Ein Vogelhaus für 20 Millionen Franken

Nach den Herbstferien beginnen die Bauarbeiten für das neue Zuhause für Basels Zolli-Vögel.

Schamadrosseln: Ob Papa oder Mama, der Nachwuchs wird von beiden aufgezogen.

Schamadrosseln: Ob Papa oder Mama, der Nachwuchs wird von beiden aufgezogen.

(Bild: Zoo Basel)

Franziska Laur

Es kreucht und fleucht, zirpt und pfeift: Das Leben pulsiert im Vogelhaus des Basler Zolli. In unmittelbarer Nähe des Parks in der Mitte des Zolli auf der Anhöhe gelegen, wirkt der lang gezogene Bau eher unscheinbar. So lange, bis man eingetreten ist. Dann kann die Seele fliegen lernen.

Besonders, wer sich morgens um 8 Uhr in den altehrwürdigen Bau begibt, ist beeindruckt. In der Frische des anbrechenden Tages sind die Vögel in der Flughalle gerne bereit, sich auf Menschen einzulassen. Da spaziert eine kleine Strausswachtel eifrig im lockeren Waldboden in der Mitte des Hauses umher – im Schlepptau die Kleinen. Auch der Papa, erkenntlich am Krönchen auf dem Haupt, pickt mit.

Die Finanzierung steht

Keinen halben Meter über dem Haupt eines Besuchers brütet eine Dolchstichtaube ihre Eier aus. Verborgen im Blättergewirr sitzt sie vertrauensselig in ihrem Nest. Der Rotschwanzhäherling mit rostrotem Häubchen und rotem Schwanz durchfliegt die Halle, auch seine Partnerin begrüsst den Gast. Sie setzen sich in einen Baum und beobachten die Menschen mit Kulleraugen.

Neues Zuhause für 20 Millionen FrankenZwischen Restaurant (links ein Stückchen der Terrasse) und dem alten Vogelhaus (rechts) entsteht ein Neubau. Visualisierung: Zoo Basel

Es ist ein Vogelparadies, doch ein bröckelndes. Das 92-jährige Haus, erbaut vom Architekten Heinrich Flügel, braucht dringend eine Renovation. Doch während für das im vergangenen Mai an der Urne abgelehnte Ozeanium innert wenigen Jahren fast hundert Millionen Franken zusammengekommen sind, harzte es beim Vogelhaus mit Spenden für die benötigten 20 Millionen. Und der Zolli beginnt erst mit Bauten, wenn genug Donatoren zugesagt haben. Daher gab es Verzögerungen.

Jetzt steht die ­Finanzierung ­endlich. Im Herbst sollen die Bauarbeiten beginnen.

Zolli-Direktor Olivier Pagan freut sich riesig auf den Umbau des Vogelhauses. «Das ist eine Super-Sache», sagt er. Das Gebäude habe einen unglaublichen Charme. Es sei grossartig, dass man diese Bausubstanz erhalten könne. Die sich momentan innerhalb der Flughalle befind­lichen Volieren werden nach aussen verlegt. Der Boden in der als Flugraum genutzten Halle wird abgesenkt und bepflanzt. Damit vergrössert sich der Bewegungsraum für die Tiere, und eine vielfältige Bepflanzung wird möglich. Dank einer Erweiterung der Dachverglasungen kann viel Licht ins Gebäude fallen. Zudem soll für die Besucher eine Plattform eingerichtet werden, wo die Vogelschar auf Augenhöhe beim Fliegen beobachtet werden kann.

Märchenwald mit Bach

Die märchenhafte Stimmung der alten Freiflughalle soll erhalten bleiben, verspricht Kuratorin Friederike von Houwald. Im Innern weicht der Stein- einem ­Naturboden, der abgesenkt und bepflanzt wird. Dank einer Erweiterung der Dachfenster falle mehr Licht ins Gebäude. So entstehe eine vielfältigere und nachhaltigere Bepflanzung. Und ein kleiner Bach soll durch den Hallen-Wald fliessen.

Im lichtdurchfluteten Neubau voller blühender Pflanzen will der Zolli nicht zuletzt zu einem Kompetenzzentrum für die Brut von schwierig zu züchtenden und gefährdeten Vögeln werden. Dieses Gebäude wird zwischen dem alten Vogelhaus und dem Restaurant zu liegen kommen. Damit der Bau des neuen Gebäudes den Zolli-Alltag nicht zu sehr beeinträchtigt, wird er über die Bachlettenstrasse abgewickelt.

Auch im unter dem Vogelhaus gelegenen Park wird sich einiges ändern. Dort wird die Anlage der Rosa-Pelikane im Zuge des Umbaus vergrössert, um sie wieder zum Brüten zu bewegen. Und die verspielten Zwergotter werden dort ebenfalls ein neues Zuhause erhalten. Ein Genuss wird, dass sie sich dann bestens beo­bachten lassen, denn das lohnt sich. Momentan sind sie bei den Nashörnern untergebracht – eher etwas abseits des Geschehens. Wer am Morgen bei der Fütterung trotzdem dort ist, amüsiert sich köstlich beim Beobachten der putzigen Tiere, die unverdrossen versuchen, die Stange zu erklimmen, um an die Shrimps im Kessel zu kommen.

Während des Umbaus werden die Vögel des alten Vogelhauses in ein Provisorium auf der für Besucher unzugänglichen Schutzmatte einquartiert. Dort werden auch frostempfindliche Pflanzen überwintern.

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