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«Wir sind tief besorgt»

Die Fasnacht findet wegen der Coronavirus-Epidemie nicht statt. Das schadet der lokalen Wirtschaft enorm.

Auf der Ware sitzen geblieben: Die Fortura AG in Zunzgen spricht von einem «Desaster».
Auf der Ware sitzen geblieben: Die Fortura AG in Zunzgen spricht von einem «Desaster».
Dominik Plüss

Abgesagt werden alle privaten und öffentlichen Veranstaltungen im Rahmen der Fasnacht, wie es die Regierung an einer Pressekonferenz verkündete. Darunter fallen insbesondere der Morgenstreich, der Cortège, Veranstaltungen mit Schnitzelbänken, Guggenkonzerte sowie diverse Schlussveranstaltungen, die nach den eigentlichen Fasnachtstagen vom 2. bis 4. März geplant sind.

Die Gastronomiebetriebe könnten ihren ordentlichen Betrieb aufrechterhalten, heisst es weiter. Die Regierung appelliert an die Eigenverantwortung und Solidarität der Bevölkerung. Der Entscheid ist gravierend für die vielen Gastro-Betriebe und involvierten KMUs in der Region. André Meierhofer, Wirt des Restaurant Aeschenplatz, bricht fast in Tränen aus, als er erfährt, dass die Fasnacht nicht stattfinden wird. «Ich mache während der Fasnacht rund den dreifachen Tagesumsatz. Ich rechne mit einem Ausfall im fünfstelligen Bereich. Ich will gar nicht daran denken, welchen finanziellen Schaden wir erleiden.» Für die Schnitzelbankabende hätten viele Gäste gebucht und bereits bezahlt.

Wir fordern ein Entlastungs- und Unterstützungsprogramm für KMU.

Maurus Ebneter, Wirteverband

Für Meierhofer und alle anderen Baizer in der Region, setzt sich nun der Wirteverband ein. Er sei tief besorgt. «Wir fordern unbürokratische Überbrückungshilfen sowie ein Entlastungs- und Unterstützungsprogramm für KMU», sagt Präsident Maurus Ebneter.

Wegen der kurzfristigen Absage sei es vielerorts schon zu spät, um die Kosten wirksam zurückzufahren: «Lebensmittel wurden bereits bestellt oder sogar zubereitet, zusätzliches Personal wurde aufgeboten und Werbung geschaltet.» Unter den aktuellen Umständen dürfte es vielen Betreibern und Zulieferern schwer fallen, in den nächsten Wochen und Monaten liquide zu bleiben. Der Wirteverband werde das Gespräch mit der Regierung suchen.

Auch für die etlichen Wagen-Cliquen und deren Lieferanten, ist der Ausfall der Fasnacht gravierend. Pierre Kunz, Einkäufer der Wage IG, hat schlechte Nachrichten: «Ich habe heute schon ganz früh am Morgen die Lieferanten angerufen und gefragt, ob die Bestellung der verderblichen Ware storniert werden kann. Leider ging das nicht.»

Für uns ist die Absage der Fasnacht ein Desaster

Roberto Papini, Fortura AG

Wurforangen sind von Qualität zweiter Klasse, im Handel gibt es dafür keine Verwendung. Auch bei Bananen und Riebli handelt es sich um Zusatzbestellungen, die nicht einfach übernommen werden können. Kunz sagt: «Wir werden nun allen Wägeler eine Mail schreiben und ihnen dies mitteilen. Wir hoffen, dass sie unsere Idee teilen - und die verderbliche Ware an Institutionen wie die Heilsarmee, Gassenküche oder den Zolli zukommen zu lassen.»

«Für uns ist die Absage der Fasnacht ein logistisches Desaster», sagt Roberto Papini von der Fortura AG. Das Zunzger ist der Hauptlieferant für die Basler Wagen-Cliquen. «Stellen Sie sich vor, wir sitzen hier auf 40 Tonnen Frischware (Orangen, Mimösli usw.) fest. Jetzt gehen bei uns nonstop Anrufe ein.» Im Hintergrund hört man etliche Mitarbeiter von Papini telefonieren.

«Die Ware wird jetzt trotzdem ausgeliefert, weil sie ja bereits bezahlt wurde. Die bestellten Räppli können bei uns für 20 Franken für ein Jahr eingelagert werden, solange genügend Platz vorhanden ist.»

Momentan sitzt die Fortura AG «nur» auf der Ware für den Fasnachtsmontag, doch die Ware für den Mittwoch sei bereits bestellt, bezahlt und auf dem Weg, sagt Papini. «Der Lieferant wird diese auf keinem Fall zurücknehmen. Wir hoffen einfach, dass die Cliquen eine gute Verwendung für die Ware finden.» Dieses Jahr werde die Ware wie bestellt ausgeliefert, was den finanziellen Schaden wohl in Grenzen halte. Doch nächstes Jahr könne man die Fasnacht dann nicht beliefern.

Die wirtschaftlichen Schäden für die Region könnten enorm sein .Eine Studie der Fachhochschule Muttenz hat bereits 2005 den Wert der Fasnacht untersucht. Sie kam zum Schluss, dass die «drey scheenschte Dääg» zwischen 50 und 70 Millionen Franken Wertschöpfung bringen. Die genauen Zahlen werden vom Comité nicht bekanntgegeben, aber gross dementiert wurden sie nie. Ein paar Beispiele: Ehrenamtliche Arbeit sorgt für ein mächtig hohes Preisschild. Auf diesem stehen erkleckliche 18,25 Millionen Franken. Die Ausgaben der Aktiven und der Besucher für die Fasnacht machen weitere 17,7 Millionen Franken aus. Das zeigt, wie wichtig die Fasnacht vor allem für Beizen ist.

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