, warum die ganze Stadt so still sein soll, dass man nach 22 Uhr auf dem Claraplatz hört, wenn auf der Wettsteinbrücke ein Handy klingelt.

Dr. Hofer ist Brutschins Feldherr im Krieg gegen den Lebenslärm Basels, einem Krieg voller Irrsinn und Absurdität. Hofer, mit der Attitüde vorauseilenden Gehorsams, gepaart mit extremistischem Eifer, kämpft den Lärmkampf so, dass er wahrscheinlich sogar das Trommeln an der Fasnacht nach 22 Uhr verbieten würde, wenn es a) ein Gesetz dafür gäbe und b) sowieso, wenn Brutschin es sagen würde.

Bundesrecht definiert keine Lärmwerte

Ein Beispiel, Rheingasse: Linke Seite von der Greifengasse her, Lärmzone 3, ein bisschen Lärm also. Die andere Strassenseite ist aber Zone 2, wenig Lärm, und auf die muss Zone 3 Rücksicht nehmen, also doch kein Lärm. In Zone 2 aber haben einige Lokale (Hotel Kraft, Schmaler Wurf etwa) Sonder­bewilligungen für längeren Lärm draussen, das heisst, Zone 2 macht mehr Lärm als Zone 3. Das bei Sozis beliebte «Consum» wiederum (linke Seite) darf mit einer Sondersonder-Bewilligung nicht wie alle andern dort bis 22 Uhr leben, sondern bis 23 Uhr. Nun werden «Brutschhofer» (wie immer eigentlich) sagen, wir können nicht anders, Bundesrecht, wir sind unschuldig, aber das ist Unfug. Das Bundesrecht definiert keine Lärmwerte. Diese Definition liegt bei den kantonalen Behörden und da gibt es Ermessensspielraum, der vom jetzigen Totengräber-Duo auch in Richtung Leben ausgelegt werden könnte. Auf den Friedhof kommen wir alle noch früh genug.

baz.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt