Am Aeschenplatz kollabiert der Verkehr

Weil die Elisabethenstrasse gesperrt ist, stauen sich am wichtigsten Verkehrsknotenpunkt der Stadt die Autos. Zu Stosszeiten gibt es fast kein Vorbeikommen.

Rien ne va plus: Vom Aeschenplatz bilden sich zeitweise Autokolonnen bis zum Bahnhof.

Rien ne va plus: Vom Aeschenplatz bilden sich zeitweise Autokolonnen bis zum Bahnhof.

(Bild: Kostas Maros)

Freitagmorgen, halb acht: Der Verkehr am Aeschenplatz steht. Und steht. Und steht. Die Autokolonnen, die sich nur zentimeterweise vorwärts schieben, stauen sich in alle Richtungen: über die Wettsteinbrücke ins Kleinbasel, durch den Aeschengraben bis zum Bahnhof und in Richtung Autobahn. Dasselbe Bild bietet sich mittags und am Feierabend. Der Grund: Der Aeschenplatz, der sowieso an seinen Kapazitätsgrenzen angekommen ist, muss seit der Totalsperrung der Elisabethenstrasse noch zusätzlichen Verkehr aufnehmen.

Das lief bislang gar nicht schlecht, während der Sommerferien waren weniger Autos in der Stadt unterwegs. Seit einer Woche sind nun aber die Ferien vorbei und der Verkehr hat dementsprechend zugenommen. Das merken ausser den Pendlern auch jene, die von Berufs wegen täglich hinter dem Steuer sitzen. Nenad Kovacic fährt einen Lieferwagen und übt sich in Geduld: «Was kann ich tun? Der Stau ist schlimm geworden, aber am Aeschenplatz muss ich immer wieder vorbei.» Er lenkt sich mit Musik vom Ärgernis ab. «Denn auch mit Wut geht es nicht schneller.»

BVD findet Zustand «normal»

Auch die Taxifahrer, die vor der Bank Coop ihre Standplätze haben, kommen zeitweise kaum noch vom Fleck. «Seit dem Ferienende bin ich doppelt froh, dass ich nur die Nachtschichten fahre», sagt einer. Tagsüber sei besonders die Achse Bahnhof–Aeschenplatz eine Katastrophe. «Und seit die Elisabethenstrasse gesperrt ist, müssen wir auf dem Weg in die Innenstadt immer die Schlaufe über den Aeschenplatz fahren.»

André Frauchiger vom Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) bestätigt, dass sich der Verkehr seit Ferienende zu Spitzenzeiten staut. Er spricht aber vom «normalen Zustand», der schon seit vielen Jahren gleich geblieben sei. «Allerdings liegt es auf der Hand, dass auch die Baustelle in der Elisabethenstrasse einen gewissen Einfluss auf das Verkehrsaufkommen hat.» Die Totalsperrung soll bis am 2. September teilweise aufgehoben werden. Dadurch werde der Verkehr in der Dufourstrasse in Richtung Aeschenplatz um rund 30 Prozent reduziert, schätzt Frauchiger.

Unfallschwerpunkt oder nicht?

Dennoch befürchtet TCS-Präsident Chris­tophe Haller, dass sich auch dann keine wirkliche Besserung einstellt. «Das Problem ist, dass die Elisabethenstrasse ja künftig nur noch einspurig befahren werden darf.» Auch Christian Greif vom Automobil Club (ACS) befürchtet: «Was wir momentan haben, ist wohl leider eine Vorschau auf die Zukunft.» Die Kapazitätsgrenze des Aeschenplatzes sei längst überschritten. «Der zusätzliche Verkehr aus der Elisabethenstrasse bringt das Fass zum Überlaufen.»

Eine Studie soll nun zeigen, wie man den Verkehr am Aeschenplatz besser organisieren könnte. Greif hat Einsitz in der Begleitgruppe. Er will dafür sorgen, dass der motorisierte Individualverkehr dabei genügend berücksichtigt wird. «Es ist zu befürchten, dass stärker auf Fussgänger oder Velofahrer fokussiert wird.» Als Beispiel nennt er den geplanten Velostreifen am Aeschengraben. «Das würde einen weiteren Spurabbau für den Autoverkehr bedeuten.» Den motorisierten Verkehr zurückdrängen, um Unfälle zu verhindern, das sei nicht nötig, sagt Greif. Zwar heisse es im Bericht, der Grundlage für die Studie ist, der Aeschenplatz sei ein Unfallschwerpunkt. Woher diese Information kommt, ist aber fraglich. 2013 gab es laut Polizeistatistik gar keine Unfallschwerpunkte mehr in Basel. Und auch in den Vorjahren war der Aeschenplatz nicht als solcher aufgeführt.

Unterirdischer Kreisel für Autos

Ende 2016 sollen erste Ergebnisse vorliegen. Der ACS will sich dafür einsetzen, dass die Autos den Aeschenplatz künftig unterirdisch passieren können. Greif denkt da an einen unterirdischen Kreisel, wie man ihn bei der Berner Wankdorf-Kreuzung gebaut hat. «Dann natürlich könnte der Aeschenplatz auf die Bedürfnisse des öffentlichen Verkehrs, der Fussgänger und der Velos ausgerichtet werden.» Haller und Greif betonen beide: Zuwarten darf der Kanton mit Massnahmen nicht. Schon gar nicht nach der definitiven Teilsperrung der Elisabethenstrasse. Beschleunigen lasse sich die Planung dennoch nicht, meint Frauchiger dazu. Die komplexe Situation am Aeschenplatz erfordere vertiefte Abklärungen.

Basler Zeitung

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