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1,4 Milliarden Wertschöpfung wiegen schwerer

Jedes Jahr sorgt der Fluglärmbericht des EuroAirports für Protest. Die Lärmgegner ignorieren, dass der Flug­hafen lange vor ihnen da war und einst auch wesentlich mehr Lärm als heute verursacht hat.

Wirtschaftlich erfolgreich. Seit 2004 wächst der EuroAirport wieder – und mit ihm wachsen auch die Lärmklagen.
Wirtschaftlich erfolgreich. Seit 2004 wächst der EuroAirport wieder – und mit ihm wachsen auch die Lärmklagen.
Keystone

Im Frühjahr stört der Fluglärm rund um den Euro­Airport Basel-­Mulhouse am ­meisten. Das liegt vor allem daran, dass zu diesem Zeitpunkt die ­Kantone Baselland und Basel-Stadt jeweils den Bericht der Fluglärm­kommission publizieren. Weil dieser Bericht jeweils ziemlich unspektakulär ausfällt, gilt es, im Vorfeld entsprechend Empörung zu verbreiten.

So auch dieses Jahr – in einem besonders spektakulären Ausmass. So protestiert zurzeit das «Forum Flug­hafen – nur mit der Region» gegen die «Sankt-Florians-Politik» von Basel-Stadt. Denn der Stadtkanton ist schuld, dass die Flugzeuge jeweils über Baselbieter Boden fliegen. Gleichzeitig ­fordert der Verband «Saint-Louis Agglomération», dem 40 elsässische Gemeinden angehören, dass alle Flugzeuge, deren Ziel im Süden liegt, auch nachts künftig Richtung Schweiz ­starten. Und der «Schutzverband der Bevölkerung rund um den Flughafen Basel-Mulhouse», der hauptsächlich aus Madeleine und Hans Göschke besteht, hat rechtzeitig auf diesen Frühling hin herausgefunden, dass die Bewohner in nahen und weiter entfernten Gemeinden im unteren Baselbiet wegen des Lärms vor Mitternacht ein höheres Herzinfarkt-Risiko aufweisen. Deshalb soll nachts aus überhaupt ­keiner Richtung mehr gelandet und ­nirgendwohin mehr gestartet werden. Nun: Die Forderungen der Fluglärmgegner sind vielfältig und widersprüchlich. Einig sind sie sich darin, dass der EuroAirport für die Region zwar wichtig sei, aber der unvermeidliche Lärm vor allem beim Nachbarn anfallen soll.

Immerhin getraut sich niemand, dem Flughafen die Krise der Jahre 2001 bis 2004 wieder herbeizu­wünschen. In diesen Jahren sank der Fluglärm nämlich tatsächlich; der EuroAirport versank nach dem Cross­air-Swissair-Abbau in den roten ­Zahlen. Seither haben die Lärmwerte zwar nie mehr das Ausmass der Jahre vor der damaligen Krise erreicht. Aber die Fluglärmgegner entfalten dennoch eine Aktivität weit über dem Ausmass der Boomjahre vor 2001.

Die Beschwerden sind tendenziell abnehmend.

Bleiben wir bei den Fakten. Der EuroAirport wächst glücklicherweise wieder. Passagiere und Frachttonnen nehmen zu. Auch der Lärm, im Ausmass aber in weit geringerem Masse, denn die Flugzeuge fliegen leiser, und sie sind besser ausgelastet. Der Verkehr nahm 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent zu, die Anzahl Flug­bewegungen aber nur um 1,3 Prozent. Die Beschwerden sind tendenziell abnehmend; nur gerade 2,8 Prozent betreffen Nachtflüge. Einige sind dabei nicht wirklich ernst zu nehmen – etwa die 21'827 Be­schwerden aus Busch­willer, die von exakt acht Beschwerdeführern stammen.

Die Lärmbelastung insgesamt auf Schweizer Boden ist gesunken. Einzig Allschwil verzeichnet tagsüber einen minimen Anstieg von 57,0 auf 57,3 Lden (äquivalenter Dauerschallpegelwert der Fluggeräusche). Die tatsächliche Lärmbelastung nachts, der die Lärmkritik vor allem gilt, ist 2016 ­tendenziell etwas angestiegen, vor allem zwischen 23 und 24 Uhr – der umstrittenen Nachtstunde, für welche die Fluglärmkritiker und der Basel­bieter Landrat ein Start- und Lande­verbot fordern. In Allschwil etwa stieg der Wert in dieser Zeit von 47,8 auf 51,1 Leq (äquivalenter Dauerschall­pegelwert aller Lärmkomponenten). In Binningen, Neuallschwil und Basel ist der Anstieg etwas geringer ausgefallen. Insgesamt verläuft demnach die Entwicklung moderat – auch dank den vom EuroAirport ergriffenen Massnahmen. Der Plan zur Fluglärmbekämpfung wird laufend umgesetzt. Die Entwicklung am EuroAirport ist vergleichbar mit Genf, wobei dort verspätete Flüge sogar bis 0.30 Uhr landen dürfen.

Der EuroAirport gehört damit zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region Basel.

Dem moderaten Anstieg der Lärmwerte stehen eindrückliche wirtschaftliche Zahlen gegenüber. So sind, Stand Ende 2015, 6173 Personen in 127 Unternehmen am EuroAirport beschäftigt. 1100 Personen verdanken ihre Arbeit dem Frachtverkehr, der auf die Nachtstunde von 23 bis 24 Uhr besonders angewiesen ist. Die meisten der 6173 Beschäftigten entfallen auf den Schweizer Sektor, nämlich 4612. Der EuroAirport gehört damit zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region Basel. Hoch ist auch der touristische Effekt. So hat der EuroAirport massgeblich zum Besucheranstieg von 860'000 auf 920'000 Personen beigetragen.

Der EuroAirport weist zudem im Jahresbericht darauf hin, dass indirekt 27'000 Arbeitsplätze vom Flughafen Basel-Mulhouse abhängen. Die Wertschöpfung des EuroAirports beläuft sich insgesamt auf hohe 1,4 Milliarden Euro.

Bei diesen Zahlen erstaunt es, dass der EuroAirport vor allem wegen des Fluglärms Schlagzeilen verursacht. Dabei ignorieren viele, dass der Flug­hafen lange vor ihnen da war und einst auch wesentlich mehr Lärm als heute verursacht hat. Die beiden Basel sind gut beraten, das gute Ende des französisch-schweizerischen Seilziehens um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu beklatschen, statt sich über den geringfügigen Anstieg des Lärms vor 24 Uhr aufzuhalten. Die Beschäftigten hätten wohl kaum Freude, wenn sich Frachtfirmen oder Easyjet dazu entschlössen, einen Teil ihrer Arbeitsplätze nach Genf zu verlagern. So weit wird es glücklicherweise nicht kommen: Der Verwaltungsrat ist Garant dafür, dass der EuroAirport nach wirtschaftlichen Kriterien entscheidet – und dem Lärm-Populismus mit vertretbaren Massnahmen begegnet.

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