Amt für Gleichstellung diskriminiert Buben

Die Abteilung für Genderfragen im Kanton Basel-Stadt liess am Zukunftstag Mädchen im Parlament Politik machen. Jungs mussten aussen vor bleiben.

Buben durften während des Zukunftstags nicht in den Grossratssaal. Die Abteilung für Gleichstellung des Kantons Basel-Stadt will Frauen auch in der Politik fördern. Jungs mussten sich über ihre Männlichkeit Gedanken machen.

Buben durften während des Zukunftstags nicht in den Grossratssaal. Die Abteilung für Gleichstellung des Kantons Basel-Stadt will Frauen auch in der Politik fördern. Jungs mussten sich über ihre Männlichkeit Gedanken machen.

(Bild: Kostas Maros)

Alex Reichmuth

Timo wohnt in Basel und ist zwölf Jahre alt. Der Bub interessiert sich brennend für Politik. Er will möglichst alles wissen, was in «Bundesbern» passiert, aber auch alles zur Politik in seinem Heimatkanton. Nun hatten junge Menschen am Zukunftstag diese Woche die Möglichkeit, in die Rolle von Grossräten zu schlüpfen und die Parlamentsarbeit kennenzulernen. Timo hätte gerne mitgemacht – doch er durfte nicht: Das Angebot des Kantons Basel-Stadt stand nur Mädchen offen.

Das Beispiel von Timo ist fiktiv, der Hintergrund aber real: Tatsächlich hat die Abteilung «Gleichstellung von Frauen und Männern» des Kantons mit «Mädchenparlament» für den Zukunftstag ein Angebot gemacht, das Buben aussen vor lässt. Politik sei «ein noch immer männerdominierter Lebensbereich», begründete Leila Straumann, Leiterin der Abteilung Gleichstellung, die Ungleichbehandlung von Mädchen und Buben. Im Nationalrat liege der Anteil des weiblichen Geschlechts mittlerweile zwar bei 42 Prozent, doch im Basler Kantonsparlament sei er rückläufig, so Straumann.

Auch den Buben machte die Abteilung Gleichstellung für diesen Zukunftstag ein geschlechtsspezifisches Angebot: Sie wurden zu einer «Reise zu sich selbst» eingeladen, um sich als «Männerforscher» zu betätigen und aufgrund von persönlichen Begegnungen über ihre «Vorstellungen von Männlichkeit» nachzudenken. Während also die Mädchen die politische Macht übernahmen, mussten die Buben ihr Mann-Sein hinterfragen.

Die nationalen Wahlen vom Oktober gingen als «Frauenwahlen» in die Geschichte ein. 27 Männer, aber nur vier Frauen, wurden abgewählt. Besonders viele Frauen hat es jetzt in den Fraktionen der SP (64 Prozent) und der Grünen (61 Prozent). Nun geraten bei den Sozialdemokraten selbst bestandene Politiker in Bedrängnis und müssen sich für ihre Männlichkeit rechtfertigen. «Ich kann ja nicht als Frau kandidieren», meinte der Berner Ständerat Hans Stöckli (noch nicht wiedergewählt). «Im aktuellen politischen Klima ist es (...) ein klarer Nachteil, ein Mann zu sein», sagte der Solothurner Nationalrat Philipp Hadorn (abgewählt). Und für die Nachfolge des abtretenden SP-Präsidenten Christian Levrat kommen offenbar nur Frauen in Frage: Männer werden höchstens als Co-Präsidenten an der Seite von Frauen gehandelt.

Nun steht es einer Partei frei, sich ganz der Förderung von Frauen zu verschreiben und Männer entsprechend zu benachteiligten, wenn sie entsprechende politische Ziele hat. Vor allem ist es das Recht des Stimmvolks, Frauen den Männern vorzuziehen, falls es das als nötig erachtet. Insofern ist auch nichts gegen die «Vision» einzuwenden, welche die Basler Gleichstellungs-Abteilung im Internet verbreitet: dass nach den Grossratswahlen 2024 die gewählten Frauen erstmals in der Überzahl sind.

Doch es ist etwas ganz anderes, wenn eine staatliche Stelle ihre Frauenförderung soweit treibt, dass sie Mädchen attraktive Angebote macht, Buben aber davon ausschliesst. «In Basel werden Geschlechterklischees aufgebrochen» – unter diesem Titel kündigte die Abteilung Gleichstellung das Mädchenparlament und das Männlichkeits-Blabla an. Vielmehr schafft die Abteilung neue solche Klischees.

Basler Zeitung

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