Zittern um das Hans-Zimmer-Konzert zu Ende

Nachdem am Samstag ein ausverkauftes Rap-Konzert in der St.-Jakobs-Halle abgesagt werden musste, wurde am Dienstagabend für die nächste Show endlich Entwarnung gegeben.

Am Donnerstag soll «The World of Hans Zimmer» in der St. Jakobs-halle aufgeführt werden. Bild: Kostas Maros

Am Donnerstag soll «The World of Hans Zimmer» in der St. Jakobs-halle aufgeführt werden. Bild: Kostas Maros

Dina Sambar

Am Donnerstag findet die Hans-Zimmer-Show in der St.-Jakobs-Halle doch noch statt. Diesem Entscheid ging bis im letzten Moment ein unglaubliches Chaos voraus. Am Dienstagabend war noch unklar, ob die Halle von der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung (BGV) für das Konzert freigegeben wird. «Jetzt gerade sitzen alle Beteiligten gemeinsam an einem Tisch und schauen, was getan werden muss, damit das Konzert stattfinden kann», sagte Sven Cattelan, CEO der BGV, noch am Dienstagmorgen.

Nachdem letzte Woche das Konzert der bekannten Rapper RAF Camora und Bonez MC absagt werden musste, waren die Künstler und auch die 9000 versetzten Fans stinksauer. «Der Imageschaden für die Halle und für Basel ist gross. Wenn wir noch ein Konzert absagen müssen, wird er riesig», sagte Simon Thiriet, Sprecher des Basler Erziehungsdepartements, am Wochenende der «Basler Zeitung».

Problem Rauchvergiftung

Das Problem für das lange Hin und Her sind die obersten 17 Sitzreihen. Dort war die Sicherheit der Besucher, gemäss Gebäudeversicherung, im Brandfall nicht gewährleistet. Laut Thiriet gehe es dabei nur um formale Dinge: «Wir haben es wohl etwas auf die leichte Schulter genommen, dass Ausnahmen zum Nutzungsverbot nur noch bis im September gewährt werden sollten.»

Bei Sven Cattelan klingt es anders: «In der Regel sterben Brandopfer an einer Rauchvergiftung, nicht weil sie verbrennen. Man muss die Leute also aus der Halle bekommen, bevor die Rauchkonzentration giftig wird. Das ist bei diesen 17 Sitzreihen nicht gegeben.»

Dass eine weitere Absage für den Ruf der Halle verheerend sei, verstehe er. «Ich weiss aber auch, was ein Brandfall bedeutet», sagt Cattelan. Er bringt zum Vergleich den Fall der Loveparade in Duisburg vor neun Jahren. Dort starben in einem Gedränge 21 Menschen, über 500 wurden verletzt. Im Nachgang wurde die Genehmigung als rechtswidrig bezeich­net: «Wer müsste hinstehen, wenn etwas geschieht? Würden sich all jene, die sich jetzt über die ­Wirtschaftlichkeit sorgen, neben mich stellen und die Verantwortung dafür übernehmen?»

Der Grund, weshalb beispielsweise die Swiss Indoors letzten Monat trotzdem stattfinden konnten, liegt laut Cattelan an den verschiedenen Set-ups. Für die St.-Jakobs-Halle gibt es 13 solche Set-ups. Die Swiss Indoors nutzen laut Cattelan ein anderes als das Konzert der Rapper oder die Hans-Zimmer-Show: «Je nach Bespielung sind beispielsweise gewisse Notausgänge durch Bühnen oder Leinwände blockiert», sagt Cattelan und fügt an: «Bisher wurde erst für eines der 13 Set-ups der vollständige Nachweis für eine ausreichende Personensicherheit erbracht – jenes der Swiss Indoors.»

Erster Hoffnungsschimmer

Am Dienstagnachmittag gab es den ersten Hoffnungsschimmer. Denn auch «das abgesagte Bonez-MC-Konzert vom vergangenen Samstag und das bevorstehende Hans-Zimmer-Konzert unterscheiden sich klar in der Art ihrer Hallenbelegung und -nutzung und damit der vorhandenen Brandlast und Evakuationsorganisation», teilte die BGV mit.

Am Abend kam endlich die Entwarnung: «Das Hans-Zimmer-­Konzert findet statt», vermeldeten das Basler Erziehungs­departement und die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung gemeinsam. Doch weshalb war diese Feuerwehrübung überhaupt nötig? Laut Cattelan hat der Kanton in den anderthalb Jahren, in denen er um das ­Problem wusste, Rauchschürzen und zusätzliche Ventilatoren eingebaut. «Doch es gab weitere technische oder organisatorische Massnahmen, die getroffen werden müssen. Das wusste Basel-Stadt. Es kann beispielsweise sein, dass nicht genügend geschultes Personal zur Verfügung steht, das bei einer Evakuation hilft, wenn Panik ausbricht. Oder dass die Fluchtwege nicht breit genug sind», so Cattelan.

Den ganzen Wirbel um die Joggelihalle hat auch Christoph Socin mitbekommen. Der Vizepräsident des CSI Basel wandte sich gestern besorgt an Hallenchef Thomas Kastl und verlangte eine schriftliche Bestätigung, dass das hochdotierte Springreit-Weltcupturnier Anfang nächsten Jahres wie geplant stattfinden kann. Anders als andere Sportveranstalter, die eine klare Meinung zu der ganzen Angelegenheit haben, aber lieber nicht zitiert werden möchten, spricht Socin Klartext. «Ich als Veranstalter bin als Allererster interessiert daran, dass niemand zu Schaden kommt. Aber hier übertreibt die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung eindeutig.»

Bis 80'000 Franken futsch

Er nennt ein Müsterchen: Der VIP-Bereich des Black Horse Club am CSI Basel sei für 120 Gäste angelegt. Die Gebäudeversicherung aber verlange einen Fluchtweg für mehrere Hundert Personen, was natürlich unverhältnismässig sei. «Nun müssen wir darüber verhandeln, wie viele es am Ende wirklich sein sollten.» Im vergangenen Jahr habe das Reitturnier für die VIP-Rampen wie vorgeschrieben extra massives Holz bestellt, das bei einem Brand Stabilität für 60 Minuten gewährt.

Dieses Jahr sei das laut seinen Informationen plötzlich nicht mehr nötig. «Was nichts anderes bedeutet, als dass wir für die Investition rund 60'000 bis 80'000 Franken in den Sand gesetzt haben.» Wer nur lange genug suche, so Socin, der finde bei einem Gebäude der höchsten Brandschutz-Sicherheitsstufe immer etwas. Er vermutet, dass der Zwist auch politischen Ursprungs ist: «Die Situation mit der Halle, die Basel-Stadt gehört, aber auf Baselbieter Land steht, ist höchst unglücklich und führt schon seit langem zu Friktionen zwischen den beiden Parteien.»

Socin glaubt, dass man nun vonseiten Basellands bewusst ein Exempel statuieren wollte – und sich dafür das Rapper-­Konzert ausgesucht habe.

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