An der Bevölkerung vorbeigeplant

Das gescheiterte Verkehrskonzept Gundeli ist eine weitere Ohrfeige für die Regierung. Es ist nicht das erste Mal in den letzten Monaten, dass die Einwohner anderer Meinung sind als die Verkehrsplaner.

Alles beim Alten. Im Gundeli werden der Verkehr und die Fussgänger weiter wie bisher geführt.

Alles beim Alten. Im Gundeli werden der Verkehr und die Fussgänger weiter wie bisher geführt.

(Bild: Michael Koller)

Martin Regenass

«Die abgeänderte Buslinie wäre für die Kindergarten- und Schulkinder im Raum Heiliggeistkirche gefährlich gewesen. Wir sind erleichtert, dass die Regierung das neue Verkehrskonzept Gundeli nicht mehr weiterverfolgt», sagt Nathalie Sidler. Sie hat wegen der befürchteten Gefährdung zusammen mit 50 weiteren Eltern im vergangenen März einen Brief an Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP), ­Bildungsdirektor Christoph Eymann (LDP) und Regierungspräsident Guy Morin (Grüne) geschickt. Das Papier forderte die drei Regierungsräte auf, auf die neu geplante Zickzacklinie des 36er-Busses verzichten. Das ist nun passiert.

Wie der Regierungsrat am Dienstag mitteilte, werde das «Konzept zur ­Verkehrsberuhigung Gundeldingen wegen unüberwindbarer Differenzen innerhalb des Gundeldingerquartiers» sistiert. Das Konzept hätte, so die ­Mit­teilung, grundlegende Verbesserungen hinsichtlich Verkehrssicherheit, Velo- und Fussgängerfreundlichkeit sowie ÖV-Qualität gebracht. Über 3000 Anwohner sahen das aber anders und unterschrieben vor einem Jahr die Petition der Interessen­gemeinschaft Verkehrt gegen das neue Konzept. «Das Ganze war eine Mogel­packung, die unter dem falschen Titel lief», sagt Tom Meyer von der IG Verkehrt.

Mit Verkehrsberuhigung habe das neue Konzept nichts zu tun gehabt. «Das war vielmehr eine Verkehrsverlagerung, in der man die Verkehrsteilnehmer in andere Strassen umgeschichtet hat», sagt Tom Meyer.

Laut Christophe Haller, Präsident des Touring Clubs Schweiz Sektion beider Basel, hätte die Regierung das Konzept bereits vor einem Jahr beerdigen sollen. «Damit hätte man Geld sparen können und hätte die Anwohner im Quartier nicht weiter beunruhigt», sagt der FDP-Grossrat. Bis jetzt sind 214'000 Franken an externe Verkehrsingenieurbüros ausgegeben und intern beim Bau- und Verkehrsdepartement rund tausend Arbeitsstunden aufgewendet worden. «Mit diesem Konzept hat man völlig am Volk vorbeigeplant», sagt Haller.

Nicht die erste Schlappe

Es ist nicht das erste Mal in den letzten Monaten, dass die Einwohner anderer Meinung sind als die Verkehrsplaner beim Bau- und Verkehrsdepartement oder die Stadtplaner beim Präsidialdepartement. So ist im letzten Mai die 77 Millionen teure Erlenmatt-Tramlinie abgelehnt worden. Zwar knapp, aber dennoch war es eine empfindliche Niederlage für den Bau- und Verkehrsdirektor Wessels. Letztes Wochenende gab es dann ein Nein zur Stadtrandentwicklung Süd und Ost. Erneut eine schmerzhafte Ohrfeige, hatte der Regierungsrat den Bau neuer Hochhäuser doch im Wahlkampf als praktisch unumgänglich propagiert. Die Bevölkerung will aber – entgegen dem Willen der Regierung – Grünflächen sichern.

Das sind aber nicht die einzigen Pannen, bei denen die Bevölkerung die Planer beim Kanton zurückpfeift. Von den Anwohnern der Grenzacherstrasse ist erst kürzlich eine Petition gegen noch mehr Busverkehr eingereicht worden, weil das Bau- und Verkehrsdepartement noch eine fünfte Buslinie durch diese Strasse leiten möchte.

FDP-Grossrat Helmut Hersberger stellt das gescheiterte Gundeli-Verkehrskonzept in eine Reihe mit dem abgelehnten Erlenmatt-Tram und dem negativen Entscheid zur Stadtrandentwicklung Süd und Ost. «Der Kanton Basel-Stadt ist gerade in einer schwierigen Phase», sagt Hersberger. Aktuell werde versucht, die Verkehrssituation der Region Basel für die Zukunft langfristig richtig zu konzipieren, was zu riesigen Investitionen führe. «Die werden zum Teil fehlgeleitet, weil Regierung und Parlament nicht gelernt haben, Investitionsprojekte zu priorisieren», sagt Hersberger.

Nicht sauber ausgearbeitet

Grossrat Urs Müller von der BastA! sieht beispielsweise bei der Erlenmatt-­Tramvorlage Mängel. Die sei nicht sauber ausgearbeitet gewesen. Urs Müller erklärt: «Die Städteplaner beim Präsidialdepartement und beim Bau- und Verkehrsdepartement planen offensichtlich nicht seriös und damit an der Bevölkerung vorbei.»

Ein Gefühl, das die Bewohner des Gundeli auch beim geplanten Umbau des Bahnhofs SBB inklusive neuer Unterführung haben. Laut der Gundeldinger Zeitung fühlen sich die Quartierbewohner erneut von den Planern übergangen und nicht ernst genommen: «Für unser Quartier bedeutet das Projekt jahrelanger lärmiger Baubetrieb, keine direkte Veloquerung oder sekundärer Zugang zu einer neuen Unterquerung.»

Basler Zeitung

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