Basel erscheint in neuem Licht

Das Projekt «B-leuchtet» entfaltet in der Stadt langsam seine Wirkung – und reduziert Lichtemissionen.

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Martin Regenass

Die Attraktivität der nächtlichen Innenstadt soll durch eine akzentuierte, aber möglichst blendfreie und räumliche Lichtführung gesteigert werden. Für dieses Projekt sprach der ­Grosse Rat 2005 acht Millionen Franken. In der Zwischenzeit sind sieben ­Schwerpunkte neu beleuchtet. Fünf weitere sollen in den nächsten Jahren hinzukommen.

Es ist Montag, um 22 Uhr, als sich ein paar Journalisten mit den Projekt­verantwortlichen der Industriellen Werke Basel (IWB) von «B-leuchtet» vor dem Gymnasium Leonhard am Kohlenberg auf einen Nachtspaziergang begeben. Langsam hüllen vier sogenannte Gobostrahler die Frontfassade des 1813 als «Töchterschule» gegründeten Bildungsinstituts in ein dezentes, kühles Licht. Die Ecken und Kanten sind ­genau abgegrenzt. Über das Dach entweicht kein Lichtstrahl in den Nachthimmel und auch die Nachbarschaft wird nicht mit Lichtbelästigt. In einem Schulzimmer im zweiten Stock ist es dunkel. Kein Strahl dringt hinein. ­Öffnet man jedoch das Fenster und hält den Kopf hinaus, werden die Augen ­geblendet. «Auf die Strahler legt man eine Art Schablone mit Aussparungen bei den Fenstern», erklärt Werner Rupflin, Projektingenieur der IWB. Kosten­punkt dafür: rund 20'000 Franken.

Am Theaterplatz kommen andere Technologien zum Zug. Sparsame LED-Leuchten zum Beispiel. Auf den Lichtmasten befinden sich Flutlichter mit «Theater-Shootern», eine Art Scheuklappe, um den Lichtkegel zu regeln. ­Damit lässt sich die Treppe beleuchten oder die eiserne Serra-Plastik. Der Theaterplatz präsentiert sich seit einem Jahr in neuem Licht. «Mit dem neuen Konzept entsteht eine homogene Grundbeleuchtung ohne dunkle Ecken», sagt Martina Münch, Leiterin der Abteilung Gestaltung Stadtraum und Verkehr.

Lichtverschmutzung eindämmen

Einfach zu realisieren sei das Ganze nicht gewesen. Ein Anwohner bekämpfte das Vorhaben beim Theaterplatz mit Einsprachen. «Wichtig ist es, dann klar aufzuzeigen, was wir vorhaben und wie die Lichtwirkung ist», sagt Münch. In die Projektkerngruppe eingebunden war auch René L. Kobler, Umweltingenieur an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er beschäftigt sich seit zehn Jahren mit der Vermeidung unnötiger Lichtemissionen. Das Anliegen ­dabei ist, dass möglichst wenig Kunstlicht in die Umwelt gelangt: Die Objekte sollen also punktgenau und sorgfältig angeleuchtet werden. Einerseits aus ökologischen Gründen. «Die Lichtverschmutzung stört das Nachtökosystem. Zudem belegen medizinische Studien, dass sich Lichtauch negativ auf das Schlafverhalten von Menschen auswirken kann», sagt Kobler. Er vergleicht Lichtmit Benzin: «Beim Füllen des Tanks schüttet man auch nicht die Hälfte daneben.»

Mit den neuen Technologien, die zum Einsatz kommen, soll auch Strom gespart werden. Oder der Gesamtverbrauch der öffentlichen Beleuchtungen soll zumindest nicht das hohe Niveau vor dem Jahr 2000 erreichen. «Mit den neuen Leuchtmitteln sind wir darunter, Tendenz sinkend, trotz dem Einsatz von zusätzlichen Leuchten», sagt Gregor Leonhard, Leiter Engineering der IWB.

Über den neu ausgeleuchteten Barfüsser­platz führt der Spaziergang zum Spalenberg. Hier kommt zum Vorschein, was die Projektverant­wortlichen räumliche Lichtführung nennen. Blickt man vom Platz beim Hotel Basel den Spalenberg hinauf, erscheint dreidimensional die Häuserkulisse beiderseits in einem angenehmen Licht. Eine Hausfassade schliesst die Szenerie weiter oben ab. Der Richtungswechsel zum Gemsberg wird damit offengelegt. ­Erreicht wird das mit denkmalschutzkonformen LED-Leuchten, versteckt hinter Blenden unter den Hausdächern. Das Hotel Basel im Gegensatz ist von unten her mit konventionellen Scheinwerfern ausgeleuchtet. Der Unterschied ist markant.

Tourismusdirektor zufrieden

Vier Masten, bestückt mit sogenannten Metalldampf-Halogen-Leuchten, sorgen auch auf dem Marktplatz für Raumgefühl. «Früher waren hier vier Lichtkleckse auf dem Boden. Von Dreidimensionalität war nachts nicht viel zu spüren», sagt Münch. Ausgespart ist die Confiserie Schiesser, weil dort Leute wohnen, die sich wehrten.

Erneuert wurden seit 2005 die Beleuchtungen der Schifflände, der Mittleren Brücke, kürzlich der Greifengasse, der Wettsteinbrücke, des Münsters und des Kunstmuseums. Bis 2014 in Angriff genommen werden die Elisabethenstrasse, der Claraplatz und die beiden Rhein­ufer sowie Teile der Innenstadt.

Basels Tourismusdirektor Daniel Egloff begrüsst das Projekt: «Gut sichtbare Wahrzeichen steigern die Attrak­tivität der Stadt. Das kommt bei den Touristen gut an.» In den Monaten Juli und August gehen alle Lichterum 0.30 Uhr aus. Ansonsten um 23 Uhr. Das spart Strom.

Basler Zeitung

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