Zurzeit keine Kolibakterien mehr

Proben Die Chlorung des Trinkwassers von Liestal und fünf weiteren Gemeinden zeigt Wirkung. Ob die Fäkalbakterien definitiv getilgt sind, wird sich bis am Donnerstag zeigen.

Momentan wird in Liestal und Umgebung vor allem das Leitungsnetz gereinigt und das Chlorwasser ausgespült. Foto: Daniel Aenishänslin

Momentan wird in Liestal und Umgebung vor allem das Leitungsnetz gereinigt und das Chlorwasser ausgespült. Foto: Daniel Aenishänslin

Thomas Gubler

Die Situation um das belastete Trinkwasser von Liestal – sowie der Gemeinden Arisdorf, Lausen, Seltisberg, Lupsingen und Nuglar-­St. Pantaleon, die Wasser von Liestal beziehen – präsentiert sich zurzeit wie folgt: Die gute Nachricht ist, dass die ergriffenen Massnahmen, insbesondere die Chlorungen des Trinkwassers, dazu geführt haben, dass im Wasser derzeit keine Koli­bakterien mehr festgestellt werden. Die ­aktuellen Proben des Amts für ­Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen sind diesbezüglich negativ. Die weniger gute Nachricht ist freilich, dass die Ursache nach wie vor nicht definitiv ­eruiert werden konnte.

So lautet die Botschaft, die der Kantonale Krisenstab (KKS) am Montagnachmittag an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz in Liestal überbringen konnte. Bis Donnerstag will man aber, so KKS-Stabschef Martin Halbeisen, «zur Normalität zurückkehren», sprich: das Wasser wieder freigeben können. Laut Kantonschemiker Peter Brodmann müssen aber vorerst in regelmässigen Intervallen weitere Proben durchgeführt werden, um zu erkennen, ob das Wasser auch ohne weitere Chlorbeigabe frei von Kolibakterien bleibt. Aus diesem Grund kann auch nicht vor Donnerstag Entwarnung gegeben werden. So lange muss Wasser, das getrunken wird oder mit Lebensmitteln in Berührung kommt, weiterhin während mindestens drei Minuten abgekocht werden. Sollten die Kolibakterien ohne Chlorung wieder auftreten, «dann haben wir wirklich ein Problem», sagte Peter Brodmann.

Quellen waren sauber

Nichts Neues konnten die Verantwortlichen, die gestern in ­Begleitung von Liestals Stadtpräsident Daniel Spinnler und Vertretern der anderen betroffenen Gemeinden vor die Medien traten, zu den möglichen Ursachen der Trinkwasserverschmutzung sagen. Bereits Ende Woche ausgeschlossen wurde Gülle als Ursache, weil bei der in der letzten ­Woche herrschenden Hitze von der Landwirtschaft keine Jauche ausgebracht worden war. Die Bauern hätten unter diesen Umständen ihre Felder verbrannt.

Gestern konnten weiter das Grundwasser und die Wasserquellen als Ausgangspunkt der Verschmutzung ausgeschlossen werden. «Die Grundwasserquellen waren alle sauber», ­sagte der Kantonschemiker. Entsprechend wird weiter vermutet, die Verschmutzung könnte von einer der vielen Baustellen in Liestal ausgegangen sein, ­beispielsweise von einem Leitungsbruch. Ein Nachweis fehlt aber bis dato.

Die Trinkwasserverunreinigung wurde am Freitagvormittag festgestellt. Die bei einer Selbstkontrolle der Stadt Liestal dem Wasser entnommene Probe wies Kolibakterien «in ungewöhnlich hoher Konzentration auf», wie der Kantonschemiker gestern erklärte. Und zwar war die Konzentration so hoch, dass man die Bakterien gar nicht mehr zählen konnte, so Brodmann.

In der Folge wurde von den Brunnenmeistern fortwährend Chlor zur Tilgung der Kolibakterien eingesetzt. Mit Erfolg, wie sich gestern gezeigt hat. Der ­Kantonschemiker wies aber auch beruhigend darauf hin, dass ­Kolibakterien nicht unbedingt krank machen müssen, «aber sie können». Das würde sich dann vor allem in Form von Magen-Darm-Beschwerden und Durchfall bemerkbar machen. In diesem Fall scheinen Liestal und die fünf weiteren Gemeinden allerdings Glück gehabt zu haben (siehe Artikel in der Spalte nebenan).

Kritik an Kommunikation

Kritisiert wurden die Verantwortlichen an der Medienkonferenz für die Art und Weise, wie sie die betroffene Bevölkerung am Freitag über das Ereignis informiert hatten, nämlich über Medienmitteilungen und die ­sozialen Medien. Bemängelt wurde etwa, dass auf den Einsatz von Sirenen und Lautsprecherwagen verzichtet wurde.

Der Sprecher der Volkswirtschafts- und Gesundheits­direktion (VGD), Rolf Wirz, rechtfertigte das Vorgehen damit, dass man vor allem schnell habe ­handeln wollen und auch auf die Weitergabe der Meldung durch die bereits Informierten vertraut habe. «Wir können ohnehin ­niemals alle erreichen», sagte Rolf Wirz.

Der Einsatz von Sirenen und Lautsprecherwagen sei im Übrigen eine Frage der Verhältnismässigkeit und in diesem Falle nicht unbedingt angebracht gewesen, so der VGD-Sprecher. Unter welchen Umständen ein Sireneneinsatz verhältnismässig ist, wurde am Schluss dann auch noch erörtert: Nämlich dann, wenn das Trinkwasser nicht nur belastet, sondern vergiftet ist.

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