Auf Youtube ein Star – in Basel ein Geheimtipp

Mit fast 1,5 Millionen Klicks hat der Basler Musiker Silvio Pfiffner alias Nyctalgia auf Youtube eine regelrechte Fangemeinschaft, doch in Basel ist er den Wenigsten ein Begriff. Seine sentimentale Musik findet vor allem in den USA Anklang.

Der Musiker Silvio Pfiffner hat viele Hörer in den USA, in Basel ist er kaum bekannt.

Der Musiker Silvio Pfiffner hat viele Hörer in den USA, in Basel ist er kaum bekannt.

(Bild: Laurids Jensen)

Es sind düstere Klänge die aus den Lautsprechern erklingen wenn man die Musik von «Nyctalgia» hört. Nyctalgia ist eine kleine Youtube-Bekanntheit aus Basel, doch hier kennt man ihn kaum. Vier seiner Videos auf dem Filmportal Youtube tauchen in der Liste des Rockfördervereins Basel (RFV) unter den 15 meistgesehenen Basler Musikvideos auf. Der Name hinter den geschätzten eineinhalb Millionen Klicks, ist Silvio Pfiffner, ein 24-jähriger angehender Sek-1-Musiklehrer mit peruanischen Wurzeln.

Die Gründe für seine fehlende Bekanntheit in Basel sind einfach: Er hat sich nie darum gerissen. Sein erstes Album, das er im Herbst 2009 veröffentlichte, stellte er im Internet auf Video- und Musikportale sowie als gratis Download zur Verfügung. Doch das Internet kennt keine geographischen Grenzen, so fand er nicht hier, sondern vor allem in Übersee seine Hörer. "Von den 150 Exemplaren des Albums wurden 136 verkauft, kein einziges davon blieb in der Schweiz". Seine Musik ist eine Mischung aus Ambient, Post-Rock und Klassik, doch diese Genres wurden ihm einfach im Netz zugeordnet, er selbst versuchte nur das auszudrücken was dazumal in ihm vorging und machte sich keine Gedanken darüber wie seine Musik eingeordnet würde.

Erst als er der «Democlinic» des RFV Basel ein Tape einreichte, wurde er auch in das «Basler Musikinventar» aufgenommen. Auftritte gibt es aber keine. Das macht es schwer, sich regional bekannt zu machen. Denn das Projekt Nyctalgia ist Live als Solokünstler schlicht nicht umzusetzen. Einzig mit einem Singer-Songwriter-Projekt ist er manchmal auf einer offenen Bühne des Jungen Theaters zu sehen. Doch Nyctalgia und das Singer-Songwriter-Projekt seien zwei komplett unterschiedliche Dinge, die er auch keinesfalls miteinander vermischen lassen will.

Überreste der Black Metal-Szene

Sein erstes Album entstammt nicht der glücklichsten Phase des jungen Musikers. Deshalb auch die tragischen und düsteren Klänge. Soeben aus die Black Metal-Szene ausgestiegen, begann er seine erste Musik zu komponieren, die dann in das Projekt Nyctalgia floss. Auch dieser Name ist noch ein „Überbleibsel“ dieser Szene.

Doch im nächsten Album, das im November dieses Jahres aufgenommen werden soll, werden meist die Klänge des jetzigen Lebensabschnittes ertönen, glücklichere Töne. Und dennoch sphärisch. Aber die Pläne sind gross: pompös, grösser, breiter, stärker und noch sphärischer soll das Album werden. Dafür sollen Chor und Orchester bei den Aufnahmen dabei sein, doch Menschen dafür zu finden sei nicht einfach, und die spärliche regionale Verankerung mit diesem Musikprojekt ist auch nicht gerade förderlich.

Dem Erfolg nicht wirklich bewusst

Was Silvio Pfiffner mit seiner Musik bisher erreicht hat ist ihm nicht richtig bewusst, obwohl es im Internet leicht ersichtlich ist. Nebst ungefähr eineinhalb Millionen Klicks auf Youtube, darunter jene Videos von anderen Nutzern weggelassen, welche die Musik bloss als Begleitung verwenden. Bei diesen werden vereinzelt ebenfalls hunderttausend Klicks gezählt. Auf dem anderen Videoportalen wie Vimeo sind auch noch mehrere Kurzfilme zu finden, welche als Filmmusik Songs des Baslers verwenden. Einen Erfolg verspricht auch ein 30-minütiger Kurzfilm eines englischen Regisseurs, der zwei Stücke des Schweizers für seinen Streifen verwenden will – der Film soll eventuell sogar am Filmfestival in Cannes gezeigt werden.

Doch die Klicks und Fremdverwendungen seiner Musik bewertet Silvio Pfiffner nicht allzu stark: «Es pusht ein wenig das Ego, mehr nicht.», sagt er mit einem Schmunzeln. Was ihm Genugtuung gibt, sind Kommentare und Nachrichten die er erhält: «In Iran we are depressed for so many reasons, many of young people listen to post rock and ambient musics and Nyctalgia is one of the most popular, one of my greatest wishes is to be in your live concert», solche Resonanzen gehen ihm nahe und lassen ihn merken, dass er mit seiner Musik Menschen berührt.

Berührend soll die Musik auch weiter bleiben, in seiner musikalischen Zukunft stehe nun erstmals die Albumaufnahme im November im Vordergrund. Später sollen noch weitere folgen, auch als Singer-Songwriter, und vielleicht auch in ferner Zukunft einmal eine Konzerttour, doch für das brauche es noch viel.

baz.ch/Newsnet

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