Baschi Dürr greift durch, ohne aufzuräumen

Gerhard Lips ist nur ein Bauernopfer des Sicherheitsdirektor Dürr. Die wirklichen Übeltäter sitzen noch immer im Departement.

König opfert Bauer. Regierungsrat Baschi Dürr (M.) stellt Polizeikommandant Gerhard Lips (r.) auf die Strasse. Martin Roth (l.) übernimmt.

König opfert Bauer. Regierungsrat Baschi Dürr (M.) stellt Polizeikommandant Gerhard Lips (r.) auf die Strasse. Martin Roth (l.) übernimmt.

Baschi Dürr hat mit der Entlassung seines Polizeikommandanten Gerhard Lips Härte gezeigt. Der freisinnige Polizeivorsteher stellt den 57-jährigen Oberst auf die Strasse. PR-Profi Dürr gibt sich damit wieder Profil und versucht, seine Position in der Regierung zu stärken. Gerhard Lips’ Karriere hingegen ist vorbei: In diesem Alter findet er wohl keine Arbeit mehr – mit seinem Leistungsausweis sowieso nicht.

Das weiss auch Lips, der gestern an der eilig einberufenen Medienkonferenz resigniert und fast schon apathisch die in solchen Fällen üblichen, nichtssagenden Floskeln absonderte. Neben ihm sass Baschi Dürr. Er griff mit dem Personalentscheid zwar durch, aber ohne im Korps aufzuräumen. Der Eindruck bleibt: Lips ist ein Stück weit Bauernopfer.

Die Liste der Fehlleistungen und Skandale in den acht Jahren unter Lips scheint in der Tat schier endlos: Pappteller-Affäre, Skandale um Spesen, Dienstwagen, Blaulicht, sexuelle Übergriffe, Feste für die Kader. Die Basler Polizei lieferte viel Stoff für Spott und Hohn. Wäre Lips ein Basler, er wäre vielleicht ein guter Schnitzelbangg und nicht bloss ein am Ende seiner Karriere gescheiterter Kommandant.

Ohne jeden Zweifel: Wenn gefühlt jeden Tag negativ über die Polizei berichtet wird, weil sich ein paar Untergebene ungebührlich verhalten, dann muss man sich fragen: Hat die Führung den Laden noch im Griff? Regierungsrat Dürr hat die Bürde oder das Glück, dass er im Herbst 2016 – mangels Alternativen – knapp wiedergewählt wurde, um endlich aufzuräumen.

Der Polizeivorsteher handelt nun: Der Kommandant trägt die Verantwortung, muss gehen und die Stelle wird neu ausgeschrieben. Ohne Zweifel reagierte Dürr spät, sehr spät, aber immerhin.

Meyer und seine Privilegien

Doch beim Freisinnigen ist offenbar immer der Wurm drin, oder der Meyer dazwischen. Rolf Meyer, die ewige Nummer zwei, erster Stellvertreter und prädestinierter Kommandant ad interim. Das war er schon, als Lips’ Vorgänger gehen musste, aber nun hat ihn Dürr übergangen. Statt Meyer wird der zweite Stellvertreter Martin Roth die Polizei führen, bis ein geeigneter Kommandant gefunden wird. Dürr konnte gestern nicht plausibel erklären, weshalb er Roth Meyer vorzieht.

Die Erklärung liegt indes auf der Hand: Meyer ist zwar eine Hypothek, aber mächtiger als Lips. Der Vizekommandant legte die Dienstwagen-Privilegien extrem weit aus. Er gönnte sich beispielsweise einen Bring- und Hol­service vom Flughafen oder zu sich nach Hause in Gipf-Oberfrick. Rolf Meyer, er ist bei einigen Offizieren beliebt, weil er sie befördert hat und die Privilegienkultur vorlebt.

Polizisten an der Front, aber auch einigen Offizieren ist Meyers Führungsstil hingegen ein Dorn im Auge. Man habe schon bei Lips und bei Dürr reklamiert – offenbar auch mehrere Offiziere im Sommer 2016 – geschehen sei nichts, heisst es.

Der einfachste Weg

Lips lies seine Kader gewähren, ging Konflikten aus dem Weg und muss nun selber seinen Platz räumen. Er sagte gestern, man sei sich in der Polizeiführung einig, dass Werte wie etwa die Vorbildfunktion wichtig seien, doch beim Umsetzen habe es Differenzen gegeben. Das heisst: Lips hatte mit einem Grossteil der Offiziere unterschiedliche Ansichten, welches Verhalten im Alltag anständig ist und welches nicht.

Erste Reaktionen von einzelnen, einfachen Polizisten zeigen: Für sie ist Lips nicht einfach nur ein Bauernopfer. Die Entlassung sei in Ordnung, doch Dürr und Meyer hätten auch gehen sollen, heisst es. Nun übernimmt vorerst Martin Roth das Kommando und Baschi Dürr erwartet von ihm mehr Ruhe im Korps.

Lange hat der Polizeivorsteher dem Treiben zugeschaut, bis es einfach nicht mehr so weiterging: Die Entlassung Lips’ ist der einfachste und doch überfällige Schritt hin zu einer skandalfreieren Basler Polizei. Dass dort weiterhin Offiziere an den Schalthebeln der Macht sitzen, die bisher ihrer Selbstbedienungsmentalität frönten, gibt Grund zur Skepsis. Dennoch muss man festhalten: Baschi Dürr brachte gestern Bewegung in die Basler Polizei. Rolf Meyer und seine Kollegen werden hoffentlich Dürrs Wink mit den Zaunpfahl verstanden haben.

Basler Zeitung

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