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Falsch abgebogen: Neues Navi am Euro-Airport führt zu mehr Fluglärm

Das neue Verfahren RNAV hat zu einer Verlagerung der Abflugrouten geführt - und damit zu mehr Verkehr über Allschwil. Nun soll das Abflugverfahren korrigiert werden.

Thomas Dähler
Flugspuren vor der RNAV-Einführung...
Flugspuren vor der RNAV-Einführung...
EAP
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Der Euro-Airport reagiert auf die zahlreicher gewordenen Lärmklagen aus der Schweiz: Das satellitengesteuerte Abflugverfahren RNAV wird korrigiert, die über Allschwil führenden Flugrouten werden weiter nach Norden verschoben.

«Drei Monate nach Einführung des neuen Abflugverfahrens haben wir eine ausserordentliche Prüfung vorgenommen», erklärte gestern Matthias Suhr, Direktor des Flughafens Basel-Mulhouse, vor den Medien. Diese habe ergeben, dass tatsächlich mehr Leute vom Fluglärm betroffen seien als zuvor. Die aufgezeichneten Flugspuren belegen, dass Richtung Süden startende Flugzeuge nach der Rechtskurve zu weit südlich fliegen würden. «Das hat uns überrascht und war nicht voraussehbar», sagte Suhr.

Mit dem Ende Januar in Betrieb genommenen satellitengesteuerten Flächennavigationsverfahren RNAV verfolgen der Euro-Airport und die französische Flugsicherungsbehörde DSNA eigentlich das Ziel, die Anrainer vom Fluglärm zu entlasten. Gemäss Vorgabe hätten 1600 Personen weniger vom Fluglärm beeinträchtigt werden sollen.

Die erste Bilanz nach drei Monaten ergab jedoch, dass nicht weniger, sondern mehr Personen unter dem Fluglärm leiden. Schuld daran ist, dass die Flugrouten zwar wie geplant besser gebündelt werden konnten, sich diese aber aus nicht bekannten Gründen weiter Richtung Schweiz verschoben. Auf Höhe Allschwil beträgt die Südverschiebung 150 Meter, auf Höhe Schönenbuch 500 Meter.

«Eine Lärmbelastung für mehr Anwohner ist nicht akzeptabel», sagte Suhr. Der Euro-Airport und die Flugsicherungsbehörde seien sich darüber einig und hätten sofort Massnahmen eingeleitet. Die betroffenen Gemeinden seien gestern informiert worden. Direktor Suhr ist davon überzeugt, dass es gelingen werde, die Flugroute nach dem Südstart ab Piste 15 und der Kurve Richtung Westen präzise in das am wenigsten besiedelte Gebiet zwischen Allschwil und Buschwiller bzw. zwischen Schönenbuch und Wentzwiller verschieben lasse.

Keine Kritik am RNAV

Das Navigationssystem RNAV werde nicht infrage gestellt. Dieses sei in mehreren Flughäfen in Betrieb. Die Situation sei jedoch am Euro-Airport speziell, denn das Siedlungsgebiet liege sehr nahe an der Piste, und die Maschinen müssten bereits sehr kurz nach dem Start abdrehen.

Nötig sei jetzt eine genaue Analyse der einzelnen Faktoren, welche die Flüge nach dem Start vom Euro-Airport zu weit Richtung Schweiz verschieben würden. Möglicherweise stelle sich heraus, dass die bei der Systemumstellung unverändert gelassenen virtuellen Wegpunkte korrigiert werden müssten.

Suhr erläuterte gestern mögliche Ursachen für die unerwünschten Flugkurven, etwa das Flight Management System in den Cockpits, die operationelle Vorgabe der Fluggeschwindigkeit oder die leicht veränderten Sicherheitsvorgaben. Der Euro-Airport geht davon aus, dass die Analysen und die Tests bis Ende Jahr durchgeführt werden könnten.

2020 könne dann nach den entsprechenden Konsultationen das Verfahren korrigiert werden. Konsultiert werden müssen die französische Commission Consultative de l’Environnement, die französische Autorité de Contrôle des Nuisances Aéroportuaires sowie die Fluglärmkommission beider Basel.

Die Flugrouten über Allschwil sind in den vergangenen Monaten von vielen Anrainern kritisiert worden. Zuletzt wurden in Allschwil sogar Unterschriften für eine von den örtlichen Behörden unterstützte Petition gesammelt. In Diskussion sind zudem zahlreiche weitere Massnahmen, die den Fluglärm einschränken könnten.

Weitere Massnahmen

Die jetzt in die Wege geleitete Optimierung des Navigationsverfahrens erfolgt unabhängig von der Diskussion um die mögliche Verlegung des Abhebepunktes auf der Piste 15. Geprüft wird, ob künftig auf der Piste generell weiter hinten abgehoben werden soll. Diese Praxis gilt heute in den sensiblen Nachtstunden sowie am Wochenende, ist jedoch wegen der veränderten Lärmverteilung nicht unproblematisch.

Der französische Lärmvorsorgeplan führt neben dem optimierten Abflugverfahren und der möglichen Verschiebung des Abhebepunktes auch auf, dass der Flugplan zu den sensiblen Zeiten überprüft werden müsse, dass die Start- und Landegebühren anpasst werden könnten, dass die fixe Stromversorgung der stehenden Flugzeuge durch den Flughafen sicherzustellen sei und dass der Schallschutz für Gebäude in Flughafennähe zu verbessern sei.

Offen ist über den Lärmvorsorgeplan hinaus auch noch das bei der französischen Luftfahrtbehörde in Paris zur Prüfung beantragte Verbot von Starts nach 23 Uhr.

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