Am Ende bleibt der Leuchtturm nichts als sein Traum

Louis Conzett will Basel ein neues Wahrzeichen bauen – falls er nicht über seine Vergangenheit stolpert. Denn niemand weiss, wer den Leuchtturm am Dreiländereck finanzieren soll. Hilton hat kein Interesse am Projekt.

Der gewachsene Turm: 2009 sollte der Leuchtturm noch 51 Meter hoch werden, jetzt sind es 132 Meter.

Der gewachsene Turm: 2009 sollte der Leuchtturm noch 51 Meter hoch werden, jetzt sind es 132 Meter.

An Selbstvertrauen und Optimismus scheint es dem ehemaligen Kapitän und Gründer mehrer Firmen nicht zu fehlen. Als Louis Conzett am 19. Mai die Medien wissen liess, dass er im Dreiländereck beim Hafenbecken 1 einen 132 Meter hohen Leuchtturm bauen will, sparte er nicht an Formulierungen, die Gewissheit versprechen: Es werde ein Hotel, zwei Restaurants, Büro- und Sitzungsräumlichkeiten geben, schrieb er. Und: «Das neue Wahrzeichen von Basel wird den Namen der Stadt in die Welt tragen.» Wird, als würde die Zukunft schon sicher sein.

Um den Startschuss zum Projekt zu feiern, hat Conzett am kommenden Dienstagabend das Schiff Christoph Merian gechartert und nach eigenen Angaben wichtige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur zu einem «unvergesslichen Anlass» eingeladen. Für die Schifffahrt mit Ansprachen und Shows muss er vermutlich gegen 10'000 Franken bezahlen.

«Realisierung stand nie im Fokus»

Einer, der nicht eingeladen ist, ja der bis zum Gespräch mit der BaZ gar nicht wusste, dass es zu einem solchen «Startschuss für den Leuchtturm Basel» kommt, ist der Architekt Georg Himmelsbach. Er hat zwar für Conzett das 110-Millionen-Projekt konzipiert, ist aber über das Vorpreschen des Leuchtturminitiators verwundert. «Beim Vorschlag, den ich erarbeitet habe, stand die Realisierung nie im Fokus», sagt Himmelsbach. In einem Basler Café an einem Sonntagmorgen habe Conzett ihn per Zufall getroffen und gefragt, ob er für ihn einen Leuchtturm bauen könne.

Himmelsbach nahm die Anfrage nicht auf jene Weise ernst, wie man Aufträge ernst nimmt. Es sei «eher lustig» gewesen, sagt er. Weil Himmelsbach nicht jeden Tag eine solche Idee präsentiert bekommt und weil auch Architekten wie virtuose Klavierspieler immer wieder mal Fingerübungen vornehmen, um ihre Fähigkeiten zu verbessern, begann er zu zeichnen. Kaum hatte Conzett die Pläne in der Hand, ging er zur Offensive über. Er, der schon 2009 mit einem wesentlich kleineren Leuchtturmprojekt in die Öffentlichkeit drängte, möchte jetzt seinen «grossen Traum» umsetzen. «Eine Vi­sion wird Realität», heisst es auf der Einladung zum Leuchtturm-Event.

Unbekannte Investoren

Wie Conzett den Leuchtturm finanzieren will, hat er bislang noch nicht verraten. Am Dienstag ab 19 Uhr, «einem Abend, der Wellen schlägt» (Zitat aus der Einladung), will er dazu mehr verraten. In einem Gespräch mit der BaZ sagte er, dass die «Investoren Schlange stehen» und das Projekt bereits «zwei Mal finanziert» sei. «Sobald die Baubewilligung vorliegt, fliesst das Geld.» Demnach müssen also Leute vorhanden sein, die Louis Conzett und seiner Firma «Pro Leuchtturm Basel» über 200 Millionen anvertrauen wollen.

Ein Investor soll die internationale Hotelkette Hilton sein – dies schreibt Conzett am 19. Mai. Recherchen der BaZ jedoch zeigen ein anderes Bild. Hilton distanziert sich von diesem Projekt, will aber offiziell keine Stellung nehmen. Es gebe mehrere Gründe dafür, warum Hilton nicht einsteigen will, heisst es. Erstens tritt Hilton so gut wie nie als Investor auf, sondern übernimmt das Hotelmanagement in Gebäuden, die einen anderen Besitzer haben. Zweitens ist die Bettenzahl, die im Leuchtturm entstehen soll, zu klein, um von Hilton rentabel betrieben werden zu können. Und drittens passt die Lage nicht ins Konzept der Hotelkette, die im Zentrum des Geschehens sein will und nicht irgendwo an der Peripherie, wo es kaum Leute hat. Denn wann und wie das Hafenareal entwickelt wird, ist offen. Zudem gibt es Stimmen, die sagen, wenn jemand dort einen Stadtteil baue, dann Herzog & de Meuron.

Geld für einen Dachstockausbau

Ein ehemaliger Geschäftspartner berichtet, ihm gegenüber habe Conzett Stephan Musfeld und Novartis als mögliche Mitfinanzierer des Leuchturmprojektes genannt. Weder Musfeld noch Novartis wollen aber etwas mit dem Projekt zu tun haben. Auf die schriftliche Anfrage, wer konkret als Investor hinter dem Leuchtturmprojekt steht, wollte Conzett keine Antwort geben.

Ein ehemaliger Geschäftspartner von Louis Conzett und seiner Maxpec AG stellt sich eine viel grundsätzlichere Frage: Ist der Leuchtturminitiator der richtige Mann für ein solches Projekt? Aufgrund seiner Erfahrungen zweifelt er daran. In Therwil habe er zusammen mit Conzett ein Mehrfamilienhaus umbauen wollen und ihm dafür 350'000 Franken bezahlt. Doch der vertraglich abgemachte Dachstockausbau ist seit vier Jahren hängig, wie eine Mieterin der Liegenschaft bestätigt. Ein Fensterbauer aus der Innerschweiz wartet bis heute auf Geld. «Wir haben einen namhaften Betrag verloren und unsere Ansprüche auf dem Rechtsweg geltend gemacht», sagt er gegenüber der BaZ, bittet aber, seinen Namen nicht in der Zeitung zu veröffentlichen.

Verfahren und Betreibungen

Auch der Verkäufer des Grundstückes und der Liegenschaft in Therwil will Geld zugute haben. Das Darlehen von 900'000 Franken, das er beim Kauf 2010 Conzett gewährte, habe er bislang nie erhalten. Zudem soll es Unregelmässigkeiten bei der Abwicklung der Zahlung gegeben haben, als Conzett und seine Bank dem Verkäufer 2,2 Millionen Franken bezahlt hatten. Der ehemalige Grundstücksbesitzer hat gegen Conzett Strafanzeige eingereicht – das Verfahren sei bei der Staatsanwaltschaft Arlesheim noch hängig, sagt der Liegenschaftsverkäufer.

In einem anderen Fall wurde Conzett bereits verurteilt. Es geht um eine Geschichte bei seiner Maxpec. Ein ehemaliger Mitinhaber wurde von Conzett aus der Firma getrickst – es ging auch um mehrere Hunderttausend Franken. Der Mitinhaber klagte Conzett ein. Im Januar 2014 bestätigte das Kantons­gericht Baselland das erstinstanzliche Urteil wegen Urkundenfälschung sowie Erschleichung einer falschen Beurkundung. «Diesem Mann ist jedes Mittel recht, juristisch korrekt oder nicht, um sein Ziel zu erreichen», sagt der ehe­malige Maxpec-Mitinhaber. Ob Conzett das Urteil an eine höhere Instanz weiterzieht, ist der BaZ nicht bekannt.

Der Kapitän und das Geld

Bereits droht neues Ungemach. Der ehemalige Geschäftspartner von Conzett in Therwil lässt seinen Anwalt prüfen, welche Vorwürfe in einem juris­tischen Streit vor Gericht standhalten würden. Es geht um rund eine halbe Million Franken. Es gibt noch weitere, die von Conzett Geld wollen. Noch im Februar warteten Private, eine Bank, Handwerkerfirmen sowie Steuerverwaltungen auf mehr als 600'000 Franken von Louis Conzett. Nachweisbar vorhanden sind Rechtsvorschläge, Verlustscheine, Pfändungsurkunden und Zahlungsbefehle. Vergangene Woche kam eine Betreibung von über 500'000 Franken dazu.

Louis Conzett bestreitet, dass sich die Dinge so zugetragen haben. «Ich habe einen absolut sauberen Strafregisterauszug und einen einwandfreien Leumund», erklärt er. «Die meisten Betreibungen sind bezahlt. Sie haben schlecht recherchiert.»

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt