38er lädt Kundschaft zu früh aus

Weil Grenzach-Wyhlen eine Busleistung abbestellt hat, steigen BVB-Fahrgäste an der Grenze aus – nicht freiwillig allerdings. Nun prüfen die BVB eine neue Lösung.

Fehlende Markierungen: Beim Hörnli ist die Platzsituation so eng, dass Fahrgäste beim Zollhaus raus müssen.

Fehlende Markierungen: Beim Hörnli ist die Platzsituation so eng, dass Fahrgäste beim Zollhaus raus müssen.

(Bild: Pino Covino)

Daniel Wahl

Da staunte Kurt Stauffiger nicht schlecht, als er im 38er-Bus sitzend vor dem Zollhaus Grenzach-Wyhlen vom BVB-Bus-Chauffeur unvermittelt mit den Worten «Endstation – alle aussteigen, bitte» zum Verlassen des Busses aufgefordert wurde. «Dem Typen war es ernst und wir standen vor dem Zollhaus, ohne Anschluss nach nirgendwo, auf der Strasse», sagt der betagte Mann. Dann sei der Bus leer Richtung Friedhof Hörnli gefahren, während nicht wenige abgestellte Passagiere dem Chauffeur den Vogel gezeigt hätten.

Dass die Chauffeure ihre 38er-Kunden derzeit so auf die Strasse stellen, gehört überraschenderweise zum Kurs der BVB, die entgegen der Versprechung des Fahrplans – er führt «Wyhlen Siedlung» als Endstation auf – ihre Passagiere vorzeitig aus dem Bus werfen. «Die Situation ist in der Tat ein Unglück für uns», räumt BVB-Mediensprecher Stephan Appenzeller ein. Ursprünglich sei geplant gewesen, per Fahrplanwechsel vom Dezember 2013 die Buslinie 38 auf der ganzen Strecke bis Grenzach-Wyh­len im 15-Minuten-Takt zu betreiben. Aber die Gemeinde Grenzach-Wyhlen sei kurzfristig von dieser Absicht zurückgetreten. «Die Bestellerbehörden haben in der Folge jeden zweiten Bus ausserhalb der Spitzenzeiten nur bis Hörnli Grenze bestellt.» Mit dieser Argumentation schieben die BVB nun den Ball weiter an die Gemeindebehörden von Riehen, die die Weiterfahrt des Busses nach Grenzach nicht finanziert.

Aussteigen nur in Markierung

Trotz dieser Erklärung: Für Kurt Stauffiger ist es eine Zumutung, wie die BVB mit ihren Kunden umgehen und «ein Schildbürgerstreich der Zürcher BVB-Führung sondergleichen», wie er findet. Der Bus-Chauffeur könne doch wenigstens seine Passagiere bis zum Friedhof Hörnli bringen, wo sie Anschluss an die Kleinbusse 35/45 hätten oder in den 34er und 31er umsteigen könnten. Diesem Wunsch zu entsprechen sei gar nicht so einfach, wendet Appenzeller ein. Denn den fahrplantechnisch notwendigen dreiminütigen Endaufenthalt würden die Busse in der Seitenfahrbahn der Hörnliallee verbringen. Dies am linken Fahrbahnrand und damit ausserhalb einer markierten Haltestelle. Ausserhalb eines markierten Haltestellenbereichs ist es der BVB aus Sicherheitsgründen untersagt – ausser im Notfall – Fahrgäste ein- und aussteigen zu lassen. Und die Haltestellen des 34er und 31ers seien jeweils bereits von wartenden Bussen besetzt.

Da direkt an der Grenze kurzfristig und bis heute keine Wendemöglichkeit gefunden werden konnte, würde jeder zweite Bus bis auf Weiteres nur noch als Dienstfahrt zum Friedhof am Hörnli geführt. Dort wendet er um die Baumallee herum. Betroffen seien knapp 20 Kurse des 38ers pro Tag von Montag bis Freitag.

Suche nach «Kulanzregelung»

Wie die BVB bestätigen, hat die Faktenlage wiederholt zu Fragen seitens von Fahrgästen geführt. Man strebe zusammen mit den zuständigen Bestellerbehörden an, das ursprünglich geplante Fahrplankonzept des durchgehenden 15-Minuten-Taktes bis Grenzach auf einen der nächsten Fahrplanwechsel doch noch umsetzen zu können. Die heutigen Dienstfahrten Hörnli Grenze–Friedhof stellen somit ein Provisorium dar.

Da das heutige Provisorium für die Kunden unbefriedigend sei, prüft das Unternehmen nun zusammen mit dem Kanton und der Gemeinde Riehen Möglichkeiten, ob das Mitfahren auf dieser Dienstfahrt in Zukunft und im Sinne einer Kulanzregelung toleriert werden kann. «Voraussetzung dafür ist, dass beim Friedhof eine Haltemöglichkeit an einer markierten ÖV-Haltestelle gefunden werden kann», so Appenzeller. Dies auf Zusehen, bis eine Wendemöglichkeit bei der Hörnli-Grenze gefunden ist oder die Weiterfahrt nach Grenzach von den Bestellern finanziert werden kann.

Basler Zeitung

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