Tötungsdelikt an Zaugg-Witwe bleibt mysteriös

Gegen Pascale Zaugg, Tochter des Künstlerpaars Rémy und Michèle Zaugg, ist ein Verfahren wegen vorsätzlicher Tötung eingeleitet worden. Michèle Zaugg ist im Januar auf ihrem Anwesen bei Mulhouse tot aufgefunden worden.

Bilder verschollen, Frau getötet, Tochter unter Tötungsverdacht: Der Schweizer Künstler Rémy Zaugg verstarb 2005 überraschend.

Bilder verschollen, Frau getötet, Tochter unter Tötungsverdacht: Der Schweizer Künstler Rémy Zaugg verstarb 2005 überraschend.

(Bild: Keystone)

Eineinhalb Monate nach dem Tötungsdelikt an Michèle Zaugg Röthlisberger ist gegen die Tochter des Künstlerpaares Rémy und Michèle Zaugg, Pascale (45), ein Verfahren wegen vorsätzlicher Tötung eingeleitet worden. Sie bleibt aber weiterhin in der Psychiatrischen Klinik von Altkirch interniert, weil sie für ein Verhör nicht ansprechbar ist. Das Verfahren ist gemäss französischem Recht rein administrativ; eine Festnahme über längere Zeit wäre gesetzwidrig. Laut dem Mülhauser Staatsanwalt Hervé Robin sprechen die Ärzte von einer schweren Schizophrenie.

Wie Robin gegenüber der BaZ weiter erklärte, sei man wegen des Gesundheitszustandes von Pascale Zaugg bei der Tataufklärung «keinen Schritt weitergekommen». Er glaubt deswegen auch nicht, dass der Hergang des Tötungsdelikts bald lückenlos geklärt werden könne, wenn überhaupt. Sicher sei lediglich, dass sie erschlagen wurde. Danach wurde sie in ein teppichähnliches Tuch gewickelt und unter dem Gerümpel des Gartenhauses des Anwesens der Künstlerfamilie versteckt.

Ein Familiendrama

Die ganze Zeit über, bis die Polizei die zuvor vom Gärtner mehrmals als vermisst gemeldete Mutter auffand, versteckte sich die Tochter in den Bauten des Anwesens, bis sie schliesslich der Suchequipe nicht mehr entkommen konnte. Ein ebenfalls zunächst vermisster und zu Unrecht verdächtigter Nachbar meldete sich aufgrund der Medienmeldungen aus seinen Ferien.

Die mit dem Fall Zaugg zusammenhängenden Umstände schildert der Basler Anwalt und Baselbieter Landrat Hans Furer als «horrible Krimistory»: Er war Präsident der Rémy-Zaugg-Stiftung und hatte Einblick in die intimen Familienverhältnisse der Zauggs. Nach dem überraschenden Tod des hoch bewerteten Künstlers Rémy im Jahr 2005 entwickelte sich ein Drama zwischen der Witwe und der einzigen Tochter. Diese hatte zwar anhaltende psychische Probleme, aber ein Kunststudium absolviert und sich mit dem reichen Industriellen Max Schweizer aus Schaffhausen verheiratet. Doch nach dessen Tod geriet sie in finanzielle Bedrängnis, zumal sie einen aufwendigen Lebensstil pflegte, erinnert sich Furer.

Rémy Zaugg beabsichtigte vor seinem Tod, mit seiner Stiftung in Porrentruy in einem historischen Gebäude ein Museum mit seinen Werken einzurichten, wofür die Star-Architekten Herzog und de Meuron die Planung übernahmen. Das Kapital bestand vornehmlich aus den hoch bewerteten Werken Rémy Zauggs. Doch nach dessen Ableben waren die bei renommierten Galerien in ganz Europa in Kommission genommenen Bilder von Mutter und Tochter heimlich abgeholt und an einen bislang unbekannten Ort verbracht worden. Die Stiftung musste darum Konkurs anmelden; das Haus in Porrentruy wurde für einen Pappenstiel versteigert.

Die Bilder sind verschollen

Wo die Bilder geblieben sind, ist laut Staatsanwalt Robin momentan nicht erklärbar, zumal dieser Aspekt des Delikts nicht die erste Priorität bei der Aufklärung habe. Der Besitz der Familie bestand zudem aus mehreren Gebäuden der früheren Textilfabrik «Texunion Pfaffenheim», und im Park hatte das Basler Architektenbüro Herzog & de Meuron im Auftrag seines Künstler-Freundes ein Atelierhaus gebaut. Die getötete Michèle war selber Künstlerin und hatte die Schrift und die Bemalung des FCB-Stadions in Basel-St. Jakob gestaltet.

Michèle Zaugg war am 21. Januar in ihrem Haus in Pfastatt bei Mulhouse tot aufgefunden worden. Ihr Tod sei aufgrund von mindestens zehn Schlägen eines stumpfen Gegenstands auf den Kopf der Frau erfolgt, hiess es damals. Der Gärtner von Michèle Zaugg gelangte schon einige Tage zuvor an die Behörden, weil er wegen des Ausbleibens von Instruktionen seiner Arbeitgeberin beunruhigt war.

Basler Zeitung

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