Aufkleber drohen Juden und Christen mit Hölle

In der Stadt verteilte Aufkleber preisen den Koran und drohen Juden und Christen mit der Hölle. Für die Aufkleber will niemand verantwortlich sein.

Diffamiert Andersgläubige: Als «Bewohner des Höllenfeuers» bezeichnet dieser Aufkleber all jene, die nicht zum Islam konvertieren wollen.

Diffamiert Andersgläubige: Als «Bewohner des Höllenfeuers» bezeichnet dieser Aufkleber all jene, die nicht zum Islam konvertieren wollen.

In der Stadt verteilt finden sich grosse Aufkleber, die den Koran preisen und gleichzeitig die übrigen Religionen herabsetzen. «Lies!», fordern die Aufkleber in dicken, gelben Buchstaben. Sie werben für den ins Deutsche übersetzten Koran und prangen derzeit vielerorts in der Stadt. Unter anderem auch beim weissen Zelt des Islamischen Zentralrats Schweiz (IZRS) am Claraplatz.

Da steht unverblümt: «Der Koran abrogiert (ersetzt) alle vorherigen Offenbarungen wie z.B. Thora und Evangelium.» Wer also die Bibel, anstelle des Korans, in Händen hält, liest im falschen Buch. Doch nicht nur die Lektüre wird kritisiert. Nur, wer den Islam als «wahre Religion» annimmt, kann mit «Rettung vor der ewigen Bestrafung in der Hölle» rechnen. Alle übrigen gehören zu den «Bewohnern des Höllenfeuers». Die Aufkleber sind nicht nur Werbung für den Koran, sondern auch eine Diffamation übriger Religionen. Ist das okay?

Abgrenzung und Herabsetzung

Ist es, wie aus islamischen Reihen kundgetan wurde, Inhalt der Religionsfreiheit, dass man öffentlich eine andere Religion diskreditieren darf? Weder Lilo Roost Vischer, von der Regierung mit der Koordination von Religionsfragen betraut, noch islamische Fachstellen wie IZRS und Basler Muslim Kommission, sehen sich in der Verantwortung.

«Die Staatsanwaltschaft entscheidet, ob eine Aussage oder Handlung im strafrechtlich relevanten Sinne diskriminierend ist», antwortet Lilo Roost Vischer. Aufklärung und Diskussion um die polemischen Aufkleber empfindet die Religionsbeauftragte aber als «ärgerlich und für das Zusammenleben belastend». Lieber vertagt sie den Diskurs in die ferne Zukunft. Denn die Aufkleber stammen nicht direkt aus Basel, sagt sie, sondern «aus dem Umfeld des Salafisten Ibrahim Abu Nagie», also aus Deutschland. Hier bei uns kleben sie für alle sichtbar an Fassaden, Strassenlampen und Bänkli. Am Runden Tisch der Religionen beider Basel will Roost das Thema aufgreifen.

«Unglücklich und nicht zielführend»

Dass die Aufkleber ihren Weg nach Basel gefunden haben, sei wohl die «ehrlich gemeinte Aktion einzelner Muslime», sagt Qaasim Illi vom IZRS, der sich über das Engagement seiner Glaubensbrüder freut. Dennoch gibt er zu, die zitierten Stellen seien «unglücklich und nicht zielführend».

Dass eine Religion sich nicht durch die eigenen Vorteile definiert, sondern erst in der Abgrenzung und Herabsetzung Anders- oder Nicht-Gläubigen, ist ein alter Hut und dennoch traurig. Dass weder die betroffene Gemeinschaft, noch die mit Steuergeldern entlöhnte Religionsbeauftragte sich berufen fühlt, den durch die Aufkleber angestossenen Diskurs offen zu führen, ebenso.

Die UBS, deren Fassade mehrere Aufkleber zierten, liess verlauten, ihre Fassade sei keine Werbefläche, Reklamen aller Art würden sofort entfernt.

Basler Zeitung

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