«Ausgrenzung schadet der Gesellschaft»

Der 1. Mai in Basel stand im Zeichen des starken Frankens. Im Land mit den glücklichsten Menschen der Welt sei soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung unwürdig.

Trotz schlechtem Wetter war die gestrige 1.-Mai-Kundgebung mit 1300 Teilnehmern gut besucht.

Trotz schlechtem Wetter war die gestrige 1.-Mai-Kundgebung mit 1300 Teilnehmern gut besucht.

(Bild: Pino Covino)

«Sali, gehst du demonstrieren?», fragte eine Frau einen offensichtlich guten Bekannten am Claraplatz. «Ja, ich setze mich ein für die Arbeiter», gab er zur Antwort. «Das ist gut, es sind ja viele Leute arbeitslos», meinte die Frau noch, bevor sie in Richtung Messeplatz blickte, wo der 1.-Mai-Demonstrationszug bereits im Anmarsch war. Gemächlichen Schrittes zogen die Demonstrantinnen und Demonstranten durch die Clarastrasse, begleitet von Böllerschüssen, Leuchtraketen und Musik.

Linke Spitzenpolitiker und Gewerkschafter, darunter Brigitte Hollinger, Präsidentin der SP Basel-Stadt, SP-Nationalrätin Silvia Schenker, SP-Grossrätin Toya Krummenacher und ihr Amtskollege Mustafa Atici sowie BastA!-Co-Präsidentin Tonja Zürcher führten den Demonstrationszug an und trugen ein Transparent mit der Aufschrift «Solidarität statt Ausgrenzung». Etwas weiter hinten marschierte auch SP-Nationalrat Beat Jans mit.

Man hörte den Gesang der «Internationalen», begleitet von Akkordeonklängen und einer Trommel. «Lass das Glotzen sein, reih dich in die Demo ein!», wurde weiter hinten lautstark skandiert. Die Jungsozialisten (Juso) schwenkten ihre Rosenfahnen; «jung und gehaltbereit» haben sie auf ihr Transparent geschrieben. «Diese Herren gefährden unsere Jobs», stand auf einem Transparent mit den Köpfen des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank. Und die Gewerkschaft VPOD wehrte sich mit dem Leitsatz «Wir stopfen euer 70-Millionen-Loch nicht» gegen das Sparprogramm der Basler Regierung.

Parolen gegen die Manor-Bosse

Vor der Manor an der Greifengasse lösten sich plötzlich vermummte und maskierte Gestalten aus dem Manifestationszug, stiegen aufs Vordach und entrollten ein Transparent mit dem Slogan «Keine Entlassungen! Solidarität mit der Manor-Belegschaft». Die Chaoten verschmierten danach die Schaufenster der Manor und überklebten sie mit Parolen gegen die Manor-Chefs.

Im strömenden Regen zogen die rund 1300 Demonstranten zum Marktplatz, wo Toya Krummenacher, Präsidentin des Basler Gewerkschaftsbundes, die «gewinnmaximierenden, kriminellen Unternehmer» an den Pranger stellte. Die politische Rechte schüre Ängste, demontierte die Solidarität und proklamiere die Ausgrenzung, unterstrich Krummenacher.

Umverteilung dringend nötig

Vania Alleva, Vizepräsidentin des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) und Unia-Co-Präsidentin, übte harsche Kritik am Entscheid der Schweizerischen Nationalbank, den Mindestkurs aufzuheben. Damit habe die SNB «die Jagd der Devisenspekulanten» wieder eröffnet. Alleva nannte einige Beispiele von Firmen, die kürzlich die Arbeitszeit erhöht, die Löhne gesenkt oder Mitarbeiter entlassen haben. «Nein, wir wollen euren totalen Markt nicht», rief sie auf den Marktplatz hinaus. Der krasse Fehlentscheid der Nationalbank müsse schleunigst rückgängig gemacht werden, sonst würden noch viel mehr Leute arbeitslos, betonte Alleva und forderte die Einführung einer Kapitaltransaktionssteuer. Eine Umverteilung sei dringend nötig, denn in der Schweiz kämen zwei Prozent Superreiche auf gleich viel Vermögen wie der Rest der Bevölkerung.

Mustafa Atici, SP-Grossrat und Nationalratskandidat, kritisierte, dass ausländische Arbeitskräfte immer noch ausgegrenzt würden. Dies sei einer Nation, wo gemäss einer aktuellen Umfrage die glücklichsten Menschen der Welt leben, unwürdig. «Ausgrenzung und mangelnde Solidarität verletzen nicht nur die Würde der Betroffenen, sondern schaden der ganzen Gesellschaft», sagte der Politiker mit türkischen Wurzeln. Klar und deutlich sprach sich Atici gegen die Wiedereinführung des Saisonnierstatuts aus. Er werde auch nicht dulden, dass Gesamtarbeitsverträge infrage gestellt würden.

Basler Zeitung

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