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«Mona Lisa» hilft bei Männerproblemen

Am Universitätsspital Basel ist ein neuer Operationsroboter im Einsatz. Mit ihm lassen sich schonender Gewebeproben der Prostata zielgenau entnehmen.

Der Urologe Christian Wetterauer vom Unispital Basel bringt den Operationsroboter «Mona Lisa» in Stellung. Foto: Kostas Maros
Der Urologe Christian Wetterauer vom Unispital Basel bringt den Operationsroboter «Mona Lisa» in Stellung. Foto: Kostas Maros

Universitätsspital Basel, morgens um 9 Uhr. Ein Mann liegt rücklings auf dem Operationstisch. Seine Beine sind hochgelagert. Eine Abdeckung verhindert den Blick auf die Rückseite des Mannes. Doch durch eine Öffnung sieht man seinen Anus.

Bei diesem Patienten besteht Verdacht auf Prostatakrebs. Es müssen Gewebeproben von seiner Prostata entnommen werden, um zu bestimmen, welcher Art das verdächtige Gewebe ist. Von dieser Biopsie hängt ab, wie eine allfällige Behandlung aussieht. Langsam wachsende Tumoren in der Prostata werden oft nur beobachtet, bei aggressiveren aber muss operiert werden. Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Frühzeitig eine exakte Diagnose zu haben, ist entscheidend für die Heilungschancen.

Präziser und schonender

Der Mann auf dem Operationstisch ist einer der ersten in Basel, bei dem Prostata-Gewebeproben mittels dem neuen Operationsroboter «Mona Lisa» entnommen werden. Der Roboter ist seit diesem Jahr am Universitätsspital im Einsatz. Dank ihm können Biopsien präziser und schonender für den Patienten vorgenommen werden.

Bisher erfolgten Probeentnahmen der Prostata entweder über den Enddarm oder über den Damm zwischen Anus und Hodensack. Der zuständige Arzt führte mehrmals eine hohle Nadel ein, die bis zur Prostata vordrang, sodass dort die Biopsie vorgenommen werden konnte. Es hing vom Geschick und der ruhigen Hand des Arztes ab, ob er Proben der richtigen Teile erwischte. Beim Zugriff über den Enddarm bestand zudem die Gefahr einer Infektion.

Nur zwei Einstichstellen

Damit ist es nun vorbei. «Mona Lisa» errechnet, wo und wie tief die Nadel zur Probeentnahme genau eingeführt werden muss, vom Damm des Patienten aus. Der Roboter führt die Biopsie dann selber präzise aus. «Mona Lisa» kommt – im Gegensatz zur Entnahme von Hand – mit nur zwei Einstichstellen für alle Biopsie-Proben aus.

Grundlage für die Arbeit des Roboters ist, dass zwei Verfahren zusammengefügt wurden. Zum einen verwendet «Mona Lisa» ein dreidimensionales Bild der Prostata, das vor der Operation mittels Magnetresonanz-Tomografie (MRI) erstellt worden ist. Auf diesem Bild erkennt man in der Regel, wo Krebsherde liegen könnten. Zum anderen braucht der Roboter Echtzeit-Daten von der Lage der Prostata mittels Ultraschall. Für das muss vor dem Eingriff eine Ultraschallsonde in den Enddarm eingeführt werden. «Mona Lisa» legt dann beide Bilder rechnerisch übereinander und weiss so, wo im Raum die kritischen Stellen des Organs genau liegen.

Kontrolle über Bildschirm

Der Patient auf dem Operationstisch ist narkotisiert. So bekommt er vom Prozedere nichts mit und spürt keine Schmerzen. Christian Wetterauer, Oberarzt der Urologie am Unispital, nimmt den Eingriff vor. Die Ultraschall-Sonde des Roboters wird dem Patienten sorgfältig in den After geschoben. Auf einem Bildschirm erscheinen die Umrisse der Prostata, die Wetterauer nachzeichnet. «Mona Lisa» legt nun Ultraschall- und MRI-Bild übereinander, mit der entsprechende Software. Geplant ist die Entnahme von sechs zylinderförmigen Gewebeproben. Auf dem Bildschirm erkennt man, an welchen Stellen Material der Prostata entnommen werden soll.

Nun geht alles schnell. «Mona Lisa» errechnet sechsmal hintereinander die korrekte Position und manövriert entsprechend seine Eindringvorrichtung an den richtigen Ort. Christian Wetterauer muss jeweils nur noch einen Knopf drücken. Der Roboter führt nun die Hohlnadel ins Gewebe und befördert nacheinander sechs fadenartige Gewebeteile ans Tageslicht. Diese werden je in ein kleines Gefäss mit einer Flüssigkeit gelegt. Die Gefässe sind durchnummeriert. So kann mithilfe der Aufzeichnungen von «Mona Lisa» zurückverfolgt werden, woher die Gewebeproben genau stammen.

Manche Patienten seien verunsichert, wenn sie hörten, dass sie mit einem Roboter operiert werden sollen, sagt Helge Seifert, Chefarzt der Urologie am Unispital. «Der Roboter trifft aber sehr viel besser das, was getroffen werden soll, als wenn ein Arzt manuell vorgeht.»

Wissenschaftlich begleitet

Bis jetzt sei der Biopsie-Eingriff mit «Mona Lisa» am Universitätsspital rund zwanzigmal durchgeführt worden, so Seifert. Alle Eingriffe würden wissenschaftlich begleitet, um Genaueres herauszufinden, wie präzise der Roboter arbeitet.

«Wir haben als Unispital die Aufgabe, neue Techniken einzuführen und auszuprobieren», ­betont Helge Seifert. Denn das Unispital verstehe sich als Technologieführer, was neue Operationstechniken angeht. So wurde am Unispital schon vor vier Jahren der Operationsroboter «Carlo» eingeführt, der Knochen mit einem Laserstrahl durchschneiden kann. «Carlo» wird etwa bei komplexen Fehlbildungen von Schädelknochen eingesetzt. Ebenfalls verlässt sich das Unispital seit einigen Jahren auf das Operationssystem «Da Vinci», mit dem sich Tumoren in der Lunge oder in der Prostata herausoperieren lassen. «Da Vinci» arbeitet allerdings nicht autonom, sondern führt mit seinen Operationsarmen die Bewegungsanweisungen eines Arztes aus.

Der Patient am Unispital ist nun aus seiner Narkose erwacht. Der Eingriff mittels «Mona Lisa» hat etwa eine halbe Stunde gedauert. In einigen Tagen wird er Bescheid bekommen, welcher Art die verdächtigen Stellen in seiner Prostata sind.

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