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«Man stört dann den Gottesdienst»

Studenten beschweren sich über Dozenten, die sich während der Vorlesungen politisch äussern. Kritisiert wird insbesondere die Linkslastigkeit in den Geisteswissenschaften.

Serkan Arbrecht
An der Uni werden Studenten von ihren Dozenten politisch beeinflusst.
An der Uni werden Studenten von ihren Dozenten politisch beeinflusst.

Februar 2014. Das Volk hat mit knapp 50,3 Prozent die Masseneinwanderungs-Initiative der SVP angenommen. Ein Geschichtsprofessor der Universität Basel ist genervt ob des Ausgangs der Abstimmung. «Vox populi, Vox Rindvieh», soll er vor seiner versammelten Studentenschaft geflucht haben. «Vor circa 120 Leuten hat der Professor seinen politschen Ärger deutlich ausgesprochen», sagt ein Geschichtsstudent zur Basler Zeitung.

Dass sich ihre Dozenten während den Vorlesungen politisch äussern, scheint manchen Studenten zu missfallen. Erst kürzlich soll gemäss der Basellandschaftlichen Zeitung ein Dozent der medizinischen Fakultät für ein Ja zur Spitalfusion geworben haben. Ausserdem soll sich ein Dozent gegen die Vollgeld-Initiative ausgesprochen und ein weiterer Professor sich während einer Vorlesung für ein Nein zur 1:12-Initiative starkgemacht haben. Dass sich ein Ökonom gegen eine sozialistische Initiative ausspricht, liegt in der Natur der Sache. Mitglieder der Studentischen Körperschaft beschweren sich jedoch und halten Abstimmungsempfehlungen für problematisch.

Nicht so Philosophieprofessor Mark Wild. Der Tier-Ethiker macht sich privat gegen das Ozeanium stark – nicht aber vor seinen Studenten. «Wenn sich jedoch ein Dozent politisch zu einem Referendum oder einer Initiative äussert, die in sein Fachgebiet fällt, finde ich das durchaus legitim.»

Das sieht auch die Uni so: «Es liegt im Ermessen der Dozierenden, ob und wie sie ihre Meinung zu politischen Debatten äussern», sagt Mediensprecher Matthias Geering.

Die linke «Bubble»

Für die Baselbieter FDP-Vize-Präsidentin und Studentin Naomi Reichlin sind weniger Abstimmungsempfehlungen, sondern die allgemeine Grundhaltung in den Geisteswissenschaften ein Problem. «Selber habe ich noch nie mitbekommen, wie ein Dozent eine Abstimmungsempfehlung abgegeben hat. Aber in den Geisteswissenschaften gibt es die Gefahr einer ‹Bubble›, einer Blase, in der ein linkspolitischer Konsens herrscht. Das hat vor allem mit der Themenwahl der Dozenten zu tun», sagt Reichlin.

So sei beispielsweise Tier-Ethik ein dominierendes Thema in der Philosophie. «Das findet natürlich vor allem im linken Spektrum Anklang.» Zudem sei es oft nötig, andere Themen oder andere Gedankengänge einzubringen. «Man stört dann – sozusagen – den Gottesdienst.» So könne der Unterricht indirekt politischen Einfluss auf die Studenten nehmen.

Erinnerung an Schutzbachs Ideologie-Äusserungen

Wild bestätigt die Linkslastigkeit in den Geisteswissenschaften. «Tatsächlich gibt es eine Tendenz, dass Studenten und Dozenten hier mehrheitlich politisch nach links ausgerichtet sind. Dabei geht es um eine politische Voreingenommenheit. Ich muss mich deshalb auch selber manchmal an der Nase nehmen. Jedoch unterscheide ich zwischen der politischen Ausrichtung und der Wahl eines zu behandelnden Themas.»

Wie offensiv Dozenten ihre politische Ideologie an die Öffentlichkeit tragen, zeigte sich vor einem Jahr im Fall der Genderforscherin Franziska Schutzbach: Sie schlug vor, Politiker der CVP, FDP oder der SVP nicht mehr öffentlich sprechen zu lassen. Die Rektorin der Uni, Andrea Schenker-Wicki, sah sich gezwungen, sich öffentlich von Schutzbachs Aussagen zu distanzieren.

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