Drohende Kostenexplosion in der Pflege

Der Basler Uniprofessor und Gesundheitsökonom Stefan Felder stellt in einer Studie für die ASPS fest, dass die Spitex massiv mehr kosten und in einen Versorgungsengpass geraten wird, sofern sie ihre Strategie nicht grundlegend ändert.

Teure Hilfe: Die Kosten für Pflege- und Betreuungsleistungen könnten laut einer neuen Studie vom Basler Gesundheitsökonomen Stefan Felder explodieren.

Teure Hilfe: Die Kosten für Pflege- und Betreuungsleistungen könnten laut einer neuen Studie vom Basler Gesundheitsökonomen Stefan Felder explodieren.

(Bild: Elisabeth Real)

Der Schweiz droht bis 2035 eine Kostenexplosion und eine Versorgungslücke im Bereich der ambulanten Pflege, falls sie ihre Politik nicht grundsätzlich ändert. Dies belegt eine aktuelle Studie des Basler Gesundheitsökonomen Stefan Felder im Auftrag der Association Spitex privée Suisse ASPS. Anpassungen brauche es in den Bereichen Finanzierung, Marktzugang für Anbieter sowie Wahlfreiheit für Betroffene.

Wachstum und Alterung der Bevölkerung lassen den Bedarf an Pflegeleistungen jährlich steigen, ausserdem erhöhen sich auch die Ansprüche der Betroffenen .Die neue Studie des Basler Universitätsprofessors Stefan Felder stellt fest, dass die Pflegebedürftigkeit bis 2035 um 57% zunehmen werde. Die Resultate wurden am Freitag an einer Medienkonferenz in Bern vorgestellt.

Ambulante Pflege bremst Kostenexplosion

Besonders im stationären Bereich sollen die Kosten weiter steigen. Die heutigen jährlichen Pflegeausgaben werden sich von 10.9 Milliarden auf 30.2 Milliarden Franken (2035) fast verdreifachen. Die Pflege zu Hause als Alternative zum Pflegeheim bremst diese Entwicklung. Doch auch die Kosten für die ambulante Pflege dürften sich bis 2035 fast verdreifachen - wobei es zwischen den Kantonen grosse Unterschiede gibt. Die Gründe für diese Kostenexplosion liegen laut Studie hauptsächlich in der Preisentwicklung (Faktor 1,62) und der Demografie (1,57).

Die Studie sagt zudem eine Versorgungslücke in der ambulanten Pflege voraus. Immer älter werdende Menschen, die nicht nur an einer, sondern mehreren Krankheiten leiden, sind eine wachsende Herausforderung für die Pflege- und Betreuungsleistungen und lassen die Nachfrage nach Quantität und Qualität stetig steigen.

Eine umfassende Reform soll gegen die Versorgungslücke und Kostenexplosion vorgehen. Die finanzielle Belastung der öffentlichen Hand könne nur mit einem Systemwechsel reduziert werden. Für diesen Wechsel sieht die Studie eine Langzeitpflege aus vier Elementen vor:

- Subjekt- statt Objektfinanzierung
Künftig sollen ausschliesslich die erbrachten Pflegeleistungen vergütet und keine Institutionen mehr subventioniert werden. Damit werden nur Pflegeleistungen finanziert, und die Patienten haben bei den Anbietern die freie Wahl.

- Pauschalvergütungen gemäss Leistungskatalog
Ähnlich wie in der ambulanten (Ärzte-Tarmed) und der akutstationären Medizin (Spital-SwissDRG) sollen auch bei der Spitex Pflegeleistungen zusammengefasst und aufwandgerecht mit Pauschalen vergütet werden. Dies führt zu höherem Kostenbewusstsein und verhindert, dass unnötige Leistungen erbracht und verrechnet werden.

- Freier Wettbewerb aufgrund von Preis und Qualität
Die Finanzierung über Leistungen (Subjektfinanzierung) erlaubt es den Betroffenen, ihren Spitex-Anbieter frei zu wählen - ob öffentlich-gemeinnützig oder privat-erwerbs-wirtschaftlich. Der damit verbundene Wettbewerb führt dazu, dass jene Spitex-Organisationen im Markt verbleiben, die ein umfassendes Pflegeangebot in ausreichender Qualität zu attraktiven Preisen bieten. Kostenkontrolle sowie die Sicherstellung einer qualitativ und quantitativ hochstehenden Versorgung sind auf lange Frist garantiert.

- Vollangebot aus einer Hand
Die ambulanten Leistungserbringer müssen flexibel und rasch auf die sich ändernde Nachfrage reagieren und eine breite Palette an Dienstleistungen aus einer Hand anbieten können. Vor allem aber muss das Pflegeangebot mit Betreuungsleistungen ergänzt werden.

Gleichstellung öffentlicher und privater Spitex-Anbieter

Die Studie des Basler Gesundheitsökonomen Stefan Felder stützt die Parlamentarische Initiative (14.468) des ASPS-Präsidenten Rudolf Joder im Nationalrat. Diese fordert rechtliche Grundlagen zur Gleichstellung öffentlicher und privater Organisationen. Zum Beispiel bezüglich Mehrwertsteuer in der Hauswirtschaft und Betreuung sowie betreffend Beiträgen zur Förderung der Altershilfe etc.

naf/sda

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