Der Borkenkäfer vernichtet Fichten und Tannen

Die durch den Hitzesommer 2018 stark geschwächten Bäume und ein milder Winter haben dem gefürchteten Baumschädling hervorragende Lebensbedingungen beschert.

Der Buchdrucker aus der Unterfamilie der Borkenkäfer wütet unter der Rinde und hinterlässt seine typischen Spuren, die ihm zu seinem Namen verholfen haben.

Der Buchdrucker aus der Unterfamilie der Borkenkäfer wütet unter der Rinde und hinterlässt seine typischen Spuren, die ihm zu seinem Namen verholfen haben.

(Bild: Florian Bärtschiger)

Thomas Gubler

Wer derzeit auf der Autobahn A2 zwischen Augst und Arisdorf unterwegs ist, kriegt den Anschauungsunterricht direkt ins Auto geliefert. Gleich neben der Nationalstrasse stehen ganze Gruppen von Rottannen (Fichten) und Weisstannen, die entweder akut am Verdorren oder bereits verdorrt sind. Und weil rundherum alles grünt und spriesst, bieten die Nadelholzbäume einen besonders traurigen Anblick. Schuld am Debakel ist der Borkenkäfer.

An den Fichten wütet entweder unter der Rinde der Buchdrucker, der seinen Namen von den Strukturen erhalten hat, die er auf dem Stamm unter der Rinde hinterlässt, oder in der Krone der Kupferstecher. Die Weisstannen sind dagegen vom Krummzähnigen Tannenborkenkäfer befallen. Diese Schädlinge schaffen es, innert weniger Tagen oder Wochen ganze Baumgruppen zu vernichten. Waldeigentümer müssen nicht selten dem zerstörerischen Werk tatenlos zusehen, weil es schon zu spät ist, einzugreifen, oder es sich wirtschaftlich schlicht nicht lohnt.

Schwach wegen Trockenheit

Grund für die Borkenkäfer-Epidemie ist einerseits die Trockenheit im letzten Sommer, beziehungsweise in den letzten Sommern. Die Trockenperioden haben die Bäume geschwächt. Der darauffolgende milde und nicht sehr niederschlagsreiche Winter hat zum einen das Überleben der Käferpopulation begünstigt und zum andern zu wenig zur Regeneration der Bäume beigetragen.

Sind die Nadelbäume gesund, können sie sich durch Absonderung von Harz gegen die Käfer schützen. Sind die Bäume aber durch eine längere Trockenheit geschwächt, vermögen sie kein oder zu wenig Harz abzusondern und werden daher zur leichten Beute der Insekten. «Im Moment sind wir im Baselbiet flächendeckend mit der Käferproblematik konfrontiert», sagt Ernst Spahr, Kreisforstingenieur im Forstkreis 2 (Ergolz) vom Amt für Wald beider Basel. Eine Bekämpfung des Borkenkäfers ist schwierig bis unmöglich.

Zwangsnutzung unmöglich

«Bei frischem Befall versuchen wir einzugreifen und die befallenen Bäume zu entfernen und die Ausbreitung auf nicht befallene Bäume zu verhindern. Bei bereits abgestorbenen Bäumen ergreifen die Forstbetriebe nur noch Massnahmen, um die Sicherheit der Waldbesucher zu gewährleisten», sagt Spahr. Praktisch läuft es jedoch sehr schnell darauf hinaus, dass die Zwangsnutzung nicht möglich ist. «Bedingt durch die vielen Stürme in den letzten Monaten ist der Markt europaweit derart gesättigt, dass wir solche Bäume nicht mehr verkaufen können. Und Unmengen an Totholz anzuhäufen, ist auch nicht sinnvoll», sagt Christof Gubler, Förster des Reviers Schwarzbubenland, das von Büren bis zum Passwang reicht.

Dass die Fichte hierzulande keine idealen Lebensbedingungen mehr vorfindet und langfristig verschwindet und dass auch die Weisstanne höhergelegene Regionen bevorzugen könnte, zeichnet sich schon seit längerer Zeit ab. Dem Baselbiet und der Region Nordwestschweiz bleibt unter diesen Umständen immerhin der schwache Trost, «dass die hiesigen Wälder mehrheitlich einen Laubbaumbestand aufweisen», sagt Ernst Spahr.

Allein, auch den Laubbäumen droht Ungemach. Der Esche setzt seit längerer Zeit die Eschenwelke erheblich zu. Zwar ist die Baumart nicht wirklich in ihrem Bestand bedroht. Man geht aber davon aus, dass die bestehenden Bäume grossmehrheitlich davon befallen werden und absterben.

Auch die Buche leidet

Den vergangenen Hitzesommer kaum schadlos überstanden ­haben dürfte aber auch die ­Buche. Der häufigste Baum im Nordwestschweizer Wald wurde an exponierten Stellen erheblich in Mitleidenschaft gezogen. An einigen Stellen des Ergolztals, vor allem aber im Hardwald zeigen sich derzeit graue «Nester» im grünen Teppich, was möglicherweise darauf schliessen lässt, dass viele Buchen, die sich vergangenen Sommer schon früh rot oder rotbraun verfärbten, diesen Frühling nicht mehr austreiben.

Ernst Spahr warnt indessen vor verfrühten Schlüssen. Möglicherweise handle es sich auch nur um einen gestaffelten Austrieb. «In zwei oder drei Wochen wissen wir mit Sicherheit mehr.»

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...